Wirtschaft

496.000 Industriejobs schon wegIfo-Institut diagnostiziert "verschärften Strukturwandel"

19.10.2026, 16:22 Uhr
00:00 / 03:20
316886333
Allein die Autoindustrie und ihre Zulieferer haben in den vergangenen Jahren rund 123.500 Stellen abgebaut. (Foto: picture alliance/dpa)

Deutschlands einstige Vorzeigeindustrien verlieren rasant an Boden. Neue Jobs entstehen vor allem in der Gesundheitsbranche sowie in der öffentlichen Verwaltung. Damit schrumpfe das Wachstumspotenzial, warnt das Ifo-Institut.

Die Industrieunternehmen in Deutschland haben einer Studie zufolge seit 2019 fast eine halbe Million Arbeitsplätze abgebaut - vor allem in traditionell wichtigen Branchen wie der Automobilindustrie. Ende 2025 arbeiteten in der deutschen Industrie 7,1 Prozent beziehungsweise 496.000 Menschen weniger als zu Beginn des Jahres 2019, wie die Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts analysierte. Neue Stellen entstanden demnach vor allem im Dienstleistungssektor.

"In fast allen Industriebranchen schrumpft die Beschäftigung, was eine Folge abnehmender Wettbewerbsfähigkeit insbesondere gegenüber China sein dürfte", erklärte der stellvertretende Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden, Joachim Ragnitz. "Besonders hart trifft es die traditionellen deutschen Kernbranchen, wie Autoindustrie und Maschinenbau."

Den Angaben nach strichen die Autoindustrie und ihre Zulieferer 123.500 Stellen, Hersteller von Metallerzeugnissen 115.600 Stellen. Die Maschinenbauunternehmen bauten 64.500 Arbeitsplätze ab. Allein diese drei Branchen machten 60 Prozent des Stellenabbaus aus, erklärte Ragnitz.

Der Dienstleistungssektor legte laut Ifo-Institut hingegen kräftig um 2,2 Millionen Stellen zu. Im Gesundheitswesen entstanden demnach 391.000 neue Arbeitsplätze, im Sozialwesen samt Pflegeheimen 357.000 Stellen. Ringnatz begründete dies vor allem mit der alternden Bevölkerung. In der öffentlichen Verwaltung wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um 329.000 - dies lag der Studie zufolge allerdings teils daran, dass Stellen von ausscheidenden Beamten mit Angestellten neu besetzt wurden.

Ringnatz sprach von einem "verschärften Strukturwandel" in Deutschland. "Ausgerechnet die Branchen schrumpfen, die bisher unseren Wohlstand getragen haben", erklärte er. "Die neuen Jobs entstehen meist nicht dort, wo Deutschland besonders produktiv und innovativ ist. Das kann unser Wachstumspotenzial künftig bremsen." Das Wachstumspotenzial beschreibt die maximale wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die eine Volkswirtschaft unter optimalen Bedingungen in der Zukunft erreichen kann.

Die Studie vergleicht die Stichtage 31. Dezember 2018 und 31. Dezember 2025. Das Ifo-Institut gründet die Berechnungen auf der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA), die alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erfasst. Selbstständige, Beamte und Minijobber sind nicht in der BA-Statistik erfasst.

Quelle: ntv.de, bho/AFP

AutoindustrieGesundheitswirtschaftÖffentlicher DienstStellenabbauWirtschaftskriseIndustrieWachstumMaschinenbauIfo-Institut