Saug- und Wischroboter im TestDreame Aqua 20 Pro getestet: Was kann die smarte Dampfmaschine?

1.500 Euro UVP, 180 Grad heißer Dampf, ausfahrbare Wischwalze und KI-Schmutzerkennung? Das Flaggschiff-Modell von Dreame muss im Praxistest beweisen, wie gut es wirklich ist.
Worauf schauen Kunden, wenn es um die Anschaffung eines neuen Saug- und Wischroboters geht? Natürlich auf die Saug- und Putzleistung und darauf, wie selbstständig, schnell und clever sich der Haushaltshelfer in den vier Wänden zurechtfindet. Auch auf die Qualität der App, den Geräuschpegel, die Akku-Laufzeit und die Station kommt es an – kann sich der Robo eigenständig entleeren und reinigen oder muss man noch selbst anpacken? Je nach Lebenssituation und Haushalt sind weitere Features wichtig: Verheddern sich lange Haare in der Bürste, passt der Flitzer unter die Möbel, überklimmt er Türschwellen problemlos, fährt er sich unter Stühlen fest – und wie sieht es mit der Hygiene und dem Umgang mit Tierhaaren aus?
Dreame Aqua20 Pro Ultra: Produktinfos im Überblick
Reinigungsmethoden: Saugen, Wischen
Geeignet für: Hartboden, Teppichboden
Saugkraft: 40.000 Pa
Akku: 6.400 mAh
Gewicht und Maße Roboter: 6,2 kg, 9,75 cm Höhe, 35 cm Durchmesser
Maße der Basisstation: 42 × 44 × 50 cm (B × T × H)
Tanks: 4 l Frischwasser & 3,5 l Schmutzwasser (Station), 135 ml Frischwasser & 110 ml Schmutzwasser (Roboter)
Besonderheiten: 180 Grad heißer Dampf, Selbstreinigung, Absturzsensor, KI-Hinderniserkennung, seitlich ausfahrbare Wischwalze, LDS-Lasernavigation (LiDAR) im VersaLift-Turm, OmniSight-4.0-Kameras mit Haustiererkennung, Stufenüberwindung bis 5 cm
Hinweis: Die Preise sind volatil und die Händler passen bisweilen auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) an. Sollten sich die Preise von den hier angegebenen unterscheiden, haben die Händler sie nach Veröffentlichung des Artikels geändert.
Kurzfazit für alle, die es eilig haben:
Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich Dreame bei der Kommunikation rund um den Aqua20 Pro verhoben hat. Dampf, Dampf und nochmal Dampf steht im Fokus. Das ist einerseits verständlich, weil man das besondere Feature des Aqua20 Pro bewerben möchte, das den hohen Preis rechtfertigen soll. Doch leider ist gerade der Dampfmodus in seinem jetzigen Funktionsumfang kein dicker Pluspunkt und lenkt dadurch von einem ansonsten sehr runden Saugroboter-Paket ab. Der Aqua20 Pro bringt eine starke Akku-Laufzeit mit, wischt auch ohne Dampf blitzblank und saugt im Praxisbetrieb den allermeisten Testschmutz auf. Die App bietet zahlreiche Funktionen, das Klettern über Türschwellen klappt sehr gut – generell ist die Navigation des Saugroboters sogar hervorragend. Er kartographiert akkurat, fährt sich kein einziges Mal fest, säubert artig in den Ecken, nimmt Rücksicht auf Haustiere und wählt nachvollziehbare Routen.
Abzüge gibt es in der B-Note für den relativ kleinen Frischwassertank im Roboter, die bei starker Verschmutzung der Wischrolle nicht ausreichende Reinigung in der Station und die Tatsache, dass die Wischwalze seitlich weniger weit aus dem Gerät fährt, als es das Werbeversprechen des Herstellers suggeriert.
Das gilt leider auch für den Dampf: Zum einen kommt auf dem Boden kaum heißer Dampf an, zum anderen geht die seitliche Ausfahrbarkeit der Walze nicht, wenn Dampf aktiviert ist. Obendrein kann man das Dampfreinigen nicht in die normale Saug- und Wischroutine integrieren, sondern muss den Modus einzeln in der App starten und jedes Mal einen Bereich dafür auswählen, der dann auch noch maximal neun Quadratmeter groß ist. Unterm Strich ist der Dream Aqua20 Pro also "nur" ein sehr sauber arbeitender Saug- und Wischroboter mit Top-Navigation – und (noch) nicht das erhoffte Dampfwunder.
Ein Saugroboter, viele Features im Test
Hersteller können viel behaupten, doch um herauszufinden, wie gut der Saug- und Wischrobo die obige Wunschliste potenzieller Kundinnen und Kunden erfüllt, haben wir den Dreame Aqua20 Pro Ultra Roller X Complete – so lautet die vollständige Modellbezeichnung – einem ausführlichen Praxistest unterzogen. Und das in einem zweistöckigen Einfamilienhaus mit Holzdielen im Wohnbereich, mehreren Teppichen, Steingutfliesen im Badezimmer, Parkett im Flur sowie einer gefliesten Waschküche. Tierhaare? Kein Problem, denn im Haushalt leben nicht nur Menschen, sondern auch mehrere Katzen.
Das ermöglicht einen echten Check im Alltag: Denn dadurch sind nicht immer alle Türen offen und auch die Waschküche muss über zwei Treppenstufen erreicht werden. Tropft der teure Saugroboter, wenn man ihn hochhebt und herumträgt? Wir haben es ausprobiert. Außerdem gibt es vier Zentimeter hohe Schwellen zwischen Flur und Wohnzimmer und natürlich jede Menge Mobiliar, das dem Dreame die Navigation erschwert. Los geht’s!
Lieferumfang des Dreame Aqua20 Pro Ultra Roller X Complete
Im großen Karton stecken nicht nur unser weißer Dreame-Roboter – es gibt das Modell übrigens auch in Schwarz – und die farblich passende Basisstation, sondern auch ein Schwung Zubehör: Neben einem hilfreichen Quickstart-Guide auf Papier sind das zwei Ersatz-Wischrollen, eine Ersatz-Seitenbürste, drei Staubbeutel, zwei Ersatz-Filter sowie ein Liter Dreame-Reinigungslösung. Nach dem Auspacken und Aufstellen der Basisstation stehen die Installation der Dreame-Home-App und das Pairing mit der Roboter-Einheit an. WLAN einrichten, Reinigungsmittel und Frischwasser in die Station, Robo davor absetzen – klappt super und ist im Nu erledigt.
Halt, fast erledigt: Wir wechseln noch die Sprache, geben die Erlaubnis, auf unsere Sprachkommandos zu hören, und starten mit der Vermessung von Wohnzimmer und Flur. Nach gut zehn Minuten ist das erledigt – und klappt sehr gut. Fast alle Elemente im Raum wurden zuverlässig erfasst und sind in der Karte zu sehen – keine Katze wird gerammt, kein Tischbein ramponiert, keine Türschwelle verkratzt. Spoiler: Auch in den vielen anderen Testsituationen und Saubermach-Fahrten in den folgenden Tagen hat sich der Dreame kein einziges Mal festgefahren. Highlight war die fast schon millimetergenaue Durchfahrt unter dem Metallgestell eines Drehstuhls (siehe Foto unten). Dafür wurde an anderer Stelle ein Fußabtreter durch den Flur geschubst oder eine am Boden liegende Laptop-Schutzhülle nicht als Hindernis erkannt und überfahren.
Saugen und Wischen im Check
Für den ersten Härtetest geht es in die Waschküche, wo durch den Übergang in den Garten immer viel Schmutz anfällt. Schuhabdrücke, kleine Bröckchen Erde und sogar ein bisschen Laub. All das wird vom Dreame zuverlässig aufgesaugt, auch in den Ecken bleiben kaum Krümel zurück. Als Nächstes wird er auf die mit Lebensmittelrückständen präparierten weißen Fliesen losgelassen: Dort haben wir Ketchup und eine Curry-Soße antrocknen lassen sowie Haselnusscreme und eine klebrig-krümelige Miso-Paste auf dem Boden verstrichen.
Der Aqua20 Pro besteht den Härtetest und entfernt im ersten Durchgang alle Flecken beinahe rückstandslos. Nach dem selbstständigen Wasserholen und Reinigen an der Station müssen wir ein bisschen nachhelfen: Speziell die klebrige Paste wurde bei der Selbstreinigung nicht komplett entfernt. Nach dem Fünf-Minuten-Intermezzo stand Durchgang zwei auf den Fliesen an, danach war der helle Untergrund wirklich komplett streifenfrei sauber. Dampfpower war hierfür nicht mal nötig.
Der Dreame Aqua20 Pro fährt beim Wischen an Ecken und Kanten seine Wischwalze regelmäßig seitlich aus – das hilft, um bis an die Wand zu kommen. Allerdings kann sich die Walze zwar die versprochenen acht Zentimeter verschieben, sie steht dann aber maximal vier Zentimeter seitlich aus dem Roboter heraus. Im Test in der Küche erreicht der Robo alle Stellen unter den aus der Küchenzeile ragenden Geräten, er kann aber eben keine acht Zentimeter breiten Streifen neben sich zusätzlich säubern. Der Aqua20 Pro ist 9,75 Zentimeter hoch, wenn er seinen Laserturm eingefahren hat. Das klappt zuverlässig automatisch und auch bereits während der Fahrt in Richtung eines niedrigen Hindernisses.
180 Grad heißer Dampf in einem Saug- und Wischroboter
Natürlich haben wir den neuen Dampfmodus auch getestet, ebenfalls auf den Fliesen, und zwar mit reichlich schmutzigen Fußabdrücken. Auch hier ist das Ergebnis so sauber wie erhofft, das überrascht aber nicht – weil ja schon der normale Wischvorgang der Drehwischwalze mit eingetrocknetem Schmutz fertig wird. Dafür fiel auf: Ist der Dampfmodus aktiviert, kann die Wischwalze nicht seitlich ausfahren. Hier scheint es so, als hätte der Hersteller das Feature nicht vollständig zu Ende gedacht.
Haushalten mit empfindlichen Böden muss übrigens angesichts des 180-Grad-Labels nicht bange werden: Das ist die Temperatur, mit der der Dampf auf die Walze kommt, und nicht die Hitze, die am Boden ankommt. Im Zweifelsfall sollte man das Feature aber natürlich an einer wenig exponierten Stelle ausprobieren oder vorab die Reinigungsspezifikationen seines Bodenbelags checken. Ein weiterer Haken an der innovativen Dampfreinigung: Der Dampfmodus lässt sich in der App nicht in die normalen Saug- und Wischroutinen einbauen. Man kann nicht sagen: "Reinige die gesamte Karte jetzt mit Dampfmodus". Stattdessen muss man die Dampffunktion explizit starten und dann bei jedem Mal vorab einen Bereich anwählen; dieser darf rund neun Quadratmeter groß sein.
Nutzerfreundlicher sind die App-Vorgaben rund um Teppiche: In der Dreame-App ist auswählbar, ob Teppich ganz ausgelassen oder nur gesaugt werden soll. Auch runde oder ovale Läufer umfährt der Robo zunächst brav und punktgenau im Wischmodus, um dann anschließend auf dem Teppich selbst die Krümel aufzusaugen.
Gute Leistung, aber kein Staubsaugerwunder
Apropos Saugen: Wir haben den Dreame natürlich erstmal auf regelmäßige Standardfahrten über Holzdielen und Laminat geschickt, inklusive circa vier Zentimeter hohe Metallschwelle zwischen Flur und Wohnzimmer. Normaler Staub, Katzenhaare, Krümel & Co. werden zuverlässig aufgesaugt; bei den Ecken oder Fahrten an Kanten entlang kommt eine kleine, rotierende Bürste zum Einsatz, die den Staub recht zuverlässig in Richtung der mittig platzierten Saugvorrichtung bugsiert. Nach dem Saugvorgang bleiben aber ein paar größere Schilfhalmstückchen über – wie gesagt, es ist ein Katzenhaushalt...
Danach bauen wir einen speziellen Testparcour mit Reis, Semmelbröseln, Haaren und kleinen Küchenrollen-Fetzen auf den Holzdielen. Der Dreame saugt den größten Teil davon brav auf, allerdings kegelt die rotierende Bürste einige Reiskörner durch die Gegend – und zwar in einen Bereich der davor schon gereinigt wurde. Das sollte im Optimalfall nicht passieren. Spitze ist, dass auch nach mehrere Reinigungsfahrten keine langen Haare in der Bürsteneinheit verheddert sind – und das obwohl zwei Personen mit mehr als schulterlangem Haar im Haus leben. In dieser Disziplin schneidet der Dreame ausgesprochen gut ab.
Nach der Reinigung – in der App kann man übrigens die Saugleistung einstellen, dementsprechend arbeitet der Robo entweder ziemlich leise oder deutlich hörbar – fährt der Dreame selbstständig zur Station und entleert sich. Das ist dann deutlich lauter, aber in wenigen Sekunden erledigt. In der Station landen Staub und Schmutz in einem Staubbeutel, der gelegentlich von Hand getauscht werden muss. Über den jeweiligen Stand des Reinigungsvorgangs informiert die App, aber auch der Robo selbst kann sich per Sprachkommando mitteilen, dass zum Beispiel ein Reinigungsvorgang beendet wurde. Praktisch ist auch, dass er nach dem Auftanken mit neuem Frischwasser an exakt der Stelle weitermacht, an der er das Putzen zuvor unterbrochen hat.
Dreame Aqua20 Pro: Stockwerke, Haustiere, Karten und Akku-Laufzeit
Ein paar spannende Punkte beim Dreame Aqua20 Pro Ultra Roller X Complete möchten wir noch ansprechen: Wer das Gerät in einem mehrstöckigen Haushalt nutzt, der kommt natürlich nicht umhin, den Robo mal in ein anderes Stockwerk zu tragen – schließlich verbleibt die Basisstation an Ort und Stelle. Setzt man den Dreame in einem Stockwerk (oder geschlossenen Raum) ab, das er noch nicht kennt, wird das natürlich erstmal erfasst. Anschließend sieht man die verschiedenen Karten in der App, kann dazwischen umschalten und sie editieren oder Räume zusammenführen. Maximal vier Karten sind speicherbar. Im oberen Stockwerk näherte sich der Robo auch der Treppe im Haus, hier halfen die verbauten Erkennungssensoren, dass das gute Stück nicht die Stufen herunterpurzelt. Wird der Aqua20 Pro per Hand in eine Karte in einem anderen Stockwert oder per Tür abgesperrten Bereich des Hauses platziert, den er schon kennt, ist kein händisches Umschalten der Karte in der App nötig – das erkennt die Software automatisch.
Praktisch bis neckisch ist der Umgang mit Haustieren: Bei uns im Testhaushalt wird der neue, akkubetriebene Mitbewohner zwar kritisch beäugt und bei seinen Tätigkeiten beobachtet, er kommt den Katzen aber nie zu nahe. Für Haustierfans hat Dreame auch eine Spielerei eingebaut: Man kann die Kamerasicht in der App aktivieren und den Robo dann selbst steuern – währenddessen wird dann aber nicht gesaugt oder geputzt. Stattdessen kann man sich die Wohnung aus der Perpektive von vier Zentimeter Höhe anschauen, und Fotos knipsen oder Videos aufnehmen. Wer Dreame die Freigabe erteilt, kann auch besondere "Haustiermomente" automatisch erstellen lassen. Die "Finde mein Tier"-Funktion ist prinzipiell praktisch, stößt aber rasch an ihre Grenzen: Nachdem die erste Katze ins Visier kam, sah der Dreame die Aufgabe als erledigt an, ohne weiter nach den anderen Miezen zu suchen.
Mit der Akkuleistung sind wir beim Test sehr zufrieden – bei normaler Saugeinstellung schafft der Aqua20 Pro über 100 Quadratmeter mit einer Batterieladung. Wer mit Dampf wischt, muss natürlich öfter nachladen, allerdings ist hier viel früher der Frischwassertank das limitierende Element, weswegen der Robo kurzzeitig zur Station zurückkehrt. Bei der sind übrigens das Bodenbrett und die Waschschale herausnehmbar und nach einer Reinigung unter fließendem Wasser wieder einsatzbereit. Nach einem Wischvorgang wird die feuchte Walze automatisch in der Station mit heißer Luft getrocknet – das ist nicht laut, aber noch hörbar und dauert bis zu fünf Stunden.
Test-Fazit: Ein Saug- und Wischroboter mit vielen Stärken, aber auch echten Schwächen
Kann der Dreame Aqua20 Pro die hohen Erwartungen, die Werbeversprechen und Preisschild wecken, erfüllen? Nein. Ist er trotzdem ein üppig ausgestatteter Saug- und Wischroboter, der in den Kerndisziplinen überzeugt, Haus oder Wohnung sauber hält und mit extrem starker Navigation punktet? Ja.
Wer sich damit arrangiert, dass die Dampffunktion nur eine kraftvolle Dreingabe für besonders verschmutzte, kleine Bereiche ist und dass die Wischwalze nicht wie von Zauberhand schier endlos aus dem Gerät fährt, um unter die kleinsten Katen zu kommen, der wird mit dem Dreame-Flaggschiff dauerhaft seine Freude haben. Der Robo nimmt den meisten Staub auf, fährt nah und fehlerlos an Kanten heran, wischt sauber und ohne nasse Stelle zu hinterlassen und gibt Staub plus Schmutz danach brav an der Basisstation ab. Die Akku-Leistung ist stark, die Navigation noch besser. Teppiche werden in aller Regel erkannt, mehrere Zentimeter hohe Schwellen überwunden.
Okay, der Frischwasser-Vorrat an Board des Aqua20 Pro dürfte ruhig etwas größer sein und eine Station ohne Staubbeutel würde sich mehr nach 2026 anfühlen. Dafür überzeugt die App mit vielen Automatisierungsoptionen, konfigurierbaren Shortcuts und neckischen Haustier-Gimmicks.
