Reise-Aktie tiefrot
Ein Wechsel an der Führungsspitze und schwache Quartalszahlen haben die Aktien von Tripadvisor belastet. Die Papiere des Online-Reisebuchungsunternehmens brachen im vorbörslichen US-Handel um 19 Prozent ein. Konzernchef Matt Goldberg und Finanzvorstand Michael Noonan kündigten ihren Rücktritt an. Goldberg werde aus dem Verwaltungsrat ausscheiden und bis Februar im Amt bleiben, um einen geordneten Führungswechsel zu gewährleisten. Noonan soll bis Dezember seine Aufgaben wahrnehmen, bevor ihn Kristen Dalton ab Januar als Interims-Finanzchefin ablöst.
Der Umsatz im dritten Quartal sank um elf Prozent auf 436,4 Millionen Dollar und verfehlte damit die Analystenschätzungen. Auch das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 0,37 Dollar unter den Erwartungen.
Zweistellige Inflation bei Erzeugerpreisen "schreit" nach EZB-Zinsanhebung
Noch keine Auswirkung auf den Frankfurter Euro-Geldmarkt haben erneut höhere Inflationsdaten. Eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Dezember erscheint damit immer drängender. Denn nicht nur explodierte die Gesamtrate der nun veröffentlichten Erzeugerpreise (PPI) in der Eurozone um 11,1 Prozent gegenüber Vorjahr, selbst die Preise ohne die gestiegenen Energiekosten legten um 3,5 Prozent zu. Schon am Mittwoch hatten die Verbraucherpreise (CPI) die Vier-Prozent-Marke erreicht.
Tagesgeld: 2,38 - 2,58 (2,42 - 2,62), Wochengeld: 2,38 - 2,64 (2,38 - 2,64), 1-Monats-Geld: 2,42 - 2,72 (2,42 - 2,72), 3-Monats-Geld: 2,74 - 2,93 (2,64 - 2,89), 6-Monats-Geld: 2,92 - 3,12 (2,93 - 3,12), 12-Monats-Geld: 2,99 - 3,16 (3,09 - 3,43), Euribors: 04.11. 02.11. 3 Monate: 2,759 2,765, 6 Monate: 3,008 3,006, 12 Monate: 3,302 3,317
"Größte Strukturkrise seit Gründung der Bundesrepublik"
"Wir haben seit 2019 rund 350.000 Arbeitsplätze verloren", sagt Peter Krause. Der Vizepräsident des Verbands Gesamtmetall blickt auf die Tarifrunde in der Elektro- und Metallindustrie und schildert die Perspektive der Arbeitgeber.
Schweizer Inflationsanstieg überrascht
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist vom jüngsten Anstieg der Inflation überrascht worden und stellt sich auf mögliche Zweitrundeneffekte in der Wirtschaft ein. Die Inflation in der Schweiz habe seit der letzten Lagebeurteilung im September weiter zugenommen, sagte SNB-Präsident Martin Schlegel der "Handelszeitung". "Die jüngste Messung zur Inflation ist im Oktober mit 1,5 Prozent höher ausgefallen als selbst von der SNB erwartet." Der Anstieg gehe vor allem auf höhere Preise für Treibstoffe und Heizöl infolge des Konflikts im Nahen Osten zurück.
Die Notenbank beobachte die Entwicklung genau, um ein Übergreifen der Preissteigerungen auf andere Wirtschaftsbereiche zu verhindern. Wesentliche Zweitrundeneffekte gebe es bislang jedoch nicht. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir solche in Zukunft beobachten werden", erklärte Schlegel. "Sollte die Preisstabilität gefährdet sein, würde die Nationalbank nicht zögern, die Geldpolitik anzupassen."
Erster Zinsanstieg in Großbritannien seit 2023
Die hohe Inflation in Großbritannien hat die Notenbank zur ersten Zinserhöhung seit drei Jahren veranlasst. Die Bank of England (BoE) erhöhte den Leitzins um einen Viertelpunkt auf 4,00 Prozent. Die von hohen Energiepreisen getriebene Teuerung war zuletzt auf 3,5 Prozent gestiegen und hatte die Notenbank damit unter Zugzwang gesetzt. Diese strebt eine Inflation von nur 2,0 Prozent an.
Die BoE reiht sich mit der Zinserhöhung in den Kreis der Zentralbanken ein, die sich gegen die vom Ölpreisschock angefachte Inflation stemmen. Im September hatte die US-Notenbank Fed die Zinsen erstmals im laufenden Jahr angehoben und könnte laut Experten im Dezember nachlegen. Die EZB hat in diesem Jahr bereits zwei Schritte nach oben vollzogen und könnte im Dezember einen weiteren folgen lassen. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die BoE 2027 Jahr mehrfach nachlegen wird.
Toyota-Aktie verzeichnet größten Gewinn seit fast 40 Jahren
Toyota Motor hat seine Jahresprognose angehoben, nachdem ein schwächerer Yen und Kostensenkungen den operativen Quartalsgewinn gestützt haben. Dies signalisiert Zuversicht bei der Bewältigung der durch den Iran-Krieg verursachten Störungen. Die Aktie von Toyota, dem weltweit größten Automobilhersteller, stiegen in Tokio um bis zu 17 Prozent und verzeichneten damit den größten prozentualen Tagesgewinn seit 1987.
Die Aktie war bereits im Vorfeld der Ergebnisse stark gestiegen, beflügelt durch niedrigere Ölpreise und die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Nahostkonflikts nach den US-Zwischenwahlen, legte jedoch nach den Zahlen weiter zu. Finanzvorstand Yoichi Miyazaki sagte, dass es weiteren Spielraum für Kostensenkungen gebe.
Dax holt erneut tief Luft - Rekordjagd geht weiter
Der Dax hat seine Rekordmarke weiter hochgeschraubt. Sie liegt bei nunmehr 26.671,19 Punkten - ein Plus von 0,9 Prozent zum Vortagesergebnis. Starke Zugewinne von je 1,1 Prozent verzeichneten MDax und SDax. Der EuroStoxx50 gewann 0,7 Prozent auf 6308 Stellen.
Møller-Mærsk-Aktie schmiert ab
Die Aktie von A.P. Møller-Mærsk ist eingebrochen. Zuvor hatte das Ergebnis des Schifffahrtskonzerns für das dritte Quartal enttäuscht. Zudem konnte eine erneute Anhebung der Prognose, die von höheren Frachtraten angetrieben wurde, die Anleger nicht überzeugen. Die Aktie fiel zeitweise um bis zu zwölf Prozent. Am Mittag notierte das Papier 8,5 Prozent im Minus.
Das dänische Unternehmen teilte mit, dass schwere Taifune in Ostasien im dritten Quartal und die anhaltenden Störungen der Schifffahrt durch die Schließung der Straße von Hormus zu einer weit verbreiteten Netzüberlastung geführt hätten. Dies habe Kapazitätsengpässe verursacht und die Frachtraten kräftig in die Höhe getrieben. Gleichzeitig erklärte Maersk, dass die Nachfrage und der Welthandel widerstandsfähig geblieben seien.
Dax über 26.600
Update von der Frankfurter Börse: Nach seinem Sprung auf das neue Allzeithoch von 26.654,56 Punkten hat sich der Dax wieder etwas "beruhigt". Am Mittag notierte der deutsche Leitindex 0,7 Prozent höher bei 26.620 Zählern. Der EuroStoxx50 stieg um 0,6 Prozent auf 6300 Stellen. Der Euro lag kaum verändert bei 1,1226 US-Dollar.
Euroraum-Erzeugerpreise ziehen massiv an
Die Erzeugerpreise in der Industrie in der Eurozone haben im September sehr stark zugelegt. Sie kletterten um 11,1 Prozent zum Vorjahresmonat, wie Eurostat mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Anstieg von 10,9 Prozent gerechnet, nach einem Zuwachs von revidiert 8,3 Prozent im August.
Die Energiepreise in der Industrie zogen im September um 30,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat an. Die Herstellerpreise für Investitionsgüter wie Maschinen und Anlagen kletterten um 2,7 Prozent. Bei Vorleistungsgütern ergab sich ein Plus von 7,1 Prozent. Zum Vormonat stiegen die Preise der Hersteller im September um 2,5 Prozent. Ökonomen hatten dies erwartet.
Trump unter Druck - was sich für deutsche Unternehmen ändert
Die Demokraten haben beide Kammern des US-Kongresses erobert. Das könnte neue Handelskonflikte mit Europa erschweren. Eine schnelle Entlastung erwarten Wirtschaftsverbände trotzdem nicht. Denn bei den Zöllen hat Trump vieles weiterhin selbst in der Hand.
Die Kursentwicklung im Dax seit 1990
Superheld sorgt für Sony-Gewinnsprung
Gute Geschäfte mit Videospielen und Filmen haben dem japanischen Unterhaltungskonzern Sony ein glänzendes Quartal beschert. Der Betriebsgewinn kletterte im zweiten Quartal um 45 Prozent auf 622,3 Milliarden Yen (rund 3,51 Milliarden Euro), wie der Konzern mitteilte. Maßgeblich trug dazu der Kino-Hit "Spider-Man: Brand New Day" bei. Sony übertraf die Erwartungen der Analysten und hob seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr um neun Prozent an. Auch für die Sparten mit Bildsensoren für Smartphones und das Musikgeschäft zeigte sich der Konzern optimistischer.
"Rheinmetall geht die Munition aus - an der Börse"
Milliardengewinne, volle Auftragsbücher - und trotzdem senkt Rheinmetall die Jahresprognose. Verzögerte Rüstungsaufträge setzen die Aktie unter Druck. ntv-Börsenexperte Patrick Dewayne erklärt, warum der Rüstungsboom an der Börse ins Stocken gerät und ob die Aktie noch einmal zu alter Stärke zurückfinden kann.
Rheinmetall-Aktie stürzt ab
Die Rheinmetall-Aktie ist um rund 17 Prozent eingebrochen. Der im Dax notierte Rüstungskonzern hatte seine Umsatz- und operative Margenprognose für 2026 gesenkt, nachdem er Verzögerungen bei einem Projekt namens Arminius gemeldet hatte, in dessen Rahmen Deutschland eine groß angelegte Beschaffung von Boxer-Radpanzern starten will. Armitage meint, dass ein Großteil des verfehlten Ziels für 2026 lediglich verzögert sei, aber nicht verschwunden sei. Citi senkte das Kursziel für die Aktie von 1408 Euro auf 1374 Euro, behielt aber die Kaufempfehlung bei. "Die Glaubwürdigkeit hat eindeutig gelitten, aber wir glauben, dass ein Wert vorhanden ist", hieß es.
Dax springt auf neues Rekordhoch
Der Dax hat seinen am Mittwoch begonnenen kräftigen Aufwärtstrend bestätigt und hat sich zu bislang von ihm nicht erreichten Höhen aufgemacht. Der deutsche Leitindex stieg um 0,8 Prozent auf 26.646,32 Punkte - die bisherige Höchstmarke lag bei 26.618,74 Zählern. Der EuroStoxx50 notierte ebenfalls 0,8 Prozent höher bei 6313 Stellen. Auch die europäischen Aktienindizes weiteten ihre Rally nach den Zwischenwahlen in den USA aus. Banken und Automobilwerte gehören zu den am stärksten abschneidenden Sektoren.
Industrie zieht mehr Aufträge an Land
Die deutsche Industrie hat im September wieder mehr Aufträge eingesammelt. Die Bestellungen legten um 4,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Experten hatten mit einem Plus von 4,8 Prozent gerechnet. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen war der Auftragseingang im September um 5,1 Prozent höher als im Vormonat. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich lag er im dritten Quartal insgesamt um 0,2 Prozent höher als im Vorquartal.
Rally geht weiter - abgeschwächt
Der Dax baut seine Gewinnserie zum Handelsstart aus. Der deutsche Börsenleitindex notiert aktuell im Bereich von 26.475 Punkten. Im gestrigen Geschäft hatte der Dax 2,2 Prozent zugelegt und hatte den Handel mit einem Stand von 26.438 Zählern beendet. Nach den US-Zwischenwahlen und den klaren Siegen der Demokraten ist laut Händlern die Unsicherheit raus aus dem Markt. Es werde allerdings umgeschichtet, was etwa den Technologiebereich trifft, heißt es. In Asien kam deshalb der technologielastige Kospi unter die Räder.
Fragile KI-Stimmung - Kospi stürzt ab
Die asiatischen Aktienmärkte zeigen sich mit zwei Gesichtern: Während ein Ausverkauf bei Halbleiteraktien in Südkorea und Japan die dortigen Leitindizes massiv drückt, präsentieren sich die übrigen Börsen der Region mit zum Teil üppigen Aufschlägen. Sie folgen den positiven US-Vorlagen nach dem überwältigenden Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen. Die Wahlsiege der Demokraten in den USA schüren Erwartungen, dass der politische Druck die Bemühungen zur Beendigung des US-Iran-Krieges beschleunigen könnte, was potenziell Lieferunterbrechungen verringern und den Inflationsdruck senken würde.
Derartige Überlegungen helfen dem südkoreanischen Kospi aktuell nicht, er bricht begleitet von mehreren Volatilitätsunterbrechungen um 5,8 Prozent ein. Die ohnehin fragile Stimmung im Halbleitersektor bekam einen neuen Dämpfer durch enttäuschende Quartalszahlen des US-Chipentwicklers Qualcomm, dessen Kurs in den USA nachbörslich um 7,5 Prozent absackte. Auch Arm Holdings überzeugte mit ihrem Zahlenausweis nicht, der Kurs ermäßigte sich nach der Schlussglocke in den USA um 1,8 Prozent. Die südkoreanischen Branchenschwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix stürzen um 7,8 und 9,6 Prozent ab.
Der Ausverkauf von Aktien mit KI-Fantasie in Südkorea schwappt auch nach Japan über, wo der Nikkei deutlich ins Minus dreht und 2,1 Prozent auf 60.917 Punkte verliert. Die lokalen Chip- und KI-Aktien setzen ihre Verluste damit fort, nachdem es bereits in der vorherigen Sitzung zu einem starken Ausverkauf gekommen war. Advantest brechen um knapp 14 Prozent ein, Tokyo Electron sacken um 9,6 Prozent ab und Softbank Group um 6,8 Prozent. Toyota Motor schießen nach Zahlenausweis um 14 Prozent in die Höhe. Der breiter gefasste Topix verbucht indes Aufschläge.
Apple kürzt KI-Ausgaben für Mitarbeiter
Apple kürzt offenbar zur Kostensenkung die Budgets seiner Mitarbeiter für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI). Dies sei Teil umfassenderer Sparmaßnahmen, obwohl der Konzern den Einsatz von KI ausweiten wolle, meldete Bloomberg unter Berufung auf Insider. Demnach senkte der iPhone-Hersteller im vergangenen Monat die täglichen Ausgaben für KI bei einigen Ingenieuren von 300 auf 200 Dollar. Weitere Kürzungen auf 100 Dollar würden für einzelne Entwicklerteams erwogen. Die Budgets decken die Kosten für Tokens ab, die von KI-Modellen wie ChatGPT von OpenAI verarbeitet werden. Der Schritt spiegele einen allgemeinen Trend bei Technologieunternehmen wider, ihre Ausgaben für KI genauer zu prüfen.
Hellofresh mit Gewinnsprung
Eine schleppende Nachfrage hat Hellofresh einen erneuten Umsatzrückgang eingebrockt. Dank geringerer Marketingausgaben sei das operative Ergebnis dagegen um 26,3 Prozent auf 50,9 Millionen Euro gestiegen, teilte der Essenslieferant mit. Sein Unternehmen konzentriere sich aktuell darauf, in der Sparte Kochboxen die zweistellige Gewinnmarge zu halten und im Bereich Fertiggerichte operativ in die schwarzen Zahlen zurückzukehren, sagte Firmenchef und Mitgründer Dominik Richter. Es sei verfrüht, das Wachstum wieder zu forcieren.
Hellofresh richtet seine Aufmerksamkeit auf Kunden mit hoher Bestellfrequenz und überdurchschnittlichen Bestellwerten. Dafür nimmt die Firma sinkende Erlöse in Kauf. Darüber hinaus leidet sie unter den Nachwehen von Produktionsproblemen der Fertiggerichtesparte in den USA, die Verbraucher verprellt hatte.
Im dritten Quartal schrumpfte der Umsatz währungsbereinigt um 11,3 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Bestellwert stieg dagegen um 7,5 Prozent auf 70,50 Euro. Unter anderem wegen der um rund ein Viertel gekürzten Marketingausgaben verbesserte die Sparte Kochboxen ihre Umsatzrendite um mehr als einen Prozentpunkt auf 10,7 Prozent. Der Bereich Fertiggerichte verzeichnete einen operativen Mini-Gewinn von 200.000 Euro.
"Deutschland im Fokus ausländischer Investoren"
Deutsche Unternehmen stehen bei ausländischen Käufern als Übernahmeziel so hoch im Kurs wie lange nicht mehr. Im Zeitraum vom dritten Quartal 2025 bis zum zweiten Quartal 2026 habe sich das Volumen grenzüberschreitender Übernahmen deutscher Firmen mehr als verdoppelt, zeigt eine Analyse der Beratungsgesellschaft KPMG - um 134 Prozent auf fast 129 Milliarden Dollar. Zugleich sei die Zahl solcher Transaktionen von 897 auf 926 geklettert. Dabei wurden 18 Deals mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar angekündigt, so die Studie, die auf Zahlen des Finanzdaten-Konzerns LSEG basiert. Besonders US-Investoren seien hierzulande aktiv; sie standen demnach allein hinter zehn Milliardendeals. Deutsche Firmen stünden bei vielen US-Investoren "ganz oben auf der Einkaufsliste".
"Die nächste Welle der Künstlichen Intelligenz entscheidet sich nicht allein in den großen Technologiezentren dieser Welt", erklärt KPMG-Experte Michael Buhl. Auch Deutschland rücke in den Fokus ausländischer Investoren. "Denn viele deutsche Unternehmen vereinen technologische Kompetenz, industrielle Exzellenz und hochwertige Daten." Rückenwind gäben zudem die relativ attraktiven Bewertungen deutscher Firmen und die Aussicht auf Milliarden-Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Ein vergleichbar starkes Interesse von US-Käufern an deutschen Firmen habe es zuletzt 2007 im Zuge der Privatisierung der Kabelnetze gegeben.
Berichtssaison gibt den Takt vor
Mit einer Fortsetzung der positiven Stimmung rechnen Händler an Europas Börsen. Der deutliche US-Wahlausgang zugunsten der Demokraten habe für klare Verhältnisse gesorgt, nach denen man sich positionieren könne, heißt es am Markt. Die Dax-Terminkontrakte legen um 80 Punkte zu.
Kurzfristig dürften sich Marktteilnehmer zunächst um die Berichtssaison kümmern. Hier steht eine Datenflut an, quer durch sämtliche Branchen mit unter anderem Air France-KLM, ArcelorMittal, DHL, Moeller-Maersk, Diageo, Swiss Re, Renk, Commerzbank, Pirelli, BT Group und Bouygues.
Telekom will Dividende erhöhen
Dank einer robusten Nachfrage hat die Deutsche Telekom Umsatz und Gewinn erneut gesteigert. Der Umsatz sei im dritten Quartal um 5,5 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro geklettert, teilte der Konzern mit. Der operative Gewinn habe um acht Prozent auf 12,2 Milliarden Euro zugelegt. Das Betriebsergebnis übertraf die Markterwartungen leicht.
Darüber hinaus folgte das Unternehmen dem Vorbild der US-Tochter T-Mobile und hob seine Gesamtjahresziele leicht an. Der operative Gewinn dürfte 47,6 statt 47,5 Milliarden Euro erreichen, teilte die Telekom mit. Der Free Cashflow werde voraussichtlich bei 20,1 statt 20 Milliarden Euro liegen.
Vor diesem Hintergrund stellte der Konzern eine Anhebung der Dividende für 2026 um zehn Prozent auf 1,10 Euro je Aktie in Aussicht. Im kommenden Jahr sollen zudem eigene Aktien im Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro zurückgekauft werden.
Deutscher Rüstungszulieferer hebt Prognose an
Hensoldt schraubt nach einem Gewinnsprung seine Jahresziele nach oben. "Die strukturell hohen Verteidigungsausgaben in Deutschland und Europa füllen weiter unsere Auftragsbücher. Das schlägt sich jetzt zunehmend auch im Umsatz nieder", erklärte Vorstandschef Oliver Dörre. Er erwartet nun einen Jahresumsatz von rund 2,8 Milliarden Euro statt der bisher in Aussicht gestellten 2,75 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite (bereinigte Ebitda-Marge) soll nun am oberen Ende der bisher erwarteten Spanne von 18,5 bis 19,0 Prozent liegen.
Der Auftragseingang von Januar bis September lag mit 3,56 Milliarden Euro 77 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Darunter waren Eurofighter-Radare sowie Großaufträge für die Zielerfassungssysteme des Schützenpanzers Puma und des Radpanzers Schakal. Damit hat das Orderbuch des Optronik- und Sensor-Spezialisten aus Taufkirchen bei München nun ein Volumen von 10,37 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand auf Rekordniveau gebe dem MDax-Konzern die Planungssicherheit, Technologie und Kapazitäten auszubauen, erklärte Finanzvorstand Christian Ladurner.
Der Umsatz wuchs um 21 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro. Noch stärker legte der Betriebsgewinn zu. Das bereinigte Ebitda kletterte um 33 Prozent auf 281 Millionen Euro. Ladurner führte dies auf Skaleneffekte und ein diszipliniertes Kostenmanagement zurück. Operativ flossen noch 104 Millionen Euro ab nach 119 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum (bereinigter Free Cashflow). Normalerweise gehen Rüstungsunternehmen in Vorleistung, ehe die erreichten Meilensteine im vierten Quartal Zahlungen der Auftraggeber auslösen. Weil Hensoldt seit einiger Zeit höhere Anzahlungen verlangt, lag der bereinigte Free Cashflow im dritten Quartal mit 32 Millionen Euro im positiven Bereich.
Das ist los im frühen Devisengeschäft
Im asiatischen Devisenhandel verliert der Dollar 0,3 Prozent auf 157,92 Yen und legt leicht auf 6,6698 Yuan zu. Zur Schweizer Währung notiert er 0,3 Prozent niedriger bei 0,8141 Franken. Parallel dazu steigt der Euro um 0,3 Prozent auf 1,1259 Dollar und zieht leicht auf 0,9165 Franken an.
Ein letztes Ausrufezeichen der Commerzbank
Das wohl vor einer Übernahme durch die UniCredit stehende Frankfurter Geldhaus Commerzbank legt Zahlen für das dritte Quartal vor. Analysten gehen im Schnitt von einem kräftigen Anstieg des Nettogewinns auf 864 Millionen Euro aus, nach 591 Millionen im vergangenen Jahr. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) im Oktober einer Übernahme zugestimmt hat, geht es angesichts der Machtverhältnisse nun darum, zu einer einvernehmlichen Vereinbarung mit den Italienern zu kommen. Die italienische Bank hat sich schon knapp die Hälfte an der Commerzbank gesichert.
KI-Sorgen fressen Anlegerseele auf
Sinkende Ölpreise nach dem Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen beflügeln den Gesamtmarkt in Japan. Technologiewerte brechen jedoch wegen Sorgen um die KI-Branche ein. Der breiter gefasste Topix notiert 1,5 Prozent höher bei 3954,70 Zählern. Der technologielastige Nikkei-Index gibt hingegen 0,8 Prozent auf 61.686,61 Punkte nach. Belastet wird er von Aktien wie den Chip-Ausrüstern Advantest und Tokyo Electron, die um 10,3 Prozent beziehungsweise 8,6 Prozent einbrechen. "Kapital, das zuvor in KI und Halbleiter geflossen ist, wird nun in andere Sektoren umgeschichtet", sagt Wataru Akiyama, Aktienstratege bei Nomura Securities.
Vor allem in Südkorea belasten Sorgen vor einem nachlassenden KI-Boom nach den US-Zwischenwahlen die Börse. Der Kospi verliert 4,01 Prozent auf 5459,70 Punkte. Zeitweise war der Handel nach einem Kursrutsch von mehr als fünf Prozent ausgesetzt worden. Die Aktien des Chip-Herstellers Samsung Electronics geben um 5,73 Prozent nach, die des Konkurrenten SK Hynix verlieren 7,52 Prozent. Gegen den Trend legen die Papiere der Autobauer Hyundai und Kia um 3,70 Prozent beziehungsweise 4,38 Prozent zu.
Der Shanghai Composite bleibt fast unverändert bei 3689,79 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen steigt 0,4 Prozent auf 4115,93 Punkte.
Japans Dienstleister im Aufwind
Angetrieben von einer anziehenden Inlandsnachfrage ist der japanische Dienstleistungssektor im Oktober leicht gewachsen. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) stieg von 51,3 Punkten im Vormonat auf 51,7 Punkte, wie der Finanzdienstleister S&P Global in seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Werte über der Marke von 50 deuten auf Wachstum hin. Die Nachfrage aus dem Ausland blieb jedoch schwach. Der Composite-Index, der auch die Industrie umfasst, gab hingegen von 52,3 auf 52,1 Zähler nach. Grund dafür war eine schwächere Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe, die das Wachstum im Dienstleistungssektor bremste.
Mehr Klarheit - und geopolitische Risiken
Unsicherheit mögen Anleger gar nicht. So gesehen, ist die Kursreaktion nach dem klaren Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen nachvollziehbar. Die Demokraten haben mit deutlichem Vorsprung die Mehrheiten im US-Repräsentantenhaus und im Senat erobert, was das Regieren für US-Präsident Donald Trump wesentlich schwieriger machen dürfte. Der Dax schloss 2,2 Prozent fester und mit 26.438 Punkten auch deutlich über der 26.000er-Marke – und nahe des Allzeithochs von 26.619 Zählern.
"Geteilte Machtverhältnisse dürften für mehr politische Kontinuität sorgen und die Wahrscheinlichkeit umfassender Änderungen bei Steuern, Staatsausgaben oder Regulierung verringern. Da sich größere innenpolitische Gesetzesvorhaben nun schwieriger durchsetzen lassen, könnte Präsident Trump seinen Schwerpunkt stärker auf Handel, Zölle und Außenpolitik verlagern", so Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Mit klareren Mehrheitsverhältnissen könnte zumindest die wahlbedingte Unsicherheit nachlassen, sagt Analyst Salah-Eddine Bouhmidi von IG. Die geopolitischen Risiken blieben jedoch bestehen. Insbesondere der Iran-Konflikt und eine mögliche Eskalation im Nahen Osten dürften die Anleger weiterhin beschäftigen.
Nachdem die US-Notenbank Federal Reserve, die EZB und auch die Bank of Japan bereits ihre Zinsentscheidungen gefällt haben, steuert die britische Notenbank heute wegen der hartnäckigen Inflation auf eine Zinserhöhung zu. Laut Expertenschätzung dürfte der Leitzins um einen Viertelpunkt auf 4,00 Prozent steigen. Die von höheren Energiepreisen getriebene Inflation war zuletzt auf 3,5 Prozent geklettert und liegt damit weit über dem Zielwert der Bank of England (BOE) von 2,0 Prozent. Großbritannien ist wegen seiner Abhängigkeit von Erdgasimporten stärker von den Folgen des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks betroffen als viele andere westliche Länder. BOE-Chef Andrew Bailey hat gewarnt, dass ein langwieriger Konflikt im Nahen Osten eine straffere Geldpolitik erforderlich machen könnte.
Unternehmensseitig können sich die Anleger heute durch eine Vielzahl von Geschäftszahlen wühlen: So dürfte der weltgrößte Autobauer Toyota etwa bei der Vorlage seiner Quartalszahlen dank eines schwächeren Yen und einer starken Nachfrage nach Hybridfahrzeugen den ersten Gewinnanstieg seit sechs Quartalen ausweisen. Analysten erwarten für das abgelaufene Quartal einen Anstieg des Betriebsgewinns um 18 Prozent. Damit würde der japanische Konzern einen Absatzrückgang in China mehr als ausgleichen. Zudem profitiert der Toyota vom Wegfall von US-Zollkosten, die das Ergebnis im Vorjahreszeitraum noch belastet hatten.
Hierzulande wiederum hoffen Anleger der Deutschen Telekom nach den starken Zahlen von T-Mobile auf ermutigende Zwischenergebnisse des Mutterkonzerns. Sie gehen davon aus, dass die Telekom wie üblich dem Beispiel ihrer US-Tochter folgt und ihre Jahresziele entsprechend anpasst. Analysten erwarten für das dritte Quartal einen Umsatz von 30,38 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 11,96 Milliarden Euro.
Der Rüstungskonzern Rheinmetall dürfte auch im dritten Quartal Wachstum ausweisen. Anleger werden aber sehr genau darauf achten, wie rasant die Zuwachsraten ausfallen – und ob sich wichtige Aufträge verzögern. Analysten erwarten einen Umsatzanstieg auf 3,3 Milliarden Euro von 2,3 Milliarden Euro vor Jahresfrist sowie ein operatives Ergebnis von 531 Millionen Euro.
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