Wirtschaft

Dino-Investor Angermayer"Keine meiner Wohnungen bot ausreichend Platz für das Dinosaurierskelett"

31.10.2026, 09:03 Uhr IMG_4708Interview: Juliane Kipper
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Der deutsche Investor Christian Angermayer (Foto: IMAGN IMAGES via Reuters Connect)

Christian Angermayer investiert unter anderem in psychedelische Wirkstoffe und Firmen, die das Altern aufhalten wollen. Der Selfmade-Milliardär steckt sein Geld auch in Dinosaurier. Im Interview mit ntv erklärt er, was Dino-Ausgrabungen und Startups gemeinsam haben. 

ntv.de: Ihr Dinosaurierskelett "Jodi" wurde bei Sotheby's für rund 47,3 Millionen US-Dollar versteigert. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Summe gehört haben?

Christian Angermayer: Ich war live im Auktionssaal dabei, und natürlich war das am Ende ein ziemlich unglaublicher Moment. Andererseits war ich immer davon überzeugt, dass außergewöhnliche Dinosaurierfossilien deutlich mehr wert sind, als viele Menschen bisher angenommen haben. Lange Zeit wurde ich dafür belächelt. Jetzt habe ich recht bekommen.

Der ursprünglich geschätzte Verkaufspreis lag bei sechs bis neun Millionen Dollar. Hätten Sie mit einem derart hohen Erlös gerechnet?

Ich hatte auf jeden Fall damit gerechnet, dass der tatsächliche Preis am Ende deutlich über dem Schätzpreis liegen würde. Bei Auktionen ist der Schätzpreis häufig bewusst niedrig angesetzt, um möglichst viele Bieter anzuziehen und einen Wettbewerb in Gang zu setzen. Hinzu kommt, dass sich der Markt für hochwertige Dinosaurierfossilien noch in einer relativ frühen Entwicklungsphase befindet. Auktionen wie diese sind deshalb entscheidend, um überhaupt belastbare Preisreferenzen zu schaffen. Sie zeigen, was außergewöhnliche Exemplare tatsächlich wert sein können, wenn sie auf eine entsprechende Nachfrage treffen.

Was hat Sie eigentlich "Jodi" gekostet?

Ich habe die Ausgrabung von "Jodi" finanziert. Dabei gehe ich an Dinosaurierfossilien ganz ähnlich heran wie an mein Kerngeschäft, also Investitionen in Technologie- und Biotech-Unternehmen. Man könnte das Ganze durchaus als "Dinosaurier-Venture-Capital" bezeichnen: Ich finanziere die Suche nach außergewöhnlichen Exemplaren, ohne vorher genau zu wissen, was am Ende dabei herauskommt. Natürlich habe ich deshalb deutlich weniger investiert, als "Jodi" bei der Auktion letztlich eingebracht hat. Die genauen Zahlen sind allerdings vertraulich.

Sechs Interessenten haben sich rund zwölf Minuten lang gegenseitig überboten. Was sagt dieser Bieterwettstreit über den heutigen Markt für Dinosaurierfossilien aus?

Dass der Markt stark wächst und wir vermutlich erst am Anfang seiner Entwicklung stehen.

Was hat "Jodi" aus Ihrer Sicht besonders wertvoll gemacht - die wissenschaftliche Seltenheit, der Erhaltungszustand oder die Nachfrage vermögender Sammler?

"Jodi" ist in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnliches Exemplar. Zum einen hat sie wesentlich zur wissenschaftlichen Debatte um Nanotyrannus und dessen Einordnung als eigenständige Gattung beigetragen. Das macht sie nicht nur für Sammler, sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht besonders interessant. Zum anderen ist sie außergewöhnlich vollständig erhalten, insbesondere im Bereich des Schädels.

Und natürlich spielt auch die generelle Faszination eine Rolle, die von solchen Tieren ausgeht. Bei Dinosauriern interessieren sich Menschen besonders für die Apex Predators, also die größten Raubtiere ihrer Zeit. Ein außergewöhnlich gut erhaltenes Skelett eines solchen Tieres vereint wissenschaftliche Bedeutung, Seltenheit und eine enorme emotionale Anziehungskraft.

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Angermayer investiert seit Jahren in Ausgrabungen. Im Sommer verkaufte er die von ihm gegründete Psychedelika-Firma AtaiBeckley an den US-Pharmariesen Eli Lilly. (Foto: Christian Angermayer / Apeiron Investment Group)

Welche persönliche Bedeutung hat dieser Verkauf für Sie, abgesehen vom finanziellen Ergebnis?

Ich bin stolz darauf, mit "Jodi" einen Beitrag zur wissenschaftlichen Debatte über T. Rex versus Nanotyrannus geleistet zu haben. Das ist für mich mindestens genauso wertvoll wie das finanzielle Ergebnis.

Erinnern Sie sich an den Moment, in dem Sie "Jodi" zum ersten Mal gesehen haben? Was hat Sie an diesem Exemplar besonders beeindruckt?

Ihre kompakte Schönheit. "Jodi" hat eine ganz besondere Ästhetik. Sie ist ein Apex Predator, aber zugleich wirkt ihr Skelett unglaublich elegant und harmonisch.

Welche konkreten Kriterien muss ein Fossil erfüllen, damit es für Sie als Investition infrage kommt? Und welche Risiken könnten den Wert einer solchen Investition mindern?

Das ist bei unserem Ansatz schwer pauschal zu beantworten, weil wir vor allem Ausgrabungen finanzieren. Wir wissen also häufig noch gar nicht genau, was wir am Ende finden werden. Das ist durchaus vergleichbar mit Venture Capital: Man investiert früh, übernimmt Risiken und hofft, auf etwas Außergewöhnliches zu stoßen.

Warum haben Sie sich entschieden, "Jodi" gerade jetzt zu verkaufen? War es vor allem die Chance, den aktuellen Hype zu nutzen, oder folgte der Verkauf einer langfristigen Exit-Strategie?

Natürlich war mir bewusst, dass sich eine außergewöhnliche Gelegenheit bot, dieses Exemplar bei Sotheby's einem internationalen Publikum zu präsentieren. Aber am Ende war es tatsächlich eine ganz banale Entscheidung: Keine meiner Wohnungen bot ausreichend Platz für "Jodi".

Ist es Ihnen schwergefallen, sich von einem so außergewöhnlichen Stück zu trennen?

Ja, natürlich. Wenn man ein solches Exemplar über längere Zeit besitzt, entwickelt man eine persönliche Beziehung dazu. Aber ich habe glücklicherweise noch viele andere außergewöhnliche Dinosaurier in meiner Sammlung.

Wie entstand Ihr persönliches Interesse daran, in paläontologische Grabungen zu investieren?

Dinosaurier gehören zu den wenigen Themen, die Menschen nahezu jeden Alters und unabhängig von ihrer Herkunft faszinieren. Als Kind ist man von ihnen begeistert und als Erwachsener verliert man diese Faszination oft nicht. Gleichzeitig verbinden Dinosaurier Wissenschaft, Geschichte, Natur und eine gewisse Urgewalt auf eine Weise, die nur wenige andere Themen erreichen.

Mich reizt außerdem, dass man durch die Finanzierung von Ausgrabungen nicht nur außergewöhnliche, potenziell sehr wertvolle Objekte entdecken kann, sondern möglicherweise auch einen Beitrag zur Wissenschaft leistet. Das verbindet meine Leidenschaft für Dinosaurier mit meiner unternehmerischen Tätigkeit als Gründer und Investor.

Wo haben Sie "Jodi" bis zum Verkauf eigentlich aufbewahrt?

In einer spezialisierten Lagerhalle für solche außergewöhnlichen Objekte. Ein Dinosaurierskelett dieser Größe und Bedeutung lässt sich schließlich nicht einfach irgendwo unterbringen. Dafür braucht es geeignete Räumlichkeiten und eine professionelle Lagerung.

Sie bezeichnen Dinosaurierskelette als eine noch unterschätzte Anlageklasse. Wie begründen Sie diese Einschätzung im Vergleich zu Aktien, Gold oder Immobilien?

Ich treffe fast jeden Tag Menschen, die sich ein Dinosaurierskelett in einer ähnlichen Preisklasse wie "Jodi" durchaus leisten könnten, aber überhaupt nicht wissen, dass man solche Fossilien als Privatperson erwerben und besitzen kann. Wenn ich ihnen davon erzähle oder sie bei mir zu Hause einige meiner Fossilien sehen, bemerke ich häufig diesen besonderen Glanz in ihren Augen. Sie sind fasziniert und können sich plötzlich vorstellen, selbst ein solches Stück zu besitzen.

Das zeigt mir, dass der Markt noch ganz am Anfang steht. Aktien, Gold und Immobilien sind etablierte Anlageklassen, die jeder kennt. Bei Dinosaurierfossilien ist das völlig anders. Dabei vereinen außergewöhnliche Exemplare etwas, das nur wenige andere Anlageobjekte bieten: wissenschaftliche Bedeutung, extreme Seltenheit, ästhetischen Reiz und einen enormen emotionalen Wert. Ich glaube deshalb, dass dieser Markt noch erhebliches Entwicklungspotenzial hat.

Welche Risiken bestehen bei solchen Investitionen?

Zunächst einmal muss man klar sagen, dass Dinosaurierfossilien keine typische Anlage für Privatanleger sind. Und ich würde eine solche Investition niemals ausschließlich aus Renditeüberlegungen tätigen. Wie bei Kunst sollte der wichtigste Antrieb sein, dass man ein solches Objekt wirklich besitzen möchte und Freude daran hat. Hinzu kommen natürlich Risiken: Der Markt ist vergleichsweise klein, die Liquidität begrenzt und es lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen, wann und zu welchem Preis sich ein Exemplar wieder verkaufen lässt. Auch wissenschaftliche Neubewertungen können eine Rolle spielen. Mein Ansatz wäre deshalb: Man sollte ein solches Fossil in erster Linie aus Leidenschaft kaufen. Wenn es sich langfristig zusätzlich als gute Geldanlage erweist, umso besser.

Museen und Universitäten können bei Preisen in Millionenhöhe häufig nicht mithalten. Kritiker befürchten, dass seltene Fossilien durch private Verkäufe der Forschung und der Öffentlichkeit entzogen werden. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Nein, überhaupt nicht. Ich glaube an den Kapitalismus. Eine seiner größten Stärken ist, dass er über Preissignale und wirtschaftliche Anreize eine effiziente Allokation von Ressourcen ermöglicht. Wenn außergewöhnliche Fossilien hohe Preise erzielen, schafft das einen zusätzlichen Anreiz, weitere Ausgrabungen zu finanzieren. Und mehr Ausgrabungen bedeuten grundsätzlich auch mehr Möglichkeiten für wissenschaftliche Entdeckungen.

Im Übrigen gibt es weltweit zahlreiche Fossilien auf staatlichem Grund, die gar nicht ausgegraben werden, weil entweder das Geld fehlt, die bürokratischen Hürden zu hoch sind oder beides zusammenkommt. Hier liegt das eigentliche Problem: Nicht jedes Fossil, das wissenschaftlich interessant wäre, wird auch tatsächlich entdeckt und geborgen. Ich finde deshalb, dass Kritiker ihre Zeit und Energie lieber darauf verwenden sollten, solche Missstände zu beheben, statt den privaten Markt infrage zu stellen. Private Sammler können einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Ausgrabungen finanzieren, Entdeckungen ermöglichen und damit überhaupt erst die Voraussetzungen für neue wissenschaftliche Erkenntnisse schaffen.

Wie wird sich der Markt für Dinosaurierskelette Ihrer Einschätzung nach in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln?

Ich gehe davon aus, dass sich der Markt weiter nach oben entwickeln wird. Die Bekanntheit dieser Anlageklasse nimmt zu und immer mehr vermögende Sammler entdecken die Faszination solcher Objekte. Gleichzeitig ist das Angebot an wirklich außergewöhnlichen Exemplaren naturgemäß begrenzt.

Erwarten Sie, dass künftig verstärkt institutionelle Anleger oder große Vermögensverwalter in diese Anlageklasse einsteigen?

Ich glaube, dafür ist der Markt zu klein und zu individuell. Dinosaurierfossilien eignen sich meiner Meinung nach nicht für große institutionelle Investmentstrategien. Ich kann mir allerdings sehr gut vorstellen, dass sie zu einer der begehrtesten Kategorien für große private Sammler werden. Wer bereits Kunst, seltene Uhren oder andere außergewöhnliche Sammlerstücke besitzt, könnte irgendwann feststellen, dass ein Dinosaurierskelett eine ganz andere Dimension der Faszination bietet. Ein solches Objekt ist nicht nur selten, sondern stammt aus einer Welt, die vor Millionen von Jahren existierte. Diese Kombination ist einzigartig.

Quelle: ntv.de