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Wie Genies, Milliardäre und Wunderkinder an den Märkten scheitertenDie größten Fehlspekulationen der Geschichte

17.07.2026, 18:00 Uhr
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An der Börse lieben wir die Gewinner. Wir bewundern Menschen wie George Soros oder Michael Burry, die mit einer einzigen Idee Milliarden verdienten und in die Geschichtsbücher eingingen. Doch die andere Seite der Medaille ist mindestens genauso faszinierend. Denn für jede große Erfolgsgeschichte gibt es eine ebenso spektakuläre Niederlage. Und oft beginnt beides auf dieselbe Weise. Mit einer guten Idee. Mit einigen erfolgreichen Wetten. Und mit dem gefährlichen Gefühl, die Märkte verstanden zu haben. Die Geschichte der Finanzmärkte ist voller Menschen, die glaubten, schlauer zu sein als alle anderen – und die irgendwann feststellen mussten, dass die Börse selbst die größten Genies demütigen kann.

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Lothar Albert ist Gründer und Veranstalter der Finance 26, Herausgeber des Traders' Magazins und seit über 20 Jahren Organisator von Finanzveranstaltungen. Mit der Finance 26 möchte er Finanzbildung, Kapitalmarkt und Community auf eine neue Ebene heben.

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Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der Hedgefonds Long-Term Capital Management, besser bekannt als LTCM. Ende der 1990er-Jahre galt der Fonds als die vielleicht brillanteste Ansammlung von Intelligenz, die die Wall Street jemals gesehen hatte. Nobelpreisträger, Mathematiker und einige der klügsten Händler der Welt entwickelten hochkomplexe Modelle, mit denen sich scheinbar risikolos Geld verdienen ließ.

Die Strategie funktionierte zunächst hervorragend. Der Fonds erzielte beeindruckende Renditen und erhöhte immer weiter seine Einsätze. Weil die Modelle geringe Risiken signalisierten, wurden die Positionen immer größer, die Hebel immer höher und das Selbstvertrauen immer stärker. Dann kam die Russlandkrise des Jahres 1998.

Plötzlich verhielten sich die Märkte anders als die Modelle es vorgesehen hatten. Positionen, die als nahezu risikolos galten, explodierten förmlich. Innerhalb weniger Wochen verlor LTCM Milliarden und brachte das globale Finanzsystem an den Rand einer Krise. Die amerikanische Notenbank musste eingreifen, um eine Kettenreaktion zu verhindern. Die vielleicht wichtigste Lehre dieser Geschichte lautet: Selbst Nobelpreisträger können die Märkte nicht kontrollieren.

Ein ähnliches Muster zeigte sich mehr als zwanzig Jahre später bei Bill Hwang und seinem Family Office Archegos Capital. Hwang hatte über Jahre enorme Vermögen aufgebaut und setzte immer größere Summen auf einige wenige Technologie- und Medienunternehmen. Mithilfe von Derivaten vervielfachte er seine Positionen und kontrollierte ein Portfolio, das weit größer war als sein eigenes Vermögen. Eine Zeit lang schien er ein Genie zu sein. Dann begannen einzelne Aktien zu fallen.

Die Banken forderten zusätzliche Sicherheiten. Hwang konnte sie nicht mehr stellen. Innerhalb weniger Tage brach sein Imperium zusammen. Aktienpakete im Wert von mehreren Dutzend Milliarden Dollar wurden auf den Markt geworfen, Großbanken mussten Milliarden abschreiben und Bill Hwang verlor praktisch sein gesamtes Vermögen. Kaum ein Vermögen ist jemals schneller verschwunden.

Auch die Geschichte von Sam Bankman-Fried liest sich wie ein modernes Finanzdrama. Der Gründer der Kryptobörse FTX galt noch vor wenigen Jahren als Wunderkind des Finanzsektors. Politiker, Investoren und Prominente umgaben ihn. Sein Unternehmen wurde mit mehr als 30 Milliarden Dollar bewertet, sein persönliches Vermögen auf über 20 Milliarden Dollar geschätzt. Dann kamen Zweifel an der Bilanz und der Liquidität des Unternehmens auf.

Was folgte, war einer der schnellsten Zusammenbrüche der jüngeren Finanzgeschichte. Kunden zogen Milliarden von der Plattform ab, interne Probleme wurden sichtbar und innerhalb weniger Tage war FTX insolvent. Das Milliardenvermögen seines Gründers löste sich nahezu vollständig auf. Die Instrumente waren neu. Die menschlichen Fehler dagegen uralt.

Noch faszinierender ist vielleicht die Geschichte von Masayoshi Son. Der Gründer von SoftBank ist einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten. Seine frühe Beteiligung an Alibaba brachte ihm Milliarden und machte ihn zeitweise zum reichsten Mann Asiens. Doch Erfolg kann gefährlich werden.

Mit dem Vision Fund wollte Son die Technologien der Zukunft finanzieren und investierte in einem Tempo, das selbst erfahrene Investoren überraschte. Viele Beteiligungen entwickelten sich hervorragend, andere jedoch entpuppten sich als schwere Fehleinschätzungen. Der spektakuläre Niedergang von WeWork wurde zum Sinnbild dafür, wie schnell Visionen und Bewertungen auseinanderfallen können. Zeitweise verlor SoftBank zweistellige Milliardenbeträge.

Und dann gibt es noch die Geschichte von Nick Leeson, dem Mann, der eine Bank zerstörte. Die traditionsreiche Barings Bank hatte Kriege, Wirtschaftskrisen und politische Umwälzungen überstanden. Doch sie überlebte keinen einzigen Händler, der glaubte, seine Verluste mit immer größeren Risiken zurückgewinnen zu können. Als das Erdbeben von Kobe 1995 die Märkte erschütterte, implodierten Leesons Positionen. Die Verluste beliefen sich auf mehr als eine Milliarde Dollar. Eine der ältesten Banken der Welt war insolvent.

Die Geschichte von Barings zeigt wie kaum eine andere, dass große Finanzkatastrophen oft nicht mit Gier beginnen, sondern mit dem Versuch, frühere Fehler zu korrigieren.

Betrachtet man all diese Geschichten gemeinsam, erkennt man ein erstaunliches Muster. Die größten Fehlspekulationen beginnen selten mit Dummheit. Sie beginnen fast immer mit Erfolg. Einige richtige Entscheidungen führen zu wachsendem Selbstvertrauen. Das Selbstvertrauen wird zu Überzeugung. Die Überzeugung wird zu Gewissheit. Und genau an diesem Punkt wird die Börse gefährlich. Denn die Märkte besitzen eine besondere Fähigkeit: Sie erinnern selbst die klügsten Menschen immer wieder daran, dass niemand dauerhaft Recht hat. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion der Finanzgeschichte. Die großen Gewinner faszinieren uns. Die großen Verlierer lehren uns. Und am Ende entscheidet an der Börse nicht, wie oft man richtig liegt. Entscheidend ist vielmehr, was passiert, wenn man eines Tages falsch liegt.

Die teuersten Irrtümer der Finanzgeschichte

InvestorJahr Geschätzter Verlust
Bill Hwang (Archegos)2021über 20 Mrd. US-Dollar
Sam Bankman-Fried (FTX)2022über 20 Mrd. US-Dollar
Long-Term Capital Management1998über 4 Mrd. US-Dollar
Masayoshi Son (Vision Fund)2022zeitweise über 30 Mrd. US-Dollar an Wertverlusten
Nick Leeson / Barings Bank1995über 1 Mrd. US-Dollar
Jérôme Kerviel / Société Générale20084,9 Mrd. Euro

Quelle: ntv.de