Wirtschaft

Madrid und Den Haag melden sichOffenbar Zweikampf um Lagarde-Nachfolge bei der EZB

06.11.2026, 16:12 Uhr
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Der Chefsessel der EZB muss neu besetzt werden. (Foto: picture alliance / greatif)

EZB-Chefin Lagarde hat ihren Rückzug angekündigt. Die Euro-Länder wollen den Posten möglichst rasch besetzen. Schon Mitte Dezember könnte eine Vorentscheidung fallen. Sie wird aller Voraussicht Teil eines weitere Personalien umfassenden Pakets sein.

Im Rennen um die Nachfolge der scheidenden EZB-Präsidentin Christine Lagarde kommt es zu einer Entscheidung zwischen Bewerbern aus Spanien und den Niederlanden. Die Regierung in Madrid nominierte ihren Kandidaten Pablo Hernandez de Cos in einem Schreiben an den Vorsitzenden der Eurogruppe, Kyriakos Pierrakakis. De Cos ist Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel und leitete früher die spanische Zentralbank. Spaniens Vizeregierungschef Carlos Cuerpo pries De Cos als Bewerber mit "besonnener Hand und inspirierender Führung". Mit Klaas Knot schicken auch die Niederlande einen früheren Zentralbankchef an den Start, der über viel Erfahrung im geldpolitischen Metier verfügt. Damit läuft es auf einen Zweikampf zwischen diesen beiden Kandidaten hinaus - ein Personal-Duell, über das bereits seit längerem spekuliert wurde.

Ein Deutscher hatte noch nie den Chefposten bei der Europäischen Zentralbank inne, die in Frankfurt ihren Sitz hat. Doch dürfte Deutschland als größte Volkswirtschaft im Euroraum bei der anstehenden Besetzung von frei werdenden Posten im Direktorium der EZB auf jeden Fall zum Zuge kommen. Zudem ist mit Ursula von der Leyen derzeit eine Deutsche Kommissionspräsidentin und Berlin besetzt bereits einen der beiden Top-Positionen in Europa.

Bei den europäischen Beratungen der nächsten Wochen und Monate gebe es viele Gelegenheiten, "ein Tableau" aufzusetzen, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin: "Und daran wird sich die Bundesregierung beteiligen", fügte er hinzu. Amtsinhaberin Lagarde wird ihr Amt Anfang Februar vorzeitig niederlegen. Die Finanzminister der Euro-Staaten wollen die Kandidaturen für die Nachfolge der Französin bei einem Treffen am Montag sichten. Der kommende EZB-Präsident wird von den EU-Ländern auf Grundlage einer Empfehlung der Euro-Staaten ernannt. Für die Entscheidung wird laut Insidern das Gipfeltreffen am 17. und 18. Dezember angepeilt.

Lagardes Rückzug bietet den europäischen Staats- und Regierungschefs die Möglichkeit, noch vor der Wahl in Frankreich im Frühjahr die Nachfolge an der EZB-Spitze zu regeln. Zudem ebnet dies den Weg für eine Paketlösung, die auch nächstes Jahr frei werdende Führungsposten umfasst - so die Nachfolge der deutschen EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die Anfang Januar 2027 zum Internationalen Währungsfonds wechselt. 2027 wird auch die Stelle des Chefvolkswirts frei, sodass eine Gesamtlösung naheliegt. Die Amtszeit des Iren Philip Lane als EZB-Chefvolkswirt endet am 31. Mai. Mit Jürgen Stark (2006 bis 2011) und Otmar Issing (1998 bis 2006) hatte Deutschland in der Historie der im Juni 1998 gegründeten EZB bereits zwei Mal diesen einflussreichen Posten besetzt.

Quelle: ntv.de, jwu/rts