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War es Gefolgschaftsbestattung?Schädel enthüllen grausames Ritual im Alten Ägypten

05.10.2026, 12:16 Uhr
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Freigelegtes Grab in der ägyptischen Nekropole von Abydos. (Foto: Ägyptische Antikenverwaltung/dpa)

Rund 3000 vor Christus starben Bedienstete eines ägyptischen Königs offenbar keines natürlichen Todes. Eine neue Analyse von 46 Schädeln zeigt bei 18 davon tödliche Verletzungen. Die Fundumstände deuten auf ein düsteres Ritual hin.

Eine neue Studie bestätigt die Praxis von Menschenopfern in der Frühzeit des Alten Ägypten: Demnach sind Bedienstete eines Königs aus der 1. Dynastie um 3.000 vor Christus zumindest teilweise eines gewaltsamen Todes gestorben. Das zeigt eine erneute Untersuchung von 46 Schädeln aus Gräbern der Nekropole Umm el-Qaab nahe der archäologischen Stätte Abydos am Nil: 18 davon - 39 Prozent - wiesen potenziell tödliche Knochenverletzungen auf, wie Roselyn Campbell von der Purdue University in West Lafayette (US-Bundesstaat Indiana) im Fachjournal "Frontiers in Environmental Archaeology" schreibt.

Überwiegend handelt es sich um längliche Brüche im Schädeldach, eine Verletzung entstand vermutlich durch das seitliche Eindringen eines Gegenstands, und eine weitere durch einen Schlag im Augenbereich. Die 46 Schädel stammen aus einer Sammlung der Universität Cambridge.

Der britische Ägyptologe Flinders Petrie hatte sie in den 1920er Jahren nahe Abydos aus Hunderten Nebengräbern der dortigen Königsgräber der 1. Dynastie (3078 - 2900 v. Chr.) entnommen. Die frühdynastische Periode begann mit der Vereinigung Ober- und Unterägyptens. Petrie dokumentierte die gefundenen Skelette und sandte eine Auswahl an Schädeln in seine Heimat.

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60 Tonnen schwere Sarkophagkammer von König Sebekhotep I., der um 1735 vor Christus lebte. (Foto: Ägyptische Antikenverwaltung/dpa)

Handelte es sich um eine Gefolgschaftsbestattung?

"Die meisten Verstorbenen wurden mit wenigen Grabbeigaben - etwa Keramikgefäßen - bestattet", wird Campbell in einer Mitteilung des Fachjournals zitiert. "Viele Gräber enthielten zudem kleine Gegenstände wie Kupferwerkzeuge, Pfeilspitzen oder kleine Elfenbeinfiguren."

Aus Grabmarkierungen mit Namen und teilweise auch offiziellen Titeln schloss Petrie, dass in den Gräbern vorwiegend Beamte der unteren oder mittleren Ebene sowie Handwerker lagen. Er vermutete eine Gefolgschaftsbestattung: Dabei werden Personen aus dem Umfeld eines Herrschers nach dessen Tod getötet.

Analyse mit modernen Untersuchungsmethoden

"In vielen Kulturen wird diese Praxis ausgeübt, weil man glaubt, dass die geopferten Personen dem Herrscher auch im Jenseits dienen werden", erläuterte Campbell. "Zugleich kann sie jedoch auch als eindrucksvolle Machtdemonstration des Herrschers dienen." Allerdings gab Petrie in seinen Beschreibungen an, er habe an den Skeletten keine Hinweise auf Gewalteinwirkung gefunden.

Mit modernen Untersuchungsmethoden stellte Campbell jedoch an 18 Schädeln Verletzungen fest, die mutmaßlich um die Todeszeit herum entstanden. Typische Merkmale dafür sind Campbell zufolge unvollständige Brüche oder Scharnierfrakturen, scharfe Kanten sowie eine abgewinkelte Bruchfläche. Sie lassen sich von früheren Verletzungen oder Schädigungen erst nach dem Tod unterscheiden.

"Bei den Verletzungen an den erhaltenen Schädeln handelt es sich überwiegend um lineare Frakturen, die wahrscheinlich rasch zu Bewusstlosigkeit, inneren Blutungen und zum Tod führen würden", erläuterte sie. Was genau die Verletzungen verursachte, weiß sie nicht.

Steinkeulenhieb oder Sturz ausgeschlossen

Eine Steinkeule, wie sie auf verschiedenen altägyptischen Darstellungen zu sehen ist, scheidet für Campbell aus - ein Schlag damit hätte den Schädel zertrümmert. Ebenso schließt sie Stürze weitgehend aus, weil dann auch andere Knochen gebrochen wären - was Petrie vermutlich gesehen hätte.

Campbell hofft auf weitere ähnliche Untersuchungen: "Diese Studie zeigt, wie viele neue Erkenntnisse sich über die Vergangenheit gewinnen lassen, wenn wir frühere Daten mithilfe aktualisierter Methoden und neuem Wissen wieder untersuchen - selbst bei Datensätzen, die wie dieser unvollständig und lückenhaft sind."

Quelle: ntv.de, Stefan Parsch, dpa

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