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"Operation Anthropoid"Das Attentat auf Reinhard Heydrich

07.02.2017, 19:03 Uhr
imageVon Thomas Badtke

1942 peitschen Schüsse an einer Straßenkreuzung in Prag. Ein Mann wird schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Sein Name: Reinhard Heydrich. Er gilt als "Architekt der Endlösung" und "Henker von Prag". Ein Film greift das Thema auf.

Im September 1938 treffen sich Vertreter der politischen Führung Großbritanniens, Italiens und Frankreichs mit Adolf Hitler in München. Auf dieser Konferenz droht Hitler für den Fall, dass die angrenzende Tschechoslowakei nicht in deutsches Staatsgebiet übergeht, unverhohlen mit Krieg. Ohne jegliche Verbündete muss die Tschechoslowakei die Waffen strecken und Deutschland nimmt das Land ein, ohne dass auch nur ein Schuss fällt. Ein Jahr später lässt Hitler Polen überfallen und kurze Zeit darauf befindet sich die Welt erneut im Krieg.

Die Produktion der tschechoslowakischen Fabriken ist für die Deutschen kriegswichtig, allerdings wird sie maßgeblich vom einheimischen Widerstand gestört. Hitler schickt seinen dritten Mann im Reich, um den Widerstand zu brechen und zu beenden. Sein Name: Reinhard Heydrich. Bekannt wird der SS-Obergruppenführer aber aufgrund seiner brutalen Methoden unter dem Namen "der Henker von Prag". Die "Operation Anthropoid" hatte seine Ermordung zum Inhalt. Mehrere Exil-Tschechen kehrten deshalb in ihre Heimat zurück, um dieses schier unmöglich erscheinende Unterfangen in die Tat umzusetzen.

Nicht auffallen

Unter ihnen befinden die beiden jungen Männer Josef Gabcik (Cillian Murphy; "Peaky Blinders", "Inception") und Jan Kubis (Jamie Dornan; "Fifty Shades of Grey"). Sie kommen aus London. Der Auftrag, Heydrich auszuschalten, kommt direkt von der Exilregierung. Sie finden in Prag Unterschlupf, merken aber schnell, dass vom Widerstand nicht mehr viel übrig ist. Stattdessen herrscht eine Atmosphäre aus Angst und Unterdrückung. Josef und Jan wissen nicht, wem sie eigentlich trauen können.

Bei Marie (Charlotte Le Bon; "Bastille Day") und Lenka (Anna Geislerova) ist das schnell klar. Damit Josef und Jan in der Öffentlichkeit nicht so auffallen, werden die beiden Frauen ihnen als Begleiterinnen zur Seite gestellt. Als sie erfahren, was die Männer eigentlich vorhaben, sind sie zuerst geschockt, setzen dann aber alles daran, ihnen dabei zu helfen.

Josef, Jan und der Rest des Widerstands versuchen so gut es geht hinter Heydrichs Tagesablauf zu gelangen: Wann verlässt er sein Domizil? Wie stark ist seine Eskorte? Wann fährt er allein? Wann und wo wäre der beste Ort für ein Attentat?

Schüsse fallen

Die Monate gehen ins Land, Josef und Jan kommen den beiden Frauen näher und schon bald hat zumindest Jan Gewissensbisse, denn er will Lenka heiraten. Aber Josef stellt klar, dass sie nur wegen einer Sache in Prag sind: Heydrichs Tod. Als dieser dann plötzlich erst zurück nach Berlin soll und dann nach Paris, eine Rückkehr nach Prag nahezu als ausgeschlossen gilt, läuft der Attentätergruppe die Zeit davon. Sie müssen handeln. Schnell.

Das Attentat geht in die Hose. Heydrich ist nur schwer verletzt. Und bald wird klar, dass sich Hitlerdeutschland auf brutalste Art und Weise rächen wird. Die Suche nach den Attentätern gewinnt an Fahrt, als Heydrich im Krankenhaus seinen Verletzungen erliegt. Nun gehen SS-Schergen von Haus zu Haus, Belohnungen von mehreren Millionen Kronen werden ausgelobt. Josef und Jan müssen untertauchen. Raus aus Prag? Keine Chance, Prag ist abgeriegelt und die Deutschen sind ihnen bereits auf den Fersen. Eine Kirche bietet Obhut - und den perfekten Ort für den Showdown.

120 Minuten Geschichtsunterricht

Zuerst denkt man: Nicht schon wieder ein Film über den Zweiten Weltkrieg. Doch dann gräbt man in seinen eigenen Erinnerungen an die vielen Geschichtsstunden zu dem Thema und fragt sich: ein Attentat auf Heydrich? Nein, nicht, dass ich wüsste. Und schon hat einen der Film des Drehbuchautoren und Regisseurs Sean Ellis ("Cashback") gepackt. Die Story überzeugt, die Schauspieler, allen voran Cillian Murphy ebenso. Das Prag der damaligen Zeit sowieso.

"Operation Anthropoid" beruht auf einer wahren Begebenheit. Ob das Attentat damals haargenau so abgelaufen ist, bleibt offen. Aber Fakt ist: Heydrich war tot und Nazi-Deutschland rächte sich mit dem Mord an mindestens 5000 Tschechoslowaken, Kinder, Frauen und Männer. Der Film beschönigt in dieser Hinsicht nichts, weil es auch nichts zu beschönigen gibt. Er zeigt Gewalt, wo sie unverzichtbar ist, aber das war's dann auch.

Der Film versucht auch, die Gewissenbisse der einzelnen Attentäter zu beleuchten: Warum soll Heydrich sterben, wo doch genau bekannt ist, dass die Deutschen mit keinerlei Nachsicht reagieren werden? Dass es nach dem Attentat den Menschen in der besetzten Tschechoslowakei noch schlechter geht als vorher? Ein ganzen Dorf wurde regelrecht ausradiert, weil einer der Bewohner angeblich einem der Attentäter geholfen haben soll. Das alles konnte man sich auch in London vorstellen und dennoch gab die dortige Exilregierung den Befehl für dieses Himmelfahrtskommando.

Dieser Widerspruch gipfelt dann am Filmende in einem minutenlangen Häuserkampf: sinnlos, ohne Aussicht auf Erfolg. Und dennoch: Wenn man keine Chance hat, soll man sie nutzen. Dass "Operation Anthropoid" bisher filmisch nachrangig behandelt und stattdessen andere Kriegsepisoden, ja teilweise Anekdoten auf die Leinwand und damit auch unauslöschlich ins menschliche Gedenken und Vermächtnis gebrannt wurden, war ein Fehler, den Ellis mit seinem grandiosen bodenständigen Film nun ausgemerzt hat. Ein Geschichtsunterricht, der 120 Minuten spannend unterhält!

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