Regionalnachrichten

ThüringenVerband will bezahlbare Mieten trotz teurer Sanierung

29.10.2026, 15:01 Uhr
image

Die CO2-Emission durch warme Wohnungen ist in Thüringen gesunken. Nun steht eine neue Runde der energetischen Sanierung an. Wie die Kosten für Unternehmen und Mieter im Zaum gehalten werden sollen.

Jena (dpa/th) - Die nächste Etappe auf dem Weg zur Klimaneutralität von Wohnungen wird nach Einschätzung des Verbandes der Thüringer Wohnungswirtschaft die schwierigste und teuerste. Einfache Verbesserungen zur Verringerung des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstoßes seien längst umgesetzt, sagte Verbandsdirektor Frank Emrich am Rand einer Wohnungswirtschaftstagung in Jena der Deutschen Presse-Agentur. "Vor uns liegen noch 20 Prozent des Sanierungsweges."

Jetzt gehe es darum, effektiv zu sanieren und ein vernünftiges Maß zu finden, um das Wohnen in Thüringen bezahlbar zu halten, sagte Emrich. "Eine technisch perfekte Lösung, die niemand bezahlen kann, ist keine nachhaltige Lösung. Wir brauchen realistische Klimaschutzfahrpläne für die Gebäude."

Nebenkosten nähern sich Kaltmiete an

Bereits jetzt würden sich die Nebenkosten, zu denen nicht nur das Heizen gehört, immer weiter in Richtung Kaltmiete bewegen. Bei den vom Verband vertretenen kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen, die 261.000 Wohnungen im Freistaat verwalten, liege die Kaltmiete derzeit im Schnitt bei 5,75 Euro pro Quadratmeter. Die Nebenkosten seien in den vergangenen Jahren schrittweise auf im Durchschnitt 3,30 Euro pro Quadratmeter gestiegen, bei großen regionalen Unterschieden vor allem durch die Preise für Fernwärme.

Nach Angaben von Emrich werden für Fernwärme in Gera im Schnitt 1,30 Euro pro Quadratmeter fällig, in Sonneberg seien es 2,30 Euro pro Quadratmeter. Das liege an den Kosten und Preisen der regionalen Energieerzeuger. "Wir sind an dieser Stelle nur die Überbringer der schlechten Nachricht."

Die Situation der Stadtwerke, die in der Regel das in Thüringen gut ausgebaut Fernwärmenetz speisen, sei unterschiedlich. Regional handele es sich dabei um Monopole, zu denen es bei der Fernwärmeversorgung von Wohnungen keine Alternative gebe. "Sie müssen auch wie Monopole behandelt werden - es braucht eine funktionierende Preisaufsicht auf Landesebene", so der Verbandsdirektor. Nötig seien Wärmeplanungen der Kommunen, "die mehr sind als Karten, Szenarien und Abschlussberichte". Derzeit werde noch etwa 90 Prozent der Fernwärme von den Energieunternehmen mit Gas erzeugt.

Emrich: "Das ist nicht bezahlbar"

Der Verband stehe für eine deutliche Verringerung des CO2-Ausstoßes. Eine Studie der Bauhaus-Universität Weimar sowie der Hochschulen Jena und Nordhausen im Auftrag der Landesregierung verweist auf einen Baukostenanstieg seit 2021 von 22,5 Prozent. Zudem falle die Energieeinsparung durch eine aufwendige Außenwanddämmung bei Gebäuden, die bereits über eine dünne Dämmschicht verfügten, in Vergleich zu den Kosten gering aus.

Die derzeitige staatliche Förderung sei jedoch daran gebunden, dass das bautechnische Maximum erreicht werde, sagte Emrich. Angenommen, die Wohnungswirtschaft würde alle gesetzlichen Anforderungen spontan erfüllen können, müsste die Miete um etwa 50 Prozent - also 2,50 bis 3,00 Euro pro Quadratmeter - steigen. "Das ist nicht bezahlbar. Das könnten wir Mietern nicht zumuten." Es müsse ein effizientes Niveau von Kosten und Effekt gefunden werden.

Zehn Prozent weniger CO2-Emission seit 2021

Nach Verbandsangaben wurden in den vergangenen Jahren ein Großteil der Gebäude grundlegend saniert, Heizungsanlagen modernisiert und der Energieverbrauch gesenkt. "Ein großer Teil unserer Bestände steht heute energetisch vergleichsweise gut da", sagte Emrich. Die CO2-Emission pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr sei allein seit 2021 um etwa zehn Prozent reduziert worden und liege nun bei durchschnittlich 20,1 Kilogramm pro Jahr.

Der Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft vertritt nach eigenen Angaben 238 Unternehmen, darunter 187 Wohnungsunternehmen. Nahezu jeder zweite Mieter in Thüringen wohnt bei einem dieser kommunalen oder genossenschaftlichen Unternehmen.

Quelle: dpa

Regionales