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"Rampage 3: President down"Die "neue Weltordnung" des Uwe Boll

03.01.2017, 20:04 Uhr
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Gesellschaftskritik pur: Uwe Bolls "Rampage"-Trilogie. (Foto: Splendid Film)

Uwe Bolls Bill Williamson läuft 2009 Amok. Er sprengt ein Polizeirevier, tötet 93 Menschen. Ihm gelingt die Flucht. 2014 dringt er in einen TV-Sender ein, nimmt Geiseln, wieder sterben Menschen. 2016 hat Williamson ein neues Ziel.

"Einen Finger kann man brechen. Aber fünf Finger sind eine Faust." Dieser Ausspruch Ernst Thälmanns passt perfekt in die heutige Zeit. Zusammenhalt. Füreinander einstehen. Etwas bewegen. Revolution. So denkt Bill Williamson, 1986 in Oregon geboren. Bill ist 2016 in den USA eine Berühmtheit - und das schon seit Jahren. Seit 2009, um genau zu sein.

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Bill Williamson hält der Gesellschaft den Spiegel vor. (Foto: Splendid Film)

Damals sprengt er ein Polizeirevier in die Luft und läuft im Anschluss Amok. Sein Bodycount: 93. Auf einen Schlag ist er ein Massenmörder und landesweit bekannt. Er wird zu einem Medienereignis, auch weil ihm die Flucht gelingt und er untertauchen kann. Nach und nach wird es wieder ruhiger um Bill Williamson. Bis 2014.

Da parkt er sein Auto vor einer großen TV-Station und sprengt es in die Luft. Er dringt ins Gebäude ein, nimmt Geiseln. Bill will, dass ein Video von ihm landesweit ausgestrahlt wird. Wieder sterben Dutzende Menschen. Am Ende gehen die Behörden davon aus, dass Bill bei diesem Amoklauf ums Leben gekommen ist. Seine Leiche wird aber nie gefunden.

Nun ist 2016. Die USA haben schon weitaus bessere Zeiten gesehen: Die Mittelschicht wird immer kleiner, die Unterschicht wächst rapide. Immer wieder sterben Schwarze durch Schüsse aus Waffen weißer Polizisten. Amokläufe sind an der Tagesordnung. Die Armen bekämpfen sich gegenseitig. Das politische Establishment schaut zu. Bis ungläubige TV-Moderatoren verdutzt in die Kameras blicken und Millionen US-Bürger folgenden Satz hören: "Der Präsident ist tot."

Drei auf einen Schlag

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Wer steckt hinter dem Anschlag? (Foto: Splendid Film)

Er starb nicht allein. Bei einer Anhörung vor dem Senat wurden auch sein Vize und der Verteidigungsminister erschossen. Wer es war? Keiner weiß es. FBI, CIA, Heimatschutz, Polizei - alle Ermittlungen führen zunächst ins Leere. Es ist nur eines bekannt: Ein sehr guter Scharfschütze war am Werk, die tödlichen Schüsse kamen aus über einer Meile Entfernung - und saßen perfekt.

Der Druck auf das Ermittlerteam wächst. Der Öffentlichkeit muss ein Schuldiger präsentiert werden. Mit Hilfe einer neuen Gesichtserkennungssoftware entdecken die Beamten einen alten Bekannten, der zur Tatzeit in Washington unterwegs war: Bill Williamson. Wie kann das sein? Der ist doch tot!

Unkraut vergeht nicht

Nein, ist er eben nicht. Und was hinterlässt einen größeren Eindruck bei der Bevölkerung, als dass man sich auf die Fahnen schreiben kann, man habe den mächtigsten Mann der Welt ausgeschaltet, ja die Welt von ihm befreit. So denkt zumindest Bill Williamson. Die politische Elite greift lieber zum Terrorhammer: Der IS habe sich bekannt. Die Terrormiliz sei schuld am Tod der politischen Führung. Gemeinsam mit Russland und China werden Vergeltungsschläge durchgeführt. In den USA lässt man landesweit Moscheen schließen und muslimische Vereine verbieten. Und das alles, während die Ermittlungen gegen Williamson eingestellt werden.

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Bill Williamson ist nicht tot. (Foto: Splendid Film)

Der lacht sich ins Fäustchen. Wieder einmal versucht das Establishment, die breite Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen. Aber die beiden Hauptermittler bleiben an Williamson dran. Sie wissen, dass er hinter dem tödlichen Anschlag steckt. Und sie finden Williamson.

Er hat sich in einem abseits gelegenen Waldstück häuslich niedergelassen - im Boden. Von dort verbreitet er über einen eigenen Youtube-Kanal seine Verschwörungstheorien. Opium fürs Volk, Treibstoff für die Revolution. Am Ende heißt es dann Williamson gegen 300. Aber die Zahl seiner Gegner nimmt sehr schnell ab.

Denkt einfach mal drüber nach!

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Uwe Boll (Foto: picture alliance / dpa)

Wenn es jemals einen aktuellerem, vor Gesellschaftskritik strotzenden Film gegeben hat, dann auf alle Fälle nicht so direkt und geradeheraus umgesetzt, ohne Schnörkel, wie "Rampage 3 - President down" des deutschen Regisseurs Uwe Boll. Der Film bildet den grandiosen Abschluss seiner überaus erfolgreichen und unterhaltsamen "Rampage"-Reihe. Wobei die durchaus fortgesetzt werden könnte. Aber das nur am Rande.

Boll schafft es mit "Rampage 3", absolut up-to-date zu sein. Der Film spiegelt das Amerika wider, welches Donald Trump zum Wahlsieg verholfen hat: eine von Angst zerfressene weiße Unter- und Mittelschicht. Immer wieder Amokläufe. Immer wieder blutiger Terror vor den eigenen Haustüren. Immer wieder die gleichen Beschwichtigungen, die identischen hohlen Phrasen "von oben".

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Die komplette "Rampage"-Reihe ist bei Splendid erschienen. (Foto: Splendid Film)

Den eigenen gesellschaftlichen Absturz vor Augen, wird der Ruf nach Veränderung immer lauter. Er wird zu einem Orkan, der alles bisher Dagewesene wegfegen will. Was fehlt, ist der berühmte kleine Funke, der die Explosion auslöst; der berühmte Tropfen Wasser, der das Fass zum Überlaufen bringt. Williamson weiß das - und er macht sich das geschickt zunutze. Er ist der Funke, er ist der Tropfen Wasser.

Und Boll? Der macht Williamson sympathisch. Ein Geniestreich. Als Zuschauer beginnt man über das nachzugrübeln, was der von Behörden und Medien als "Terrorist" und "Massenmörder" titulierte Williamson via Youtube an die Außenwelt absondert. Williamson ist nicht dumm, das merkt der Zuschauer schnell, auch wenn er die anderen beiden Filme nicht gesehen haben sollte. Williamsons Beweggründe sind klar: Er will eine bessere Welt. Wer will die nicht? Vor allem als Vater.

Und das ist Bolls zweiter Geniestreich: Williamson hat einen Sohn, noch nicht geboren. Umso eindrucksvoller kommt der Schlussakkord, das i-Tüpfelchen von "Rampage 3" daher: Man kann das Ende des Films nicht als offen bezeichnen, aber es bietet genug Platz für die Fantasie der Zuschauer: Williamson war nur ein Finger. Die Faust schlägt aber zu.

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Quelle: ntv.de

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