SachsenWie steht es um die Suchtberatung in Sachsen?

In Sachsen wird bereits seit einigen Jahren an der Suchthilfe gekürzt, nun droht einer Suchtberatungsstelle in Dresden sogar die Schließung. Wie ist die Situation bei der Suchtberatung in Sachsen?
Dresden (dpa/sn) - Bei einem Problem mit Drogen, Alkohol oder einer Spielsucht können Suchtberatungsstellen helfen – doch deren Angebot in Sachsen schrumpft. In den vergangenen Jahren hatten die verschiedenen Träger bereits Stellen kürzen und damit ihre Beratungskapazitäten schmälern müssen, so die Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren (SLS).
Der Caritas-Suchtberatungsstelle in der Dresdner Neustadt droht sogar die Schließung: Ab 2028 soll sie keine Fördermittel mehr erhalten, wie die Caritas in einem offenen Brief mitteilte. Was bedeuten diese Entwicklungen für die Beratungssituation von Suchtkranken in Sachsen?
Wie wird die Suchtberatung finanziert?
Für die Finanzierung der Suchtberatung sind laut sächsischen Gesundheitsministerium die Landkreise und Städte zuständig. Sie sollen die Beratung erhalten und koordinieren. Der Freistaat unterstützt sie dabei mit Fördermitteln. Diese blieben seit 2021 konstant und wurden in diesem Jahr sogar erhöht.
Entscheidend sei jedoch, wie die Städte und Kreise die Mittel verteilen, erklärte Karin Tenbusch von der Caritas Suchtberatung in der Dresdner Neustadt. Die Kommunen in Sachsen würden ihren Finanzierungsanteil an den Suchtberatungen fast flächendeckend reduzieren, sagte SLS-Vorsitzende Beate Drowatzky. Zugleich würden die Kosten für die Beratungsstellen durch steigende Gehälter und allgemeine Kostensteigerungen der vergangenen Jahre steigen.
Welche Folgen hatte das bisher für die Beratungsstellen?
"Die beabsichtigte Schließung einer Suchtberatungsstelle wegen knapper Kassen auf kommunaler Ebene ist in Sachsen ein Novum", erklärte Drowatzky. Bisher sei über alle Träger hinweg in den Kommunen gekürzt worden. Da die Träger die Kürzungen nicht selbst ausgleichen konnten, hätten sie stetig Beratungskapazitäten abbauen müssen. Beratungszeiten seien verkürzt worden, freie Stellenanteile nicht wieder besetzt worden. Außerdem würden Versorgungsverträge mit Trägern gekündigt. In ländlichen Regionen hätten deshalb zum Teil Außensprechstunden nicht aufrechterhalten werden können.
Als empfohlene Mindestversorgung einer Region gilt Drowatzky zufolge eine Fachkraft in der Suchtberatung je 20.000 Einwohner. Diesen Schlüssel würden in Sachsen nur noch drei Regionen erfüllen. Ein Erhalt der notwendigen Basisstrukturen sei ohne eine Sicherung des kommunalen Finanzierungsanteils nicht möglich, ist Drowatzky überzeugt.
Wieso gibt es für die Suchtberatung in Sachsen weniger Geld?
Die Landeshauptstadt Dresden begründet die Kürzungen mit der Finanzkrise der Kommunen in Deutschland. Gleichmäßige Stundenkürzungen bei allen Dresdner Beratungsstellen hätten die Handlungsfähigkeit aller Beratungsstellen in der Stadt riskiert, hieß es. Ursache der finanziellen Lage der Kommunen sei die Übertragung von Pflichtaufgaben durch Bund und Länder, ohne ausreichend Geld dafür bereitzustellen, so ein Sprecher der Stadt. Dresden müsse solche Pflichtaufgaben wie alle anderen Kommunen in Deutschland finanzieren. Dadurch gebe es keine Möglichkeit zu sparen.
Was bedeutet das für suchtkranke Menschen?
Für Menschen, die Beratung brauchen, bedeuten die Kürzungen nach Drowatzkys Angaben lange Wartezeiten oder längere Fahrtwege zur nächsten Beratungsstelle mit freien Kapazitäten. "Wir haben jetzt schon Rückmeldungen aus den Umkreisen, also aus Pirna, Freital, Meißen, dass sie zunehmend Leute aus dem Stadtgebiet bekommen", berichtet Tenbusch.
Bei schlechterem Beratungsangebot würden sich Suchterkrankungen eher chronifizieren, so Drowatzky. Bereits jetzt liege Sachsen in der Todesfallstatistik alkoholbedingter Sterbefälle an dritter Stelle unter allen Bundesländern. Außerdem werde in Sachsen dreimal so viel Methamphetamin konsumiert wie im Bundesdurchschnitt, warnte sie.