Fragile Lage am Ölmarkt
Am Rohstoffmarkt geben die Ölpreise nach. Die Öl-Sorte Brent verbilligt sich um 0,7 Prozent auf 114,95 Dollar je Barrel und entfernt sich damit von ihrem Sechsmonatshoch. Anleger wiegen die Chancen auf eine Beilegung des Krieges der USA und Israels mit dem Iran ab, was die Angebotssorgen vorerst dämpft. Die Stimmung bleibt jedoch fragil. Das Angebot sei weiterhin die Hauptsorge, erklärt Nick Twidale, Chef-Marktstratege bei ATFX Global. Sollten die Exporte bedroht werden, könnte der Brent-Preis die jüngsten Höchststände schnell wieder erreichen und möglicherweise in Richtung 120 Dollar steigen. Der seit fast acht Monaten andauernde Krieg hat weite Teile des Nahen Ostens erfasst, die Ölpreise in die Höhe getrieben und Inflationssorgen geschürt. Dies hat auch die globalen Zinsaussichten verändert und rückt die anstehenden Entscheidungen der Zentralbanken in dieser Woche stärker in den Fokus.
Dax rudert zurück
Der Dax startet mit Abschlägen in das heutige Geschäft. Der deutsche Börsenleitindex notiert aktuell im Bereich von 25.345 Punkten, nachdem er zum Wochenbeginn noch 0,9 Prozent auf 25.411 Zähler zugelegt hatte. Zwar stützen die positiven Vorgaben von Seiten der Wall Street, aber in Asien senden die Börsen keine einheitlichen Signale. Am Markt spricht man von Zurückhaltung und verweist auf die in dieser Woche noch anstehenden Geschäftszahlen etwa von Alphabet oder Microsoft.
Aktien mit KI-Bezug sind gesucht
Heute lässt sich an den Börsen in Ostasien und Australien keine einheitliche Tendenz ausmachen. Meist dominiert Zurückhaltung vor den anstehenden Zinsentscheiden verschiedener Notenbanken und einer Flut von Unternehmenszahlen im Wochenverlauf. Aktien mit KI-Bezug sind jedoch gesucht, nachdem Anthropic den Prospekt seines geplanten Börsengangs veröffentlicht und damit die Furcht vor einer Blasenbildung zerstreut hat.
In Tokio steigt der Nikkei-Index um 1,5 Prozent. Der breiter gefasste Topix legt um 0,4 Prozent zu. Abseits des Chipsektors verteuern sich Shin-Etsu Polymehr um 12,7 Prozent, nachdem das Unternehmen Eckdaten zum ersten Geschäftshalbjahr vorgelegt hat. An der Börse in Seoul rückt der Kospi um 3,1 Prozent vor, auch gestützt vom überraschend starken südkoreanischen Wirtschaftswachstum im dritten Quartal. Die Aktien der beiden Chipgiganten Samsung Electronics und SK Hynix gewinnen 4,5 und 6,4 Prozent.
Die chinesischen Börsen zeigen sich derweil mit kleinen Verlusten. Der Composite-Index in Shanghai liegt 0,3 Prozent im Minus, der Hang-Seng-Index in Hongkong sinkt um 0,6Prozent. In Sydney steigt der S&P/ASX-200 um 0,5 Prozent und zeigt sich damit erholt von anfänglichen Verlusten.
Porsche-Absatz schwach, aber …
Porsche hat sich vom Gewinneinbruch des vergangenen Jahres etwas erholt. Von Januar bis September sank der Umsatz um knapp sechs Prozent auf 25,28 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis belief sich auf 1,74 Milliarden Euro nach gerademal 40 Millionen Euro vor Jahresfrist, wie der Sportwagenbauer mitteilte. Damals hatte Porsche hohe Abschreibungen und Kosten für Personalabbau verbucht. Der Umsatz sank damit nicht so stark wie der Absatz (minus 16 Prozent), da mehr margenstarke Modelle verkauft worden seien.
Die operative Rendite liegt nach neun Monaten mit 6,9 Prozent in dem für 2026 angepeilten Korridor von 5,5 bis 7,5 Prozent. Porsche leidet unter einem Einbruch des China-Geschäftes, gestiegenen US-Importzöllen und zu geringer Nachfrage nach Elektroautos im Sportwagenmarkt.
DoorDash steht vor 17-Milliarden-Dollar-Deal
DoorDash befindet sich einem Insider zufolge in fortgeschrittenen Gesprächen über die Übernahme des Lebensmittel-Lieferdienstes Instacart. Bei dem Geschäft könnte Instacart mit etwa 17 Milliarden Dollar bewertet werden. Eine Einigung könnte am Mittwoch erzielt werden, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Es gebe jedoch keine Garantie für einen erfolgreichen Abschluss. Die Instacart-Aktie legte im regulären Handelsverlauf um rund acht Prozent zu. Die Papiere des US-Essenslieferanten DoorDash gaben dagegen um etwa sechs Prozent nach. Instacart wurde am Freitag an der Börse mit rund 13 Milliarden Dollar bewertet.
Starker Wochenauftakt - und nun?
Nach den Kursgewinnen zu Wochenbeginn dürften Europas Börsen wenig verändert starten. Das Umfeld ist recht günstig angesichts steigender Notierungen an den asiatischen Börsen. Daneben rentieren US- und französische zehnjährige Benchmarkanleihen jeweils unter 5 Prozent, auch gibt der Brent-Ölpreis nach. Allerdings dürften Anleger nicht zu stark ins Risiko gehen vor den geldpolitischen Entscheidungen der Bank of Japan, der US-Notenbank sowie der EZB in der laufenden Woche.
Angesichts der anhaltend hohen Energiepreise und der wachsenden Inflationsrisiken werden Anleger jedes Wort der Notenbanker auf die Goldwaage legen. "Die entscheidende Frage lautet, wie weit die Währungshüter bei der Inflationsbekämpfung gehen müssen, ohne die ohnehin fragile Konjunktur zusätzlich zu belasten", heißt es bei CMC. Es wird erwartet, dass sowohl die Fed als auch die EZB die Leitzinsen bestätigen werden, im Fokus wird daher der Ausblick stehen.
Preiskampf in der Kfz-Versicherung ist zurück
In der Kfz-Versicherung hat eine dreijährige Phase teils drastischer Preiserhöhungen ihr Ende gefunden: Zwei Prozent mehr als vor einem Jahr kosten Kfz-Policen zu Beginn der alljährlichen Wechselsaison im Mittel der drei Versicherungsarten - Haftpflicht sowie Voll- und Teilkasko - nach Analyse des Vermittlungsportals Verivox. Das entspricht einem vergleichsweise moderaten Anstieg, der unter der allgemeinen Inflationsrate liegt. Im günstigen Preissegment sind die Preise laut Verivox sogar im Schnitt um knapp zwei Prozent gesunken.
Alljährlich im November und Dezember wechseln Millionen Autobesitzer in Deutschland auf der Suche nach günstigeren Tarifen ihre KFZ-Versicherung. In den vergangenen drei Jahren waren tatsächlich billigere Policen Mangelware. Im mittleren Preissegment kosten Haftpflichtpolicen laut Verivox in diesem Jahr im Schnitt 3,1 Prozent mehr, während die Preise günstigerer Versicherer um 1,2 Prozent niedriger sind als vor einem Jahr. Teilkasko ist in diesem Herbst im mittleren Preissegment 0,4 Prozent teurer, im günstigen ein Prozent günstiger. Bei Vollkasko-Policen, die auch selbst verschuldete Schäden am eigenen Auto abdecken, geht die Entwicklung etwas stärker auseinander: 1,6 Prozent mehr im mittleren Preissegment, 2,3 Prozent weniger im günstigen.
Deutscher IT-Dienstleister senkt Umsatzprognose
Cancom nimmt seine Umsatzerwartung für das laufende Jahr nach einem enttäuschenden Quartal zurück und geht nun von einem weitgehend stagnierenden Geschäft aus. Der Umsatz werde 2026 zwischen 1,65 und 1,75 Milliarden liegen, teilte der Münchner IT-Dienstleister mit. Bisher lag die erwartete Spanne 100 Millionen Euro höher. "Der strukturelle Digitalisierungsbedarf ist unverändert hoch. Längere Entscheidungszyklen und Projektverschiebungen, insbesondere im Bereich Workplace, wirken sich jedoch auf die Kundennachfrage aus", erklärte Cancom. Im dritten Quartal lag der Umsatz mit 412 Millionen Euro um drei Prozent unter Vorjahr.
Das operative Ergebnis (Ebitda) sank von Juli bis September um elf Prozent auf 24,1 Millionen Euro. An der - breit gefassten - Gewinnprognose für das Gesamtjahr hält Cancom aber fest: Das Ebitda soll auf 110 bis 130 Millionen von 102,5 Millionen Euro steigen.
Zinsen: "Das Gefahrenpotenzial ist riesig im Moment"
Hendrik Leber, Geschäftsführer von Acatis, sieht in der aktuellen Zinsentwicklung ein großes Krisenrisiko. "Die nächste Krise geht auf der Zinsseite los", sagt er in der ntv Wirtschaft. Daraus leitet sich auch eine mögliche Gefahr für den Aktienmarkt ab.
KI-Fantasie beflügelt Asien-Börsen
Die Aussicht auf den Börsengang des KI-Vorreiters Anthropic und eine milliardenschwere Kapitalerhöhung von Meta beflügeln die asiatischen Aktienmärkte. Der technologielastige südkoreanische Kospi klettert zeitweise um fast fünf Prozent auf 5737 Zähler nach oben. In Tokio legt der Nikkei-Index 2,1 Prozent auf 63.484 Punkte zu, während der breiter gefasste Topix 0,7 Prozent höher bei 4000 Zählern notiert. In China halten sich die Anleger eher zurück: Der Shanghai Composite verliert 0,1 Prozent auf 3693 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen notiert ebenfalls fast unverändert bei 4098 Punkten.
Für gute Stimmung sorgten die Pläne von Meta, bei seiner bislang größten Kapitalbeschaffung bis zu 95 Milliarden Dollar einzusammeln. Zudem reichte Anthropic, das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude, die Unterlagen für einen US-Börsengang ein und wies dabei neben einem rasanten Umsatzwachstum auch hohe Verluste aus. "Der Markt hat erleichtert auf die Nachricht vom Börsengang von Anthropic reagiert, während die Aktien der Technologie-Schwergewichte dem Anstieg des US-Chip-Index folgten", erläutert Daisuke Hashizume, Senior-Stratege bei Daiwa Securities, die Entwicklung an der Börse Tokio. So legen die Aktien des Chip-Testgeräte-Herstellers Advantest um zehn Prozent zu.
Aber die Skepsis bleibt, ob sich die hohen Investitionen in die Künstliche Intelligenz (KI) auch in entsprechende Gewinne ummünzen lassen. "Investoren brauchen die Zuversicht, dass aggressive Investitionsausgaben dauerhafte geschäftliche Bedürfnisse widerspiegeln", sagte Anthony Saglimbene, Chef-Marktstratege bei Ameriprise.
Microsoft bietet in großem Stil Abfindungen an
Microsoft hat rund 60.000 Mitarbeitern angeboten, das Unternehmen freiwillig mit einer Abfindung zu verlassen. Das Angebot richtet sich an Beschäftigte einiger Bereiche in Kanada, Indien, Großbritannien und den USA, wie Microsoft mitteilte.
Microsoft hatte zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres Ende Juni rund 223.000 Beschäftigte. Damit adressiert das Angebot zumindest theoretisch über ein Viertel der Belegschaft. Microsoft selbst gehe aber davon aus, dass die Annahmequote weitaus niedriger sein werde als die 30 Prozent bei einem vorherigen Vorruhestandsangebot, schrieben der Finanzdienst Bloomberg und die Website "Geekwire" unter Berufung auf das Unternehmen. Der Windows-Konzern hatte erst vor wenigen Monaten etwa 4.800 Arbeitsplätze gestrichen.
Yen steht im Devisengeschäft im Fokus
Am Devisenmarkt ist der japanische Yen als sicherer Hafen gefragt und notiert im Vorfeld des Zinsentscheids der Bank of Japan (BOJ) am Freitag zuletzt bei 157,72 Yen pro Dollar. Experten erwarten, dass die Notenbank ihren fast 14-jährigen Kampf für das Erreichen des Inflationsziels von zwei Prozent als gewonnen erklären wird. Zugleich dürfte die BOJ betonen, dass die Preise über das Ziel hinausschießen könnten, was auf eine mögliche Zinserhöhung im Dezember hindeutet.
Gegenüber der chinesischen Währung legt der Dollar leicht auf 6,6678 Yuan zu. Zur Schweizer Währung rückt er etwas auf 0,8272 Franken vor. Parallel dazu bleibt der Euro fast unverändert bei 1,1173 Dollar und zieht leicht auf 0,9242 Franken an.
Hoffnung auf die Jahresendrally
Einen ordentlichen Wochenstart hat der Dax hingelegt. Der deutsche Börsenleitindex gewann gestern 0,9 Prozent und schloss mit einem Stand von 25.411 Punkten. Für Erleichterung sorgte die Bestätigung der Bonitätseinstufung Frankreichs mit "Aa3" durch die Ratingagentur Moody's - trotz des stetigen Anstiegs der Verschuldung und der politischen Zersplitterung, welche die Eindämmung der Kreditaufnahme erschwert. Moody's begründete dies mit der diversifizierten Wirtschaft des Landes und den starken öffentlichen Institutionen. Ein positives Signal sendete auch der IFO-Index.
Heute verhandelt der Bundesgerichtshof (BGH) über die Pflicht sozialer Netzwerke, rechtswidrige Falschbehauptungen umfassend zu löschen. Geklagt hat die Grünen-Politikerin Renate Künast gegen den Facebook-Mutterkonzern Meta, da ihr auf der Plattform ein falsches Zitat untergeschoben worden war. Während Meta den konkreten Beitrag nach einer Beschwerde entfernte, fordert Künast, dass das Netzwerk auch proaktiv nach sinngleichen Abwandlungen sucht und diese löscht. Nachdem das Landgericht ihr in der Löschungsfrage recht gegeben, einen Schadenersatz aber abgelehnt hatte, zogen beide Seiten vor den BGH. Dieser hatte das Verfahren zunächst ausgesetzt, um ein inzwischen vorliegendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) abzuwarten.
Unternehmensseitig richtet sich der Blick der Anleger auf frische Geschäftszahlen. So veröffentlicht etwa der kriselnde Sportwagenbauer Porsche Finanzzahlen für das dritte Quartal. Analysten erwarten trotz eines weiteren Absatzrückgangs von mehr als zehn Prozent eine leichte Stabilisierung. So sehen die Prognosen der Fachleute im Schnitt einen Rückgang des Umsatzes um gut drei Prozent auf 8,4 Milliarden Euro und ein Betriebsergebnis von 331 Millionen Euro vor, mehr als doppelt soviel wie vor Jahresfrist. Damals hatte Porsche hohe Abschreibungen und Kosten für Personalabbau verbucht. Analysten sehen den MDax-Konzern auf Kurs zu den Jahreszielen eines Umsatzes auf Vorjahresniveau von rund 36 Milliarden Euro und einer operativen Rendite zwischen 5,5 und 7,5 Prozent.
Zudem gewährt der US-Flugzeugbauer Boeing vor US-Börseneröffnung einen Blick in seine Bücher. Der Konzern kann einerseits auf Erfolge wie den F/A-XX-Rüstungsauftrag und die Zulassung seiner Jets vom Typ 737 MAX verweisen. Andererseits kämpft Boeing mit Produktionsproblemen bei den Modellen 737 und 787, die den geplanten Hochlauf der Fertigung bremsen. Ein Rechtsstreit mit dem Zulieferer Vaero um wichtige Flügelkomponenten hat die Produktion des 777-Frachtflugzeugs Insidern zufolge für fast zwei Monate lahmgelegt. Der Engpass kostete Boeing laut Gerichtsunterlagen bis zu 6,5 Millionen Dollar pro Tag.
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