Mega-Fusion im AnmarschMusks Tech-Imperium für Erde und All rückt immer näher
Von Juliane Kipper
Aus zwei Tech-Giganten soll ein beispielloser Superkonzern entstehen: Die Fusion von Tesla und SpaceX würde autonome Mobilität, Raumfahrt und KI unter einem Dach bündeln. Elon Musks Vision nimmt konkrete Formen an.
Analysten spekulieren schon länger über eine mögliche Fusion des Autobauers Tesla mit der Weltraumfirma SpaceX. Bisher ist Elon Musk Fragen dazu ausgewichen. In einer Videokonferenz zu den Quartalszahlen von SpaceX verkündet der Tech-Milliardär jetzt aber einen ersten Schritt in diese Richtung: Beide Unternehmen hätten auf Wunsch von Aktionären spezielle Ausschüsse gebildet, um einen entsprechenden Schritt zu prüfen. Da er selbst in einem Interessenkonflikt stehe, könne er an den Gesprächen der aus unabhängigen Direktoren bestehenden Gremien nicht teilnehmen.
Musk findet einen Zusammenschluss zwar "eine gute Idee", schränkt aber auch ein: Es wäre "übertrieben" zu sagen, dass es "mit Sicherheit" dazu kommen werde. Tech-Investor Thomas Rappold hält einen Zusammenschluss bis 2027 im Gespräch mit ntv durchaus für realistisch. Nach seinem Rückzug aus dem politischen Tagesgeschäft könne Musk sich jetzt wieder vollkommen auf seine Unternehmen konzentrieren. Beide hingen maßgeblich von ihm ab: "Er ist Kopf, Hirn und Seele von Tesla und SpaceX."
Musk ist außerdem Großaktionär beider Firmen. Der Tech-Milliardär ist der reichste Mensch der Welt und besitzt knapp ein Fünftel von Tesla sowie knapp die Hälfte von SpaceX. Musk betont schon lange, dass er mehr Einfluss bei Tesla benötigt, um seine Strategie in den Bereichen KI und Robotik voranzutreiben. Analysten zufolge würde ihm eine Fusion die Kontrolle über das kombinierte Unternehmen sichern, die er bei Tesla momentan nicht hat.
"Ich gehe davon aus, dass die Aktionäre beider Seiten einem Zusammenschluss überwiegend positiv gegenüberstehen würden", sagt Rappold ntv. Ein solcher Deal würde einen der weltweit größten kommerziellen Raketenbetreiber, Satelliten-Internet-Anbieter und Elektroauto-Hersteller unter einem Dach vereinen. SpaceX ist an der Börse aktuell mehr als 1,9 Billionen Dollar wert und Tesla rund 1,48 Billionen Dollar. Es wäre damit die bisher gewichtigste Fusion zweier Firmen.
"Full-Stack-Anbieter" würde entstehen
Durch eine Fusion entstünde Rappold zufolge ein dominierender sogenannter Full-Stack-Anbieter für moderne Technologie und Mobilität. Also ein Anbieter, der die gesamte Wertschöpfungskette eines Produkts aus einer Hand abdeckt. "Sein Ziel ist es, mit einem integrierten Konzern die physische KI in der Mobilität zu repräsentieren – auf der Straße, im All und vollumfänglich KI-gestützt", skizziert Rappold die Vision von Musk. Dahinter stünde das langfristige Bestreben, neues planetares Leben auf dem Mond oder dem Mars zu etablieren.
"Genau dort liegen künftig die enormen Reichtümer. Sei es durch Rohstoffförderung oder durch Rechenzentren im All." Die Strategie von Musk ziele darauf ab, diese Ressourcen außerhalb der Erde nutzbar zu machen und nahezu zu monopolisieren. "Genau dieses immense Potenzial sehen auch viele Aktionäre", ist sich Rappold sicher.
Auch Gene Munster ist überzeugt, dass die Aktionäre eine Fusion unterstützen würden. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Unternehmen innerhalb der nächsten zwei Jahre fusionieren, sieht er bei 95 Prozent, schreibt der geschäftsführende Gesellschafter bei Deepwater Asset Management in einem Post auf X. Ihm zufolge steht es außer Frage, dass Musk eine Fusion schon möglichst bald will. "Er versucht, die Leute dafür zu begeistern und die Euphorie weiter anzuheizen", zitiert ihn das Finanzportal "Bloomberg". Das Ziel dahinter: Eine Fusion von Tesla und SpaceX würde es Musk Analysten zufolge erlauben, seine KI-Strategie ganz nach seinen Vorstellungen umzusetzen.
Ein fusioniertes Unternehmen würde auch die Entscheidungsfindung vereinfachen. Projekte, die heute schon beide Firmen umfassen, benötigen noch die Zustimmung getrennter Gremien. Ein gemeinsames Management hätte mehr Freiheit, Kapital und Talente dort einzusetzen, wo es die größten Chancen sieht.
Während Befürworter argumentieren, das kombinierte Unternehmen könne Kapital effizienter einsetzen, argumentieren Kritiker: Investoren setzen sich so einem weitaus breiteren Spektrum an technischen und regulatorischen Risiken aus.
Die größten Hürden für den Zusammenschluss sind geopolitischer und regulatorischer Natur: Die Verflechtung von SpaceX mit dem US-Militär und Teslas China-Abhängigkeit könnten eine scharfe Prüfung durch US- und chinesische Behörden zur Folge haben.
Schließlich bleibt das Umsetzungsrisiko: Starship-Raketen, Robotaxis, humanoide Roboter und KI-Rechenzentren sind allesamt extrem teure und technisch anspruchsvolle Wetten. Eine Fusion von Tesla und SpaceX würde diese Risiken nicht verringern.
