Zombie-Lümmel von der ersten Bank"Cooties": Bissiger Humor, Blutspritzer satt

Wer neben einer Grundschule wohnt, weiß, wie sehr laute Kinder nerven können. Gewalt ist dennoch keine Lösung - sagt die Gesellschaft. Aber wenn sich die Filmindustrie dieses Themas annimmt, ist alles erlaubt. Und das macht Spaß!
Was kommt heraus, wenn der Macher der "Paranormal Activity"-Reihe mit dem Drehbuchautoren von "Saw" und "Insidious" an einem Filmprojekt bastelt? Ein ultraharter Horrorstreifen mit Zeug zum Kultfilm. Aber wie passt der Schöpfer von "Glee" in dieses Bild? Elijah Wood ("Maniac", "Revenge for Jolly") hat da so eine Ahnung.
Er spielt Clint, einen klassischen Außenseiter, aufgewachsen im Kaff Fort Chicken. Der Name des kleinen Städtchens ist Programm, denn hier werden in einer Fabrik Hühner in Nuggets und andere wohlschmeckende Kleinteile verwandelt. Clints Traum ist es, Schriftsteller zu werden, also zieht er in die große weite Welt - und landet in Brooklyn. Doch statt sich mit einem bahnbrechenden Buch, das den Titel "Das Boot des Todes" trägt, ein künstlerisches Denkmal zu setzen, muss er Geld verdienen und arbeitet als Grundschullehrer.
Schnell kommt Clint zu dem Schluss: Zu Hause bei Mutti in seinem alten Kinderzimmer lässt sich eine Menge Geld sparen und so der Traum vom eigenen Buch vielleicht doch noch verwirklichen. Ein Job als Aushilfslehrer muss trotzdem sein. Clints alte Grundschule kommt da wie gerufen. Schnell hat er den Anfang seines Bestsellers zusammen: "Ein Mann kauft ein Boot. Doch es war böse."
An seinem ersten Arbeitstag wird Clint nicht müde, jeden Lehrer und Schüler auf sein großes Projekt hinzuweisen - auch seine alte Flamme Lucy (Alison Pill; "Milk", "Midnight in Paris"), die jetzt mit dem einstigen Football-Ass und jetzigen kauzigen Sportlehrer Wade (Rainn Wilson; "Juno") zusammen ist. Dem ist Clint bereits auf dem Parkplatz begegnet, als Wade mit seinem aufgemotzten Van Clints Prius zugeparkt hat.
Ein blutiger Zwischenfall
Aber schnell wird dem neuen Lehrer klar, dass Wade nicht sein größtes Problem an dieser Schule ist: In seiner ersten Stunde beißt eine Schülerin einem Jungen das halbe Gesicht ab - ohne Grund. Das blutige Ereignis ist das Gesprächsthema im Lehrerzimmer.
Bei einem Kaffee sitzend oder stehend parlieren die Lehrer über das Vorkommnis, blicken dabei ab und an gelangweilt aus den Fenstern auf die über den Schulhof jagenden Kinder. Jagen ist das richtige Wort. Schnell kommt es zu weiteren Beißattacken und aus einer Horde Pubertierender wird eine wilde Meute Killer-Zombies. Wade, der gerade ein paar Körbe wirft, kann nur dank seines alten Football-Knowhows den kleinen Rackern entkommen.
Die Lehrer verbarrikadieren sich in der Schule. Doch die Schüler, mittlerweile rasend vor Blutdurst, finden immer wieder einen Weg zum Kollegium. Eine Mutter, die ihren Sohn abholen will, wird als Retterin auserkoren - und stirbt telefonierend in ihrem Auto, nachdem ihr Sohn sich zunächst genussvoll über das kleine Geschwisterchen auf dem Rücksitz hergemacht hat. Ein Polizist, der an der Schule vorbeifährt und sich wundert, warum so viele Kinder am Zaun stehen, überlebt es ebensowenig wie der eine oder andere Lehrer und Putzkraft.
Das Blatt scheint sich erst zu wenden, als der etwas durchgeknallte Lehrer Doug (Leigh Whannell; "Saw") herausfindet, wieso die Kinder so rasend bissig sind und dass sie nur sterben, wenn man ihren Kopf abtrennt. Er entdeckt auch, weshalb nicht alle Kinder Zombies werden. Aber des Rätsels Lösung kommt etwas spät. Mittlerweile hat sich die durch die kleinen Racker ausgelöste Zombikalypse über ganz Fort Chicken hergemacht und sogar über die Stadtgrenzen hinaus ausgeweitet. Clint, Lucy und Wade bleibt nur eine Möglichkeit …
Bissig in jeder Hinsicht
Und diese Möglichkeit bietet so viel Stoff für weitere Teile. Wahnsinn. Aber diese Möglichkeit ist es auch, die das Ende des Films etwas skurril anmuten lässt. Gut, skurril ist "Cooties" sowieso. Aber das Filmende setzt noch einen drauf, weil es Fragen aufwirft. Solcherart Fragen, die man sich als Zuschauer nicht stellen will, denn sei zerstören den zuvor gewonnenen Eindruck über den Film. Und der war bis dahin äußerst positiv.
Elijah Wood brilliert wieder einmal in einer schrägen Rolle. Dass er den Film mitproduziert hat, zeigt zudem, dass er ein Näschen für skurrile Filmstoffe hat. Auch der Rest der Lehrer-Crew kann überzeugen. Die Rolle des Wade hätte maximal Vince Vaughn besser verkörpern können. Und Lucy? Jessica Biel hat bewiesen, dass sie Horror kann. Aber für solcherlei Hollywood-Größen war dann doch kein Geld da. Ist wohl alles für Kunstblut und Chicken Nuggets draufgegangen.
Das Ambiente stimmt dennoch oder besser deshalb: Die Schulatmosphäre geht auf das Konto von "Glee"-Schöpfer Ian Brennen, der als Co-Autor am Drehbuch zu "Cooties" mitwirkte. Für den blutigeren Horrorteil zeichnen dann "Saw"-Autor Leigh Whannell und "Paranormal Activity"-Macher Stephen Schneider verantwortloch. Wer den Humor beigesteuert hat, bleibt offen. Aber es müssen eine ganze Menge Menschen involviert gewesen sein, Lacher gibt es nämlich derer viele.
Und so steht "Cooties" in einer Reihe mit "Kentucky Fried Zombies" oder "Shaun oft he Dead". Übertrifft er den Erstgenannten, kommt er an die letztgenannte Ikone nicht heran. Aber Spaß macht "Cooties" auf alle Fälle - mit beißendem Humor!