Wirtschaft

"Toxische" ArbeitssituationenBetriebsrat beklagt Missstände bei Biontech

03.11.2026, 20:25 Uhr
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Biontech schließt in den kommenden Jahren mehrere Produktionsstandorte und steht vor einigen Umstrukturierungen. (Foto: dpa)

Mitten in einer großen Umbruchphase sorgt ein Betriebsrat-Brief bei Biontech für Unruhe. Die Arbeitnehmervertreter berichten von "toxischen Arbeitsplatzsituationen" und Beschäftigten, die sich mit ihren Sorgen alleingelassen fühlen. Die Geschäftsführung reagiert.

In einem Brief an den Vorstand hat der Betriebsrat von Biontech den Umgang mit Mitarbeitenden und das Verhalten der Unternehmensführung in der laufenden Transformation kritisiert. In dem Schreiben ist unter anderem die Rede von konkreten Meldungen zu Sexismus, Rassismus, Diskriminierung und Drohungen. Das Unternehmen teilte mit, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen.

In dem Schreiben heißt es weiter, Mitarbeitende seien aufgrund von Umstrukturierungen und der angekündigten Schließung von Standorten verunsichert, fühlten sich dadurch belastet. Beschäftigte hätten dem Betriebsrat von Zukunfts- und Arbeitsplatzängsten berichtet, fühlten sich mit Sorgen alleingelassen. In einzelnen Bereichen nähmen Beschäftigte einen Stillstand bei Entscheidungen wahr. Auch ist die Rede von "toxischen Arbeitsplatzsituationen". In dem am Montag zugestellten Brief wird der Vorstand aufgefordert, zeitnah für Klarheit und Verlässlichkeit zu sorgen.

Biontech teilte mit, es sei nun wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen und Gerüchte von gesicherten Fakten zu unterscheiden. Das Unternehmen suche vorrangig den Dialog mit der Arbeitnehmervertretung. Biontech toleriere weder Vergeltungsmaßnahmen gegen Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber noch Diskriminierung, Sexismus, Rassismus oder Drohungen. Sobald es wesentliche Entwicklungen des Unternehmens gebe, würden diese über die geeigneten Kanäle mitgeteilt. "Von einem Stillstand im operativen Geschäft kann jedoch keine Rede sein", betonte das Unternehmen.

Für das mit seinem Covid-19-Impfstoff in der Corona-Pandemie bekannt und reich gewordene Mainzer Unternehmen ist 2026 ein durchaus bewegtes Jahr: In diesem schrieb Biontech vor allem aufgrund hoher Ausgaben für die Entwicklung neuer Produkte etwa in der Onkologie rote Zahlen und kündigte an, die Standorte Tübingen Ende 2027, Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028 zu schließen.

Außerdem werden die Mitbegründer, das Ehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci, bis spätestens Ende dieses Jahres ausscheiden und in einem neuen Unternehmen namens Arife tätig werden. Der Nachfolger für Şahin ist gefunden: Spätestens zum 1. Februar 2027 wird Guido Oelkers Vorstandsvorsitzender. Er kommt von dem schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi). Wer auf Türeci, die medizinische Vorständin ist, folgt, ist noch nicht klar.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa

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