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True Crime Story à la Tarantino"Carnage Park": Lebend kommt keiner raus

10.01.2017, 19:00 Uhr
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Vivian und Scorpion Joe: Die kürzere Lebenserwartung hat der mit der Knarre. (Foto: Tiberius)

1978, Kalifornien: Ein Banküberfall geht schief. Scorpion Joe flieht mit einer Geisel vor der Polizei. Er fährt in die Berge und landet im "Carnage Park", einem Gebiet, in dem wenig später mehrere Dutzend Leichen gefunden werden, aber nie der Mörder.

"Es heißt, der amerikanische Traum wäre tot. Ja, Sir. Ein paar Leute könnten darüber sauer werden. Einige von ihnen könnten sich dafür sogar rächen wollen." Diese einleitenden Worte des dreckig-schaurig-tödlichen Films "Carnage Park" mögen anfangs noch verwirren. Am Schluss des Ende der 1970er-Jahre spielenden Horrorwerks des Regisseur Mickey Keating ("Ritual") weiß der Zuschauer sehr genau, was mit diesen Worten gemeint ist. Doch der Reihe nach.

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Vivian versucht die Familienfarm zu retten. Der Banker kommt ihr mit einem unmoralischem Angebot. (Foto: Tiberius)

Scorpion Joe (James Landry Hébert) und sein Freund Lenny (Michael Villar) kurzen unvermittelt in einer kalifornischen Kleinstadt den Weg der Farmerstochter Vivian (Ashley Bell; "Der letzte Exorzismus"). Die ist gerade bei der Bank, um ihr Elternhaus nicht zu verlieren. Das will sich das Finanzinstitut krallen, todkranker Vater hin oder her. Der Bankbeamte ist einer von der harten Sorte, er macht Vivian unmissverständlich klar: Beine breit, dann geht vielleicht was. Vivian stürmt aus der Bank, kommt ins Grübeln, geht zurück. Und da stolpert sie mitten in den Banküberfall von Joe und Lenny.

Aus dem Regen ...

Vivian landet als Geisel im Kofferraum des Fluchtautos der beiden Ganoven. Lenny zahlt für den Coup, den sich Joe so fein ausgedacht hat, mit einem Bauchschuss, der ihn trifft. Er stirbt auf der Flucht. Joe zwingt Vivian, den Leichnam über eine Geröllkippe zu entsorgen. Fluchtversuch ausgeschlossen, denn Joe hat die Waffe und das Sagen: "Ich heiße Scorpion Joe, weil man nie weiß, wann ein Scorpion zusticht."

Vivian glaubt ihm, als ein Schuss die in der Luft liegende launige Countrymusik zerfetzt und den linken Hinterreifen des Wagens gleich mit. Nach dem anschließenden Unfall quält sich Joe aus dem Wagen, schaut sich den Reifen an, pult eine Patronenhülse aus den Gummiresten und schaut sich um. Wer wagt es, auf ihn, Scorpion Joe, zu schießen? Er richtet sich auf.

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Die Autos sahen früher auch einfach besser aus ... (Foto: Tiberius)

Vivian wird kurzerhand ans Lenkrad gefesselt. Alles Schreien hilft nicht. Dann blickt sich Joe wütend in der Gegend um. Er beginnt laut zu krakeelen. Dann wieder ein Schuss und Joe sinkt zusammen. Nun ist es an Vivian, die Scream Queen zu geben. Kurz darauf blickt ein Mann ins Auto. Vivians Rettung?

... in die Traufe

Weit gefehlt. Der Mann, Wyatt (Pat Healy; "Cheap Thrills"), hält sein Scharfschützengewehr in den Händen, drückt ab - und sorgt dafür, dass Joe nie wieder wie ein Skorpion so mir nichts dir nichts zustechen kann. Dann betäubt er Vivian.

Die wacht wenig später, noch immer an das Wagenwrack gekettet, irgendwo in einem Maschendrahtzaunverschlag auf. Niemand ist zu sehen. Aus an Pfosten befestigten Lautsprechern ertönen Geräusche, Sprachfetzen, manchmal ganze Sätze. Vivian gelingt es, sich zu befreien. Da durchbricht ein Sirenengeheul die Einöde. Und Schüsse ertönen. Die Einschläge direkt neben Vivian.

Wo ist sie hier nur hineingeraten? Sie duckt sich. Rennt weg. Schlägt Haken. Weitere Schüsse peitschen durch die Luft, wirbeln Steine und Staub auf. Aber sie treffen Vivian nicht. Der Schütze lässt vorerst von ihr ab. Ein Polizeiwagen rollt auf das Tor zum Grundstück zu.

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Der Bulle lässt Wyatt gewähren, schließlich ist er sein Bruder. (Foto: Tiberius)

Der irre Schütze und der Polizist stehen sich wie zu besten Westernzeiten gegenüber. Blicken sich in die Augen. Blinzeln. Nach ein paar Worten ist klar: Es sind Brüder. Und offenbar weiß der Bulle, was sein Bruder auf seinem Grundstück so treibt, denn immer wieder verschwinden Durchreisende und Menschen, die auf der nahegelegenen Interstate eine Panne hatten. Vivian bekommt davon nichts mit. Sie sucht einen Ausweg aus dem "Carnage Park".

True Crime Story at it's best

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"Carnage Park" ist bei Tiberius erschienen. (Foto: Tiberius)

So wird das Gelände später genannt. Der irre Schütze ist ein Vietnam-Veteran. Dutzende Tote gehen auf sein Konto. Gefasst wurde er nicht. Na, wenn das nicht nach einem neuem Maniac klingt, einem durchgedrehten Massenmörder?! Das Zeug, weitere Filme zum Thema zu drehen, hat der Stoff allemal.

Das liegt vor allem an den Filmen, denen "Carnage Park" die Ehre erweist. Der erste, der dem Zuschauer in den Sinn kommt, ist "The Hills Have Eyes". Da wären etwa die unwirtliche Umgebung und die Zeit, in der beide spielen - und auch die wenigen Farben, die zum Einsatz kommen. Wer es größer mag, darf gern auch das "Texas Chainsaw Massacre" anführen. Und Quentin Tarantinos "Reservoir Dogs" lässt ebenfalls grüßen. Ganz frisch fällt einem auch "Desierto" ein.

Was bleibt nach "Carnage Park", ist die Tatsache, einen rundum gelungenen, dreckig-direkten Film mit wenigen, aber durchaus knackigen Dialogen gesehen zu haben. Der zudem noch mit einem klassischen 1970er-Jahre-Sound um die Ecke kommt. Ein paar Rückblenden am Anfang, am Ende dann nur noch rohe Gewalt und ein derart offenes Ende mit einer Heldin und einem unauffindbaren Massenmörder lassen Fragen offen und machen Lust auf mehr. Seit wann mordet Wyatt? Wieso weiß sein Bruder Bescheid? War Wyatt ein Einzeltäter? Und natürlich: Wie ist Wyatt zu dem Gasmaske tragenden Mörder geworden? "Es heißt, der amerikanische Traum wäre tot. Ja, Sir. Ein paar Leute könnten darüber sauer werden. Einige von ihnen könnten sich dafür sogar rächen wollen."

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Quelle: ntv.de

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