Erster Todesfall durch VirusDengue-Fieber breitet sich in Florida rasant aus

In Florida grassiert eine Tropenkrankheit so stark wie zuletzt in den 1930er-Jahren. Bereits 296 Menschen stecken sich an, eine 80-Jährige stirbt. Der lokale Notstand ist ausgerufen, ein Medikament gegen das Virus fehlt. Wie kommt es zu dem Ausbruch?
In Florida breitet sich das Dengue-Fieber so stark aus wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Seit Jahresbeginn haben sich 296 Menschen im Bundesstaat selbst angesteckt, berichtet der Sender WFLA unter Berufung auf die Gesundheitsbehörde des Bundesstaats. Im gesamten Jahr 2025 hatte es nur 62 Fälle gegeben. Eine 80-jährige Frau aus der Region Tampa war an der Krankheit gestorben.
Es handelt sich um den größten Dengue-Ausbruch auf dem US-Festland seit Jahrzehnten, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Nach ihrer Auswertung hat seit mindestens den 1940er-Jahren kein Bundesstaat in einem Jahr mehr Fälle gezählt. In Florida selbst muss man noch weiter zurückgehen: Die letzte große Dengue-Epidemie gab es dort 1934 und 1935. Auffällig ist vor allem der Ort. 259 der Fälle stammen aus dem Hillsborough County, zu dem die Stadt Tampa gehört.
Der Ausbruch begann unauffällig. Ende Juli meldete das Gesundheitsamt in Hillsborough den ersten Fall des Jahres, der nicht von Reisenden zurückgebracht wurde, sondern durch eine Übertragung in Florida selbst entstand. Danach stiegen die Zahlen schnell. Anfang September zählte die Gesundheitsbehörde 111 Fälle, Ende September waren es 252. Am 24. September rief das Hillsborough County den lokalen Notstand aus.
Lokaler Notstand ausgerufen
Bei den meisten Menschen verläuft eine Infektion ohne Symptome, nur etwa jeder Vierte erkrankt. Die Krankheit beginnt innerhalb von zwei Wochen nach dem Stich, typische Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen und Schmerzen hinter den Augen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Meist erholen sich Erkrankte nach etwa einer Woche wieder. Bei ungünstigen Verläufen kann der Blutdruck jedoch gefährlich abfallen, Organe können versagen und Erkrankte sogar sterben. Ein Medikament gegen das Virus gibt es nicht, Ärzte können nur die Beschwerden lindern.
Anders als in vielen tropischen Ländern ist Dengue in Florida nicht endemisch, also ständig vorhanden. Das Virus muss immer wieder eingeschleppt werden, was in der Regel durch Reisende geschieht, erklärt die Forscherin Kristi Miley von der University of South Florida (USF) in Tampa laut einer Mitteilung. Infiziert sich jemand auf einer Reise und kehrt nach Florida zurück, könne ihn dort eine Mücke stechen und das Virus aufnehmen. Später gibt sie es an einen anderen Menschen weiter.
Bis Ende September zählte Florida 245 Dengue-Fälle bei Reiserückkehrern. 201 davon hatten sich in Kuba angesteckt. Auf der Insel grassiert derzeit eine schwere Dengue-Epidemie. Der Treibstoffmangel dort bremse die Mückenbekämpfung, schrieb der Epidemiologe John Drake von der University of Georgia in einem Beitrag für das Magazin "Forbes". Weil in Kuba wie in Florida der Typ 2 des Virus dominiere, vermutet Drake, dass der Ausbruch in Tampa mit einem aus Kuba eingeschleppten Virus begann.
Zwei Mückenarten übertragen Dengue
Zwei Mückenarten können Dengue übertragen: die Gelbfiebermücke Aedes aegypti und die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus. Beide sind in Florida etabliert. In Tampa treibt vor allem die Gelbfiebermücke den Ausbruch an. Sie ist für das Virus besonders günstig, denn sie ernährt sich fast ausschließlich von Menschenblut. Zudem lebt sie in besiedeltem Gebiet und sticht auch tagsüber, nicht nur abends.
Eine Rolle bei dem großen Ausbruch in Florida spielt laut Experten das Wetter in der Region. Nach zunächst großer Trockenheit zum Sommeranfang hatte es im August an der Küste zum Golf von Mexiko heftig geregnet, was die Ausbreitung von Mücken in der Regel begünstigt.
Auch der Klimawandel trägt laut der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Ausbreitung von Dengue bei, weil sich bei höheren Temperaturen Mücken schneller vermehren. Fachleute beobachten zudem, dass sich die übertragenden Mücken in den USA im Zuge der Erderwärmung weiter ausbreiten. Laut WHO tragen auch ein zunehmender Reise- und Warenverkehr, wachsende Städte und Probleme mit Wasser und Abwasser ebenfalls zur Ausbreitung bei.
Wer eine Dengue-Infektion übersteht, ist danach lebenslang geschützt. Allerdings nur gegen den einen Virustyp, mit dem er sich angesteckt hat. Steckt er sich später mit einem anderen der vier Typen an, kann die Krankheit schwerer verlaufen. Die Antikörper aus der ersten Infektion können dem neuen Virus dann sogar helfen, in Immunzellen einzudringen.