Prüfung von Kampfjet-ProjektPistorius skeptisch zu neuen Ukraine-Gesprächen

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat sich skeptisch zu einem geplanten Dreiertreffen zwischen den USA, Russland und der Ukraine geäußert und hegt keine großen Erwartungen.
Im vergangenen Jahr sei bei jeder Art von Verhandlungen, egal wo auf der Welt, nichts herausgekommen außer noch schwereren Bombardierungen der Ukraine, sagte Pistorius am Montag in Berlin bei einem Treffen mit seinem britischen Kollegen Wes Streeting. Ein dauerhafter Frieden in Europa sei zudem ohne die Europäer am Verhandlungstisch nicht möglich. Streeting betonte, es könne keine Entscheidung über die Ukraine ohne die Ukraine geben. Noch im November soll es Gespräche voraussichtlich in Abu Dhabi zwischen Russland, der Ukraine und den USA geben.
Pistorius und Streeting betonten die enge Militär-Kooperation zwischen den Staaten, um Europa zu schützen und die Ukraine zu stützen. Ein Thema war so auch die mögliche deutsche Beteiligung am geplanten Kampfjet der nächsten Generation, einem Nachfolger für den Eurofighter, den Großbritannien, Italien und Japan gemeinsam entwickeln wollen. Deutschland und Frankreich verfolgen wegen Streitigkeiten der beteiligten Unternehmen ihr gemeinsames Kampfjet-Projekt nicht weiter.
Mit Blick auf das "Global Combat Air Programme" (GCAP) genannte Kampfjet-Vorhaben erklärte Pistorius, man wolle nun sehr schnell klären, ob die drei Partner bereit seien, Deutschland aufzunehmen und unter welchen Bedingungen dies geschehen könne. Er kündigte für die nächsten ein bis zwei Wochen Gespräche mit seinen Kollegen aus Italien und Japan an. Pistorius betonte den Zeitdruck. Die drei Partner hätten fünf Jahre verhandelt, um den jetzigen Vertragsstatus zu erreichen. Es dürften nun nicht weitere fünf Jahre vergehen, bis man sich zu viert einige. Der Jet müsse Anfang der 2040er Jahre zur Verfügung stehen. Streeting sagte, man sei offen für eine deutsche Teilnahme, betonte jedoch, dass eine Entscheidung gemeinsam mit Italien und Japan getroffen werden müsse.
Pistorius hob zudem die enge militärische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Großbritannien hervor, die weiter vertieft werden solle. So entwickelten beide Länder gemeinsam Mittelstrecken-Raketen mit größerer Reichweite (Deep Precision Strike). Bei den Systemen Eurofighter, dem Transportflugzeug A400M, dem Hubschrauber Chinook und dem Kampfjet F-35 werde die Kooperation vertieft. Im Heer arbeite man bei der Radhaubitze RCH 155 sowie bei verschiedenen Brückensystemen zusammen. Auf See sei die Kooperation ebenfalls eng, etwa beim Seefernaufklärer P-8A. Als neues "Leuchtturmprojekt" nannte Pistorius die Zusammenarbeit im Weltraum, etwa bei der Überwachung, der Erdbeobachtung und der Satellitenkommunikation.