Der Dax fängt sich
Der Dax hat sich nach der schwachen Vorwoche ein wenig stabilisiert. Der deutsche Leitindex steigt um 0,2 Prozent auf 25.233 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen geht es um 0,3 Prozent auf 29.977 Punkte hoch.
Die weiterhin sehr hohen Ölpreise kamen zum Wochenstart zumindest etwas zurück. An den asiatischen Börsen überwogen die Verluste.
Weltweit im Fokus bleibt die Frage, ob sich die Milliardeninvestitionen in den KI-Boom tatsächlich zeitnah rentieren oder sich viele, vor allem der kleineren Anbieter, angesichts immer höherer Refinanzierungskosten nicht doch übernehmen.
Dabei spielen die gestiegenen Zinsen eine wichtige Rolle. Hier entspannte sich die Lage zuletzt etwas, nachdem sich die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen knapp unter der Fünf-Prozent-Marke stabilisiert hat. Im Blick bleibt zudem Frankreich mit seiner angespannten Haushaltslage, doch auch hier gingen die Renditen etwas zurück.
Brasiliens Börse steht nach Lula-Sieg vor heftigen Verlusten
Nach dem überraschenden Wahlsieg von Luiz Inácio Lula da Silva stellen sich Anleger auf deutliche Verluste an Brasiliens Finanzmärkten ein. Erste Indikationen deuten auf einen kräftigen Ausverkauf hin. Ein ETF auf brasilianische Aktien verlor im Handel in Japan zeitweise 16 Prozent. Ein Währungsderivat an der CME signalisierte einen Real-Kurs von 5,55 je Dollar. Das entspräche einem Wertverlust der brasilianischen Währung von mehr als zehn Prozent gegenüber Freitag.
Händler in São Paulo rechnen mit so starken Kursverlusten, dass am Aktienmarkt automatische Handelsunterbrechungen ausgelöst werden könnten. "Der Markt wird alles neu bewerten", sagte Bruno Funchal, Chef von Bradesco Asset Management der Nachrichtenagentur "Bloomberg".
Lula hatte sich in der Stichwahl überraschend gegen den von vielen Investoren bevorzugten rechten Kandidaten Flávio Bolsonaro durchgesetzt.
Druck auf französische Staatsanleihen nimmt ab
Französische Staatsanleihen haben zum Wochenauftakt stärker zugelegt als andere Staatspapiere der Eurozone. Rückenwind kam von der Ratingagentur Moody's, die die Kreditwürdigkeit Frankreichs unverändert bewertet und damit nicht wie befürchtet gesenkt hat.
Moody's begründete die Entscheidung unter anderem mit der Erwartung, dass Frankreich einen Haushalt für 2027 verabschiedet, der das Defizit verringert. Damit bleibt eine Herabstufung vorerst aus. Der Ausblick bleibt allerdings negativ.
Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen fiel im frühen Handel um 4,7 Basispunkte auf 5,028 Prozent. Sinkende Renditen bedeuten steigende Anleihekurse. Zum Vergleich: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg laut Tradeweb um 0,9 Basispunkte auf 3,349 Prozent.
Stihl wird wegen Trockenheit pessimistischer
Der für seine Motorsägen weltbekannte Gerätebauer Stihl senkt seine Umsatzprognose für 2026. "Aus heutiger Sicht werden wir einen leichten Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentsatz verbuchen", sagte Stihl-Chef Michael Traub dem "Handelsblatt". Damit werden die Erlöse unter den 2025 erreichten 5,48 Milliarden Euro liegen. Bei der Bilanzvorstellung im Mai war das Unternehmen in seinem 100. Jubiläumsjahr noch von einem stabilen Umsatz ausgegangen.
Als Hauptgrund für die Senkung der Prognose nannte Traub die Trockenheit in Europa und damit in Märkten, die 2025 noch zum Wachstum beigetragen hätten. "Unser Geschäft ist es, hohes Gras kürzer zu machen. Und wenn Gras und Gebüsch wegen der Hitze austrocknen und nicht mehr wachsen, brauchen die Kunden auch weniger Schneidgeräte", sagte Traub.
Dax stemmt sich gegen weitere Verluste
Europas Börsen dürften mit kleinen Aufschlägen in die neue Woche starten. Der Broker Lang & Schwarz sieht den Dax zum Auftakt 0,2 Prozent im Plus bei 25.211 Punkten. Am Freitag hatte der deutsche Leitindex 0,7 Prozent auf 25.181 Punkte verloren.
Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen ist der Ölpreis gesunken. Zum anderen ließ der Druck auf französische Staatsanleihen nach – und zwar schon bevor die US-Ratingagentur am Freitagabend mitteilte, Frankreichs Kreditrating nicht herabzustufen.
VW-Betriebsrat findet Auftritt von Audi-Chef mit Trump beschämend
VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo hat den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert. "Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie - und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe", sagte Cavallo in einem internen Interview. Wer die Rede von Trump gehört habe und habe wahrnehmen müssen, dass Döllner zum aktiven Teil dieser Veranstaltung geworden sei, müsse vor "Scham im Boden versinken".
Trump hatte am Samstag überraschend den Bau eines Audi-Werks in Perry im US-Bundesstaat Georgia angekündigt. Döllner trat anschließend auf die Bühne und dankte dem US-Präsidenten für dessen Unterstützung. Der Chef der VW-Tochter ist auch Mitglied im Wolfsburger Konzernvorstand. Dort verantwortet Döllner die Markengruppe Progressive, die neben Audi auch die Luxusmarken Bentley und Lamborghini sowie den Motorradhersteller Ducati umfasst.
Der Auftritt steht Cavallo zufolge auch im Gegensatz zu internen Leitlinien von Audi. In den drei letzten Monaten vor Wahlen seien öffentlich wirksame Termine mit zur Wahl stehenden Politikern untersagt. Döllner habe diese Prinzipien erst vor wenigen Monaten unterschrieben. Hier liege "sicherlich ein klarer Verstoß" vor. Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November statt.
Die Pläne für ein Audi-Werk in den USA bewertet die VW-Betriebsratschefin durchaus positiv. Rein betriebswirtschaftlich könne das Sinn ergeben, sagte Cavallo. Der US-Markt zähle zu den größten und lukrativsten der Welt, der Marktanteil von VW sei dort aber immer noch viel zu klein. Zugleich seien die Zölle wegen Trump hoch und kosteten den Konzern Milliarden.
Ölpreise geben deutlich nach
Am Rohstoffmarkt geben die Notierungen nach, nachdem Berichte über katarische Vermittler im Iran Hoffnungen auf eine Deeskalation in Nahost geweckt hatten. Zuvor hatten Angriffe der Huthi-Rebellen auf Ölanlagen in Saudi-Arabien die Preise auf ein Sechs-Monats-Hoch getrieben.
Zur Sicherung der Lieferketten kündigte Saudi-Arabien an, ab 2027 Rohöl in Singapur zu lagern.
Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligt sich um 2,1 Prozent auf 114,22 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notiert 2,3 Prozent schwächer bei 100,87 Dollar.
Tech-Aktien unter Druck
Die asiatischen Aktienmärkte tendieren zum Wochenauftakt im Vorfeld wichtiger Notenbanksitzungen und Firmenbilanzen überwiegend schwächer. In Tokio gibt der 225 Werte umfassende exportlastige Nikkei-Index 0,4 Prozent auf 62.431 Punkte nach, während der breiter gefasste Topix 0,4 Prozent höher bei 3.982 Zählern notiert. Auch in China halten sich die Anleger zurück: Die Börse Shanghai verliert 0,2 Prozent auf 3683 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fällt um 0,5 Prozent auf 4083 Punkte.
In Japan drücken vor allem schwache Technologiewerte den Leitindex ins Minus, nachdem die Wall Street entsprechende Vorgaben geliefert hatte. Zu den größten Verlierern zählen Chip-Werte wie Sumco mit einem Minus von gut 4 Prozent sowie Kokusai Electric und Screen Holdings. "Der Nikkei zeigt Anzeichen einer kurzfristigen technischen Unterbewertung", so Analyst Satoshi Saito von Monex Securities. Gefragt sind hingegen Energiewerte, die von den jüngsten Ölpreisanstiegen profitierten. Hier zählen Inpex, JGC Holdings und Mitsubishi Corp zu den größten Gewinnern.
In China blicken die Investoren auf die Politik, wo die regierende Kommunistische Partei in Peking zu ihrem fünften Plenum zusammenkam. Das Treffen hinter verschlossenen Türen gilt als letzte große Parteiversammlung vor der für 2027 geplanten Umbildung der Führung und bietet Präsident Xi Jinping die Gelegenheit, seine Autorität weiter zu festigen.
Die chinesischen Börsen stehen jedoch bereits seit elf Wochen unter Druck, da sich die Anleger trotz starker Exporte Sorgen um die schwache Binnennachfrage machen. Zudem dämpft die Erwartung, dass große Zentralbanken wie die US-Notenbank Fed die Zinsen vorerst hochhalten könnten, die Risikobereitschaft der Investoren in der gesamten Region.
