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Malkovich, Brody, Culkin"Bullet Head" will doch nur spielen

17.04.2018, 21:51 Uhr
imageVon Thomas Badtke

Drei Diebe. Gefangen in einer Lagerhalle. Sie müssen die Zeit totschlagen, bis ihr Auftraggeber sie rausholt. Also erzählen sie sich Geschichten - und erwehren sich eines blutrünstigen Killer-Kampfhunds. Klingt komisch? Ist aber ultrageil!

Andreas Brehme ist ein deutscher Held. Für die einen, weil er das entscheidende Tor im WM-Finale 1990 gegen Argentinien erzielt hat. Für die anderen, weil der wortkarge gebürtige Hamburger eine der besten Fußballphrasen aller Zeiten gedroschen hat: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!" Eine Erklärung dazu erscheint vollkommen überflüssig. Wer dennoch ein Beispiel dafür braucht, sollte sich den grandiosen Film "Bullet Head" anschauen.

Der falsche Ort, ...

Die nette kleine Crime-Story wartet mit der Hollywood-Ikone John Malkovich auf. Daneben darf auch Adrien Brody glänzen. Dritter Star im Bunde ist Rory Culkin. Die drei bilden eine Diebesbande, deren letzter Coup nicht ganz so abgelaufen ist wie gedacht. Deshalb haben sie nun einen Safe im Schlepptau und müssen sich auf der Flucht vor dem langen Arm des Gesetzes in einem heruntergekommenen Lagerhallenkomplex verstecken.

Der Auftraggeber ist informiert, er holt sie da raus. Nachts, irgendwann. Bis dahin heißt es: Zeit totschlagen, sich gegenseitig Vorwürfe an die Köpfe hämmern, bei Rory: mehrere Stunden ohne Drogen auskommen - und sich eines Monster-Kampfhundes erwehren, der durch die Lagerhallen streift.

... die falsche Zeit, ...

Denn das blöde am Versteck der drei ist: Nur eine Nacht zuvor war es der Schauplatz einer Hundekampf-Veranstaltung des organisierten Verbrechens. Der herumlaufende Kampfhund wurde zurückgelassen, weil ihm keine Überlebenschance mehr eingeräumt worden war. Aber der Junge scheint zäh zu sein. Sehr zäh.

Dass bekommen auch Walker (Malkovich), Stacy (Brody) und Gage (Culkin) schnell am eigenen Leib zu spüren. Und so müssen sich die drei Diebe bald keine Gedanken über Polizei und Gefängnis machen, sondern vielmehr um das nackte Überleben. Neben dem Hund haben die Veranstalter auch das Preisgeld zurückgelassen. Sie waren sich ihrer Sache wohl ziemlich sicher. Aber Walker und Co. wissen auch: Die kommen zurück, die werden ihre Kohle irgendwann holen - und da ist es besser, nicht mehr da zu sein.

... aber richtig gute Geschichten

Das ist die Gemengelage, die Regisseur Paul Solet für seinen durch geknallten Erstling aufgefahren hat. Brillant ist vor allem die Zusammensetzung der Dreierbande: der junge Gage, ein Draufgänger, Heißsporn, Junkie - und dennoch liebenswert. In seiner Kindheit hat er sich nichts sehnlicher gewünscht als einen Hund. Aber seine Familie war zu arm. Als er eines Tages einen verletzten Hund an der Straße findet, nimmt er ihn mit nach Hause. Versteckt ihn vor seinem Vater, päppelt ihn auf, füttert ihn durch. Als sein Vater dahinterkommt, macht er kurzen Prozess mit dem Vierbeiner.

Als Gage diese Story in der Lagerhalle zum Besten gibt, gehen Walker und Stacy die Herzen auf. Vergessen der ganze Ärger, den Gage ihnen mit diesem vermaledeiten Deal eingebracht hat. Für Walker wird Gage fast zu dem Sohn, den er nie hatte.

Walker hat eine Tochter. Und der stellte er zu Weihnachten mal ein geklautes Aquarium samt Fischen unter den Weihnachtsbaum, die örtliche Tierhandlung war Ziel eines Bruchs. Aber am Morgen dann die große Bescherung: Alle Fische trieben bäuchlings an der Wasseroberfläche, bis auf einen. Walker hatte ein Salzwasseraquarium geklaut und es mit Süßwasserfischen gefüllt.

Tragikomisch findet Stacy diese Geschichte. Er hatte es mal geschafft, mit Hilfe eines verrückten Pudels eine Ladung erstklassiger Trüffel aus einem Lagerhaus zu stehlen. Dem Pudel verdankt er dabei sein Leben, denn der Typ vom Sicherheitspersonal war zu früh von seinem Nickerchen aufgewacht und hatte mit seiner Knarre Stacy ins Visier genommen. Als der Wachmann aber den Pudel sah, rannte er einfach weg.

"Bullet Head": ein Volltreffer!

Auch das ist eine Geschichte, die während des Films zum Besten gegeben wird und den Zuschauer an die Charaktere bindet. Alle drei sind liebenswert. Alle drei haben es verdient, hier ungeschoren rauszukommen. Finden sie zumindest. Der Kampfhund sieht das anders.

Und dessen Herrchen auch. Dabei handelt es sich um keinen Geringeren als Antonio Banderas. Der taucht just in dem Moment auf, als Stacy mit der Hundekampfkohle die Biege machen will. Die beiden Männer stehen sich gegenüber, mustern sich - und dann eröffnet Blue (Banderas) das Feuer. Mit allem, was er hat. Und er hat eine Menge in petto.

So springt der Film von einer Story zur nächsten, rührt immer wieder zu Tränen und lässt gleichzeitig die Haare zu Berge stehen, wenn es auf Leben und Tod geht. Kurzweilig, pittoresk, humor- und gefühlvoll - das ist Solets "Bullet Head". An dessen Ende denkt der Zuschauer unweigerlich an Andreas Brehmes lockerflockigen Satz "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß". Perfekter kann man "Bullet Head" nicht beschreiben.

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