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Zombies - mal auf die dänische Art"Desperate Housewives" trifft "Walking Dead"

15.11.2016, 19:58 Uhr
imageVon Thomas Badtke
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Wie Sorgenfri selbst, macht auch Dino im Lauf des Films eine Metamorphose durch: Er muss Entscheidungen fällen, die nicht nur sein Leben für immer verändern. (Foto: Capelight)

Die Luft ist sauberer, die Nachbarn sind netter, das Leben ist spießiger: Willkommen in der Vorstadt-Idylle. Klingt langweilig? Nicht bei "What we become", denn hier mischen Zombies die Siedlung "Sorgenfri" mächtig auf.

Die Sonne scheint. Es ist einer dieser wunderbaren Sommertage in der Idylle einer Vorstadtsiedlung. Die Luft stinkt nicht nach den Autoabgasen und dem Müll der Großstadt. Nervende Touristenschwärme sucht man ebenso vergebens. Dafür kennt natürlich jeder fast jeden. Hier kann man sich wohlfühlen, hier muss man sich zu Hause fühlen. Den Johanssons geht es zumindest so.

Die vierköpfige Familie bewohnt ein nettes Häuschen und kämpft mit den alltäglichen Problemen: Der Vater meidet Konflikte und will nur seine Ruhe. Die Mutter hat heimlich die Hosen an. Der Sohn ist im Teenageralter und entdeckt gerade seine männliche Seite. Und die Tochter ist das Nesthäkchen, das von allen geliebt und verhätschelt wird. So weit, so gut.

Ein erster Hinweis ...

Als dann plötzlich im Fernsehen von einer rätselhaften, ernsten Krankheit im örtlichen Altersheim berichtet wird, schaltet die Mutter das Gerät schnell aus. Keine Zeit für diesen angstmachenden Mist, das alljährliche große Straßenfest wartet mit Bier und Bratwürsten, Kaffee und Kuchen, Klatsch und Tratsch. Der Vater ist bereits vorgegangen, seine Frau redet ihm zu viel. Auch der Sohn ist schon dort.

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Gustav muss schneller erwachsen werden, als ihm lieb ist. (Foto: Capelight)

Alles wie immer also in der Vorstadt-Idylle. Bis eine alte Frau auftaucht und von ihrem Mann erzählt, der vor dem Fernseher einfach so zusammengebrochen und seitdem nicht wieder aufgestanden sei. Vater und Sohn wollen der verstört wirkenden Dame helfen, sie wohnt nur ein paar Straßen entfernt. Doch ihre Hilfe kommt zu spät: Der alte Mann ist tot. Sogar schon kalt. Na, immerhin hat die Familie damit ein Gesprächsthema für die nächsten Tage. Vor allem die kleine Tochter will alles wissen.

Das Böse klopft an die Tür

Ein Todesfall in der näheren Nachbarschaft. Nichts Verwerfliches. Nichts, worüber man sich weiter Gedanken machen sollte. Doch was die Johanssons da noch nicht ahnen: Ihre kleine Vorstadt-Idylle hat genau da begonnen, sich in Luft aufzulösen - denn der Tote wurde von einer Seuche dahingerafft, von der "ernsten Krankheit", von der im TV die Rede war. Und die greift rasend schnell um sich.

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Gute Schockeffekte müssen nicht teuer sein ... (Foto: Capelight)

Das Militär steht plötzlich auf den kleinen Rasenflächen, in den Gärten der Einfamilienhäuser. Die Vorstadtsiedlung wird abgeriegelt, die Bewohner unter Quarantäne gestellt. Die Johanssons auch. Gustav passt das ganz und gar nicht, denn im Haus gegenüber ist vor Kurzem eine neue Familie eingezogen, mit einer wunderhübschen Teenagertochter, die sich zudem für ihn zu interessieren scheint. Oder anders: Die ihn zumindest wahrnimmt. Er muss sie treffen. Da ist Ärger bei den Johanssons programmiert.

Als dann aber bewaffnete Soldaten an die Türen klopfen, Essen verteilen, erste Schüsse fallen, merkt auch Gustav, dass die Kacke so richtig am Dampfen ist. Jetzt heißt es: Die Familie muss zusammenhalten. Der Vater muss endlich den Arsch in der Hose haben, sie anzuführen - im Kampf um Leben und Tod. Die Seuche ist längst außer Kontrolle und Untote rennen, kratzen und beißen sich durch "Sorgenfri". Das ist der Name der Vorstadt-Siedlung.

"Desperate Housewives" trifft "The Walking Dead"

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"What we become" ist bei Capelight erschienen. (Foto: Capelight)

Sie liegt nicht weit von Kopenhagen entfernt und spätestens jetzt weiß der Zuschauer, dass er einen dänischen Zombiefilm sieht. Einen, der sich zudem sehen lassen kann. "What we become" des Regisseurs Bo Mikkelsen ist ganz klar ein Streifen mit begrenztem Budget. Die Schauspielerriege um Troels Lyby (Dino), Mille Dinesen (Pernille) und Benjamin Engell (Gustav) ist hierzulande nahezu völlig unbekannt. Aber dafür glänzt "What we become" mit handgemachten Schockeffekten, die sich sehen lassen können - und einem Charme von US-TV-Familienserien.

Irgendwie kommt beim Zuschauer auch nie das Gefühl auf, den 100. X-beliebigen Zombiefilm-Abklatsch zu sehen. Vielmehr fühlt er sich zunächst an "Shaun of the Dead" erinnert ob seiner Skurrilität. Danach kommt einem dann "Desperate Housewives" in den Sinn. Und erst in den letzten 20 Minuten des knapp 80-Minuten-Films, dann, wenn die Zombies das Zepter übernehmen, denkt man an die Anfänge von "The Walking Dead".

Das wirklich Großartige an "What we become" ist die Tatsache, dass die Zombieplage nicht in einer Großstadt beginnt. Sorgenfri könnte auch 20 Kilometer vor Hamburg, Berlin oder München liegen. Oder irgendwo im Münsterland, Sauerland oder Thüringen. Das gefällt und weckt zweierlei Hoffnungen: Zum einen wünscht man sich als Zuschauer, dass "What we Become" vielleicht doch nur ein Pilotfilm einer Serie ist, die dann unendlich weitergeht. Zum anderen hofft man, dass auch hierzulande sich endlich einmal mutige Regisseure finden, die einen guten deutschen Zombiefilm inszenieren. Die Zeit ist reif, deutsche Vorstadtsiedlungen sind es schon lange.

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Quelle: ntv.de

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