Dewayne zu Midterms: "Zwei Szenarien sind jetzt denkbar"
Donald Trump erkennt die Wahlniederlage seiner Republikaner an. Gleichzeitig droht der US-Präsident den Demokraten bereits mit seinem Veto. Kompromiss oder Konfrontation? ntv-Börsenreporter Patrick Dewayne erklärt, worauf sich die Finanzmärkte in den USA politisch einstellen müssen.
Gold-Investoren bewerten US-Zwischenwahlen
Der Goldpreis bleibt unter Druck. Während Anleger die sich abzeichnenden Ergebnisse der US-Zwischenwahlen vorsichtig bewerten, rutscht er zunächst auf 3900 Dollar ab, zieht dann aber wieder leicht an.
Die entscheidende Frage sei, ob das Wahlergebnis das makroökonomische Umfeld stark genug verändere, um eine Trendwende bei Gold auszulösen, oder ob es einem ohnehin volatilen Anlageumfeld lediglich eine weitere Ebene der Unsicherheit hinzufüge, kommentiert Priyanka Sachdeva von Phillip Nova. Während sinkende Ölpreise eine gewisse Entlastung von den Inflationssorgen böten, begrenzten hohe Renditen von Staatsanleihen, ein relativ fester US-Dollar und die Erwartung einer weiteren Straffung durch die US-Notenbank weiterhin die Erholung des Goldpreises, fügt sie hinzu.
Vor diesem schwachen Hintergrund könnte Klarheit über die Zwischenwahlen allmählich überzeugte Käufer anziehen. Bis dahin dürften es viele Marktteilnehmer vorziehen, an der Seitenlinie abzuwarten, bis größere Gewissheit über die Renditen, den US-Dollar und die Risikostimmung bestehe, bevor sie neues Kapital investieren, so die Analystin weiter.
Baustoff-Riese meldet Gewinnplus
Heidelberg Materials hat im dritten Quartal dank der Nachfrage in Europa und Nordamerika den operativen Gewinn gesteigert. Von Juli bis September legte das Betriebsergebnis (RCO) um neun Prozent auf 1,28 Milliarden Euro zu, wie der Baustoffkonzern mitteilte. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Die Zahlen übertrafen damit leicht die Schätzungen der vom Unternehmen befragten Analysten: Sie hatten im Schnitt mit einem RCO von 1,24 Milliarden Euro und 6,2 Milliarden Euro Umsatz gerechnet.
Ölpreise ziehen wieder an
Die Verunsicherung der Anleger über die künftige Politik Washingtons im Iran-Krieg nach den US-Zwischenwahlen stützt die Preise am Ölmarkt. Die Nordsee-Rohölsorte Brent und US-Leichtöl WTI verteuern sich um jeweils knapp ein halbes Prozent auf 103,85 und 96,19 Dollar je Fass (159 Liter). Damit machten die Preise ihre Verluste vom Vortag teilweise wett, als sie auf den tiefsten Stand seit fast vier Wochen gefallen waren.
Die Demokraten errangen bei den Wahlen die Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses. Dies schürt an den Märkten die Unsicherheit über den weiteren Kurs der US-Regierung unter Präsident Donald Trump im Krieg mit dem Iran. "Die widersprüchlichen Signale von Präsident Trump - mal Militärschläge, mal Äußerungen zur Deeskalation - haben es für Händler schwierig gemacht, eine klare Richtung zu erkennen", sagte Priyanka Sachdeva, Chefanalystin bei Phillip Nova. Einige Gewinnmitnahmen seien gerechtfertigt. "Die zugrunde liegenden Risiken einer Lieferunterbrechung an der Straße von Hormus sind jedoch nicht verschwunden."
Dax zeigt sich stabil
Der Dax startet mit leichten Aufschlägen in das heutige Wochenmittegeschäft. Der deutsche Börsenleitindex, der gestern mit einem Abschlag von 0,5 Prozent und mit 25.865 Punkten geschlossen hatte, notiert aktuell im Bereich von 25.900 Zählern. Die US-Zwischenwahlen mit den überraschend deutlichen Gewinnen der Demokraten sind laut Börsianern das bestimmende Thema am Markt.
Anleger sehen Tech-Branche bedroht
An den ostasiatischen Aktienmärkten geht es uneinheitlich zu. Hauptthema ist die Zwischenwahl in den USA. Dort zeichnet sich ein klarer erdrutschartiger Sieg der Demokraten ab, womit sie sowohl im Repräsentantenhaus wie auch im Senat die Mehrheit erringen könnten. Das würde Präsident Donald Trump das Regieren zumindest erschweren. Politische Beobachter wiesen aber schon vor der Wahl darauf hin, dass Trump vielfach einfach mit Dekreten agiert und so den Kongress praktisch umgeht.
Die "Bedrohung für die Tech-Branche" scheine das Hauptthema zu sein, das sich aus den US-Wahlergebnissen ergebe, kommentiert Sean Callow, Währungsstratege bei ITC Markets. An der stark technologielastigen Börse in Seoul geht es um 0,3 Prozent nach unten, wobei sich das Minus im Handelsverlauf deutlich verringert hat. Samsung Electronics geben um 2,7 Prozent nach, SK Hynix um 3,7 Prozent.
In Tokio sackt der Topix nach der Feiertagspause um 1,5 Prozent ab. Auch hier werden Halbleiteraktien verkauft. Die Aktie von Japans wertvollstem Chip-Hersteller Kioxia verliert über elf Prozent, Advantest-Titel mehr als sieben Prozent. n Sydney büßt der S&P/ASX-200 rund 0,6 Prozent ein. An den chinesischen Börsen in Shanghai und in Hongkong zeigen sich die Leitindizes gut behauptet.
Gewinneinbruch bei BMW
BMW hat im Sommerquartal wegen des Zusammenbruchs des chinesischen Automarkts weniger Gewinn und Umsatz erwirtschaftet. Die Erlöse schrumpften um 5,8 Prozent auf 30,45 Milliarden Euro, wie der Autobauer mitteilte. Der Betriebsgewinn sank um 29,7 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro. Die für das Unternehmen wichtige Gewinnmarge im Autogeschäft reduzierte sich um 1,8 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent. In den USA und in Europa verkaufte BMW zwar mehr Autos als vor Jahresfrist, das konnte den Rückgang in China allerdings nur zum Teil ausgleichen.
Bereits gestern hatte BMW die Prognose zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt und rechnet nun nur noch mit einer Marge im Autogeschäft von plus/minus 0,5 Prozent. Dabei spielen Abschreibungen eine Rolle, die im vierten Quartal verbucht werden sollen. Der neue BMW-Chef Milan Nedeljkovic räumt im Portfolio auf und nimmt einige ältere Elektromodelle vorzeitig vom Markt.
Vonovia muss neuen Finanzchef suchen
Der langjährige Finanzchef Philip Grosse kehrt Vonovia den Rücken. Grosse habe den Aufsichtsrat darüber informiert, seinen Ende 2027 auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen, teilte der Immobilienriese mit. Mit seiner frühzeitigen Entscheidung lasse Grosse dem Konzern ausreichend Zeit, die Nachfolge zu regeln. Vonovia sei zuversichtlich, die Nachfolge in Kürze bekannt zu geben. Grosse war 2016 beim später von Vonovia übernommenen Immobilienkonzern Deutsche Wohnen zum Finanzvorstand berufen worden, im Januar 2022 rückte er als Finanzchef in den Vorstand Vonovias auf.
Dax mit Abschlägen erwartet
Der Dax wird mit Verlusten in den Handel starten. Gestern hatte der deutsche Leitindex 0,5 Prozent tiefer bei 25.865 Punkten geschlossen. Die Indizes an der Wall Street zeigten sich uneinheitlich, während die Ölpreise nur schwer eine Richtung fanden.
Verdauen müssen die Märkte die Ergebnisse der US-Zwischenwahlen. Präsident Donald Trump hat eine krachende Niederlage eingefahren, denn die oppositionellen Demokraten erobern übereinstimmenden Medienprognosen zufolge die Mehrheiten in beiden Kongresskammern.
AMD-Rekord weckt Fantasie
Die rasant wachsende Nachfrage nach KI-Spezialprozessoren verhilft AMD zu einem überraschend deutlichen Umsatz- und Gewinnsprung. "Wir haben ein Rekordquartal erzielt, in dem der Umsatz unsere Prognose übertroffen hat", sagte Lisa Su, die Chefin des Halbleiter-Herstellers,. Ein Ende dieses Trends sei nicht in Sicht. "Wir sind zuversichtlich, dass wir in den kommenden Jahren ein sehr starkes Umsatzwachstum beibehalten und unsere Ertragskraft weiter steigern können.
Anleger reagierten mit Käufen auf die Zahlen und den optimistischen Ausblick. Die AMD-Aktie legte im nachbörslichen Handel an der Wall Street um 7,5 Prozent zu. In ihrem Windschatten verteuerten sich die Papiere der Wettbewerber Intel und Nvidia um jeweils etwa zwei Prozent.
AMD steigerte den Umsatz im dritten Quartal eigenen Angaben zufolge um 45 Prozent auf 13,38 Milliarden Dollar. Das Geschäft mit Chips für Rechenzentren habe sich auf 8,55 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt. Der bereinigte Gewinn lag mit 2,09 Dollar je Aktie ebenfalls über den Markterwartungen. Vor diesem Hintergrund stellte das US-Unternehmen für das laufende Vierteljahr Erlöse von rund 17 Milliarden Dollar, plus/minus drei Prozent, in Aussicht. Diese Zahlen bestärkten die Optimisten in ihrer Erwartung eines fortgesetzten KI-Booms, sagte Analyst Bob O'Donnell vom Research-Haus TECHnalysis.
Gesamtmetall sieht weitere 300.000 Jobs in Gefahr
Angesichts der anhaltend schwachen Auftragslage und hoher Produktionskosten in vielen Firmen rechnet der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mit einer Beschleunigung des Jobabbaus in der Metall- und Elektroindustrie. "Seit 2019 hat die Deindustrialisierung allein in der Metall- und Elektro-Industrie 350.000 Arbeitsplätze gekostet. Das entspricht einem Wertschöpfungsverlust von jährlich 42 Milliarden Euro für die deutsche Volkswirtschaft. Angesichts der Unterauslastung sind weitere 300.000 Arbeitsplätze allein in der M+E-Industrie in den nächsten zwei bis drei Jahren bedroht", sagte Verbands-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander der "Bild"-Zeitung. Das entspreche einem weiteren Wertschöpfungsverlust von 35 Milliarden Euro pro Jahr, betonte Zander demnach. Mit dann nur noch 3,4 Millionen Beschäftigten wäre das laut Zander "der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung 1990".
Zander warnte zugleich die IG Metall davor, angesichts der sich weiter verschlechternden Lage zu einer Eskalation des Tarifkonflikts beizutragen, so die Zeitung weiter. "Die Lage ist katastrophal, die Unternehmen kämpfen vielfach um das Überleben und eine Besserung ist nicht in Sicht. Die IG Metall-Forderung von fünf Prozent für zwölf Monate ist deshalb unverantwortlich", sagte Zander dem Blatt.
Sorgen um Ausbau von KI-Rechenzentren
Unter Anlegern machen sich wegen des möglichen Ausgangs der US-Zwischenwahlen zunehmend Sorgen um dem Ausbau von KI-Rechenzentren Breit. Ein möglicher Sieg des Demokraten John Talarico in Texas könnte die Chip-Aktien belasten, sagt Kim Seok-hwan, Analyst bei Mirae Asset Securities. Dies schüre die Sorge vor strengeren Vorschriften für den Bau von KI-Rechenzentren in einem der am schnellsten wachsenden Märkte der USA. "Wenn Texas nach dem Vorbild New Yorks ein Moratorium für Rechenzentren verhängt, könnten sich Projekte weiter verzögern", so Kim. "Die heutige Marktreaktion spiegelt eindeutig die Sorgen und die Unsicherheit in diesen Fragen wider."
EU und Großbritannien vor Einigung auf Handelserleichterungen
Die Europäische Union und Großbritannien stehen offenbar vor einer Einigung über weitreichende Handelserleichterungen. Beide Seiten wollten die Grenzkontrollen für Lebensmittel weitgehend abschaffen und ihre Systeme für den Emissionshandel verbinden, berichtete das "Handelsblatt". Zudem solle jungen Menschen ermöglicht werden, bis zu drei Jahre im jeweils anderen Wirtschaftsraum zu leben und zu arbeiten. Das gehe aus dem Entwurf einer gemeinsamen Erklärung für den EU-UK-Gipfel am 20. November hervor. Die Verhandlungen über die drei Abkommen seien schon abgeschlossen. Das Gesamtpaket stehe aber noch unter Vorbehalt.
"Ausverkauf muss nicht von Dauer sein"
Die Aussicht auf überraschende Erfolge der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen verschreckt die Anleger und setzt die Märkte unter Druck. Die US-Aktienfutures geben nach, während Staatsanleihen zulegen und der Dollar verliert. In North Carolina eroberte der Demokrat Roy Cooper einen bisher von den Republikanern gehaltenen Senatssitz und versetzte damit Präsident Donald Trump und seiner Partei einen schweren Schlag. Die Demokraten sind zudem auf Kurs, die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus zu erlangen.
Anleger bereiten sich zudem auf eine strengere Regulierung in Bereichen wie Künstlicher Intelligenz (KI) sowie auf einen möglichen legislativen Stillstand vor. "Die Märkte scheinen die Möglichkeit eines stärker als erwarteten Abschneidens der Demokraten einzupreisen, was die Erwartungen an weitere Konjunkturimpulse dämpfen könnte", sagt Charu Chanana, Anlagestrategin bei Saxo in Singapur. Der stärkere Rückgang der Nasdaq-Futures spiegele die Sorge wider, dass ein politischer Machtwechsel zu einer schärferen Aufsicht über KI und große Technologiekonzerne führen könnte. "Niedrigere Anleiherenditen könnten jedoch schließlich für eine gewisse Entlastung sorgen, sodass der anfängliche Ausverkauf nicht unbedingt von Dauer sein muss", fügt sie hinzu.
In Tokio gibt der Nikkei-Index 4,5 Prozent auf 60.269,56 Punkte nach und der breiter gefasste Topix notiert 3,2 Prozent niedriger bei 3804,53 Zählern. Der Shanghai Composite bleibt fast unverändert bei 3604,37 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen stagniert bei 4.010,35 Punkten.
Das ist los im frühen Devisenhandel
Im asiatischen Devisenhandel verliert der Dollar 0,7 Prozent auf 157,60 Yen und legt 0,2 Prozent auf 6,6843 Yuan zu. Zur Schweizer Währung notiert er 0,8 Prozent niedriger bei 0,8138 Franken. Parallel dazu steigt der Euro um 0,5 Prozent auf 1,1252 Dollar und gibt um 0,3 Prozent auf 0,9157 Franken nach.
Der große Knall
Im bisherigen Wochenverlauf hat sich der Dax kaum bewegt. Dem Plus von 0,6 Prozent auf 25.981 Punkten vom Wochenstart ließ der deutsche Börsenleitindex im gestrigen Geschäft ein Minus von 0,5 Prozent auf 25.865 Zähler folgen. Marktteilnehmer verwiesen auf Absicherungen vor den US-Zwischenwahlen. Gleichzeitig zogen auch die Ölpreise wieder an, was Händler aber als Gegenreaktion auf den Einbruch vom Montag werteten.
Neben den sich im weiteren Tagesverlauf abzeichnenden Ergebnissen der US-Zwischenwahlen schauen die Anleger zur heutigen Wochenmitte wieder auf die Preise. So dürfte die Inflation in der Eurozone im Oktober weiter gestiegen sein - und damit die Europäische Zentralbank (EZB) zu einer weiteren Zinserhöhung veranlassen. Eurostat legt die Daten zu den Verbraucherpreisen vor. Ökonomen gehen davon aus, dass die Jahresteuerung auf 4,0 Prozent geklettert sein dürfte, nach 3,8 Prozent im September. Die EZB sieht aber nur einen Wert von zwei Prozent mittelfristig als ideal für die Konjunktur im Euroraum an. Die Finanzmärkte gehen deshalb davon aus, dass die Zentralbank im Dezember ihren Leitzins von 2,50 Prozent auf 2,75 Prozent erhöht.
Unternehmensseitig richtet sich das Augenmerk der Anleger wieder auf den Autosektor, denn als letzter börsennotierter deutscher Autobauer legt BMW Geschäftszahlen für das dritte Quartal vor. Wie bei Mercedes-Benz und Volkswagen dürfte auch BMW unter dem Zusammenbruch des chinesischen Marktes gelitten haben. In Europa und in den USA dürfte es dagegen für das Unternehmen besser gelaufen sein.
Die komplette Terminvorschau für diese Woche finden Sie hier.


