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Am "Puls" der Zeit Die Apokalypse beginnt mit einem Anruf

24.01.2017, 20:20 Uhr
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John Cusack will seinen Sohn finden, in einer Welt, die den Bach runtergeht. (Foto: Concorde Video)

Zombies bringen den Weltuntergang. Das ist die herrschende Meinung der Filmemacher. Stephen King wählt einen anderen Weg: den alltäglichen Hightechwahn. Sein Endzeitthriller "Puls" schockt auf der ganzen Linie.

Der Technikwahn greift immer mehr um sich: Zahnbürsten, die dir sagen, ob du richtig Zähne putzt. Kühlschränke, die selbst Essen nachbestellen. Autos, die autonom fahren. Eigentlich ist das alles doch absolut überflüssig. Aber die fortschreitende Digitalisierung hält wohl keiner mehr auf. Damit wachsen natürlich auch die Gefahren: Hacker räumen Bankkonten leer, stehlen ganze Identitäten, vernichten Leben. Wer Verschwörungstheorien nachhängt, hebt spätestens jetzt den Finger und warnt vor "Big Data", dem Staat und Tech-Riesen wie Google, Apple, Facebook oder Amazon.

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"Puls" ist bei Concorde Video erschienen. (Foto: Concorde Video)

Bereits vor ein paar Jahren hat sich Stephen King dem Techwahn und seinen Gefahren gewidmet. Sein Bestseller "Puls" wurde verfilmt und erscheint nun für den Heimkinomarkt. An Brisanz hat er nichts eingebüßt, vielmehr ist er aktueller und realer denn je.

War das ein Terroranschlag?

Clay Riddell (John Cusack; "Con Air", "High Fidelity") ist geschäftlich in Boston tätig. Er entwirft Graphic Novels und wohnt in einem Hotel nahe dem Flughafen. Als er wieder nach Hause zu seiner Frau und Sohn fliegen will und sie darüber informiert, streikt sein Handyakku, das Smartphone gibt seinen Geist auf. Via Festnetz versucht er es erneut, als plötzlich alle Menschen um ihn herum durchzudrehen scheinen.

Ihre Smartphones an den Ohren, werden aus ruhigen Männern und Frauen rasende Monster, die übereinander herfallen und sich töten. Auslöser des Ganzen scheint ein einziges Signal gewesen zu sein, das über die Smartphones übertragen wurde. Clay kann sich retten, der Zugführer Tom (Samuel L. Jackson; "Hateful 8", "Kingsman") ebenfalls.

Nach ihrer Flucht aus dem Chaos des Bostoner Flughafens landen die beiden in Clays Hotelzimmer. Dort verstecken sie sich, sammeln Kräfte und denken darüber nach, was nun zu tun ist. Alice (Isabelle Fuhrman; "Orphan") stößt zu ihnen. Sie wohnt über Clay und musste sich vor ihrer durchgedrehten und nun toten Mutter in Sicherheit bringen. Zu dritt beschließen sie, sich zu Clays Familie durchzuschlagen, denn Clay muss wissen, was mit ihr passiert ist.

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Das trostlose Ambiente passt perfekt. (Foto: Concorde Video)

Sie brechen auf und versuchen so weit es geht, den "Phonern", wie sie sie nennen, aus dem Weg zu gehen. Das gelingt mal gut, mal weniger. Sie beobachten das Verhalten der Phoner, ihre Kommunikation. Sobald ein Phoner die kleine Gruppe sieht, weiß auch der Rest der Horde über deren Standort Bescheid. Das finden Clay, Tom und Alice ebenso heraus wie die Tatsache, dass die Phoner sich wie Bienen- oder Vogelschwärme bewegen und nachts schlafen. Dabei ertönt Musik aus ihren Mündern.

Burn Motherfucker burn!

Als die drei Suchenden auf ihrem Weg an einer verlassenen Schule vorbeikommen, bitten Direktor Charles Ardai (Stacy Keach; "American History X") und der letzte überlebende Schüler, Jordan (Owen Teague), sie herein. Sie zeigen der Gruppe das Footballfeld, auf dem Hunderte Phoner schlafen. Mit einem mit Benzin befüllten Bewässerungswagen fahren sie über sie hinweg und zünden die Horde dann an. In den lodernden Flammen des um sich greifenden Feuers können die Menschen die Wut der Phoner spüren. Ein Feuerstrahl wird vom Footballfeld abgelenkt und lässt den Bewässerungs-Lkw explodieren. Charles kommt dabei ums Leben, Jordan zieht mit Clay und Co. mit.

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Handys machen aus normalen Menschen rasende "Zmbies". (Foto: Concorde Video)

Nach zwei weiteren Begegnungen mit anderen Menschengruppen kommt Clay endlich zu Hause an. Aber statt einer auf ihn wartenden Familie findet er nur ein Blatt Papier am Kühlschrank: Seine Frau ist tot, sein Sohn auf dem Weg in eine als sicher geltende Stadt. Dorthin macht sich Clay nun auf. Allein und mit einer Menge Sprengstoff bewaffnet.

Mindestens eine Mini-Serie!

Hier wäre der perfekte Zeitpunkt für das Ende von Staffel 1, wenn "Puls" eine Fortsetzungsserie wäre wie "The Walking Dead". Doch Regisseur Tod Williams ("Paranormal Activity 2") entschied sich mit den Produzenten dagegen. Auch von einer abgeschlossenen Serie, wie "112263", die bei dem ebenfalls King'schen Bestseller "Der Anschlag" hervorragend funktioniert hat, ließ er die Finger. Damit ist "Puls" ein klassischer Spielfilm mit entsprechender Länge (knapp 100 Minuten) geworden.

Das sorgt allerdings auch dafür, dass viel Potenzial aus dem Buch verschenkt wurde: So bleiben etwa die Hauptcharaktere nur oberflächlich angerissen. Am Ende kommt der Film zudem zu schnell auf den Punkt, beleuchtet weder das Wieso noch das Warum. Wer steckt hinter all dem? Hier hätte der Film dem Buch sogar voraus sein können.

Das "Puls" dennoch eine sehenswerte King-Verfilmung ist, dafür sorgen weniger die klangvollen Schauspielernamen John Cusack und Samuel L. Jackson (beide haben schon bessere Filme gedreht) als vielmehr die zombieähnlichen Phoner. "The Walking Dead" trifft "28 Days later". Diese schaurig-gruseligen Untoten sind es, die ein ungutes Gefühl in der Magengegend des Zuschauers erzeugen. Die und die Tatsache, dass der Technikwahn die Apokalypse über die Menschheit gebracht hat. "Puls" sollte deshalb als warnendes Beispiel aufgefasst werden: Beim nächsten Smartphone-Klingeln vielleicht einmal nicht rangehen?

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Quelle: ntv.de

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