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Zuckungen in der REM-PhaseIntelligente Spinne schläft ähnlich wie Menschen

28.10.2026, 19:12 Uhr
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Arten der Gattung Portia ernähren sich von anderen Spinnen. Ihre ausgeklügelten Jagdstrategien gelten als Ausdruck von Intelligenz. (Foto: Daniela C. Rößler)

Die australische Portia fimbriata ist eine der intelligentesten Spinnen der Welt. Nun haben Forscher nachgewiesen, dass ihr Schlaf dem von Wirbeltieren ähnelt: mit Augenbewegungen und Muskelzuckungen. Träumen die Tiere etwa?

Springspinnen schlafen nach Erkenntnissen Bonner Forscher in verschiedenen Stadien, ähnlich wie Menschen. Ein Team der Universität Bonn hat bei der australischen Art Portia fimbriata zwei klar unterscheidbare Schlafphasen nachgewiesen. Eine davon ähnelt dem REM-Schlaf von Wirbeltieren. Die Studie erschien im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS).

"Die Spinne zeigt echten, regulierten Schlaf mit zwei klar unterscheidbaren Schlafstadien, darunter ein REM-ähnlicher Zustand mit Augenbewegungen und Muskelzuckungen", teilte die Universität mit. "Damit liefern wir die erste umfassende Bestätigung für das Schlafverhalten bei einer Spinne." Das Wissen über Schlaf beziehe sich bislang fast ausschließlich auf Wirbeltiere. Experimentelle Belege für Schlaf bei Spinnen hätten gefehlt.

Die Forscher beobachteten einzelne Tiere über mehrere Tage in Plastikschälchen mit zwölf Zentimetern Durchmesser, bei wechselnden Beleuchtungsverhältnissen. Nachts nutzten sie Infrarotkameras. Mit akustischen Reizen prüften sie, ob die Spinnen tatsächlich schliefen, und maßen die Reaktionszeit.

Träumen die Springspinnen?

Zudem testeten die Forscher, ob die Tiere nach einer Störung Schlaf nachholen - einen sogenannten Schlaf-Rebound. Und genau das konnten sie nachweisen: Sie störten die Nachtruhe mit lebenden Fruchtfliegen. In der folgenden Nacht verbrachten die Spinnen fast 80 Prozent mehr Zeit in REM-ähnlichen Phasen. Die einzelnen Phasen wurden dabei häufiger, aber nicht länger. Studienautorinnen Nadja Geiger und Daniela Rößler sprachen gegenüber dem Portal "Science Alert" vom ersten Nachweis eines solchen REM-Rebounds bei einem wirbellosen Tier.

Die Hirnaktivität der Spinnen konnten die Forscher nicht messen. Die Ergebnisse beruhen allein auf dem Verhalten der Tiere. Man habe vorsichtig bleiben müssen, um die REM-ähnlichen Bewegungen "nicht überzuinterpretieren", hieß es. Ob Spinnen träumen, bleibt damit offen.

Arten der Gattung Portia ernähren sich von anderen Spinnen. Ihre ausgeklügelten Jagdstrategien gelten als Ausdruck von Intelligenz. So ahmen die Spinnen die Vibrationen gefangener Insekten nach, um Webspinnen anzulocken. Ausgewachsen ist Portia fimbriata etwa so groß wie eine Ein-Euro-Münze.

Aktive Schlafphasen auch bei Kopffüßlern

Rößler hatte bereits 2022, damals an der Universität Konstanz, REM-ähnliche Phasen bei der Springspinne Evarcha arcuata beschrieben. Ihr Team hatte nächtliche Aufnahmen von 34 Jungspinnen ausgewertet, die regelmäßig Netzhautbewegungen und Zuckungen zeigten. Ob es sich um Schlaf handelte, war experimentell nicht belegt. Vergleichbare aktive Schlafphasen sind auch bei Kopffüßern beschrieben. Geiger und Rößler sehen darin einen Hinweis auf sehr alte evolutionäre Wurzeln verschiedener Schlafstadien.

Das Team will nun untersuchen, wie sich Schlaf bei der Vielfalt der Spinnen entwickelt hat. Zudem soll Schlaf in der Natur mit dem im Labor verglichen werden. Weitere Studien sollen klären, wie Schlaf mit kognitiven Fähigkeiten zusammenhängt und wie sich Klimawandel und Lichtverschmutzung auf das Schlafverhalten auswirken.

Quelle: ntv.de, kst

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