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Gasopfer von Bhopal20 Jahre nach dem Unglück

29.11.2004, 10:51 Uhr

20 Jahre nach der Giftgaskatastrophe im zentralindischen Bhopal gehen weiter Gesundheitsgefahren von der früheren Pestizidfabrik dort aus. Anwohnern, darunter viele Kleinkinder, drohten Langzeitschäden.

20 Jahre nach der Giftgaskatastrophe im zentralindischen Bhopal gehen nach Angaben von Sanierungsexperten weiter Gesundheitsgefahren von der früheren Pestizidfabrik dort aus. So sei etwa das Grundwasser um die Industrieruine herum belastet und "extrem gesundheitsschädlich", sagte der deutsche Professor Harald Burmeier in einem dpa-Gespräch in Neu Delhi. Anwohnern, darunter viele Kleinkinder, drohten Langzeitschäden. Im Auftrag von Greenpeace erarbeitete Burmeier im November gemeinsam mit anderen internationalen Experten Empfehlungen für eine Standort-Sanierung.

Die Pestizidfabrik des US-Chemiekonzerns Union Carbide, aus der in der Nacht zum 3. Dezember 1984 Giftgas austrat, ist nie vollständig abgebaut worden. Die größte Industriekatastrophe der Geschichte kostete nach offiziellen Angaben 15 000 Menschen das Leben. Hilfsorganisationen schätzen, das insgesamt bis zu 30 000 Menschen starben. Kurz nach der Katastrophe wurde die Fabrik stillgelegt. Der Konzern Dow Chemical, der Union Carbide aufkaufte, und der Bundesstaat Madhya Pradesh, dem das Gelände inzwischen gehört, können sich nicht darauf einigen, wer für die Sanierung verantwortlich ist.

"Auf dem Gelände liegen noch ein paar Hundert Tonnen Chemieabfälle", sagte Burmeier. Sie gefährdeten die Menschen, die sich trotz Verbots auf dem Areal aufhielten. "Der Direktkontakt alleine bereitet schon Probleme." Die Abfälle müssten gesammelt und entsorgt werden. Außerdem sei der Boden mit Schadstoffen belastet, die durch den Regen in tiefere Erdschichten und dann ins Grundwasser gespült würden.

Rund 27 000 Tonnen Boden müssten von Schadstoffen gereinigt werden, sagte Burmeier. Die dabei herausgefilterten geschätzten 1500 bis 4000 Tonnen Schadstoffe könnten per Bahn und Schiff ins Ausland gebracht und dort in geeigneten Anlagen behandelt werden. Das dürfte etwa vier Jahre dauern. Für die Grundwasserbehandlung sei dagegen "im Minimum erst mal zehn Jahre anzusetzen, wenn wir realistisch sein wollen, kommen schnell 25 Jahre dabei heraus". Die Gesamtkosten für die Sanierung schätzen die Experten, die ihre Empfehlungen dem indischen Verfassungsgericht vorlegten, auf 25 bis 30 Millionen US- Dollar (18,8 bis 22,6 Millionen Euro).

Als "Sofortmaßnahmen" empfahlen sie, Gegenden mit verseuchtem Grundwasser besser als bislang mit Frischwasser zu versorgen und Brunnen an belasteten Standorten zu versiegeln. Auch dürfe niemand mehr auf das Fabrikgelände gehen können. "Man muss verhindern, dass Kinder auf diesem Standort spielen", sagte Burmeier. Bewohner der angrenzenden Elendsviertel nutzen das Areal auch als Weidegrund für Vieh und sammeln dort Brennholz.

Bhopal-Katastrophe