Sachsen1.100 Einsatzkräfte üben Kommunikation im Katastrophenfall

Was passiert, wenn etwas passiert? Ein Militärtransport stößt mit einem Personenzug zusammen, das Mobilfunknetz fällt aus: In der Oberlausitz probten Einsatzkräfte jetzt den Ernstfall.
Weißkeißel (dpa/sn) - Manchmal werden Katastrophenszenarien von der Realität überholt. Als das Drehbuch für die zivil-militärische Kommunikationsübung "MURE 26" (Mutuality/Reciprocity) entwickelt wurde, konnte man nicht ahnen, dass während des Trainings ein schweres Zugunglück in Spanien mit mehr als 60 Todesopfern geschah. Und doch waren die Rettungskräfte nach der ersten Übung mit der Wirklichkeit konfrontiert.
Er habe das überhaupt nicht verkraften können, räumt Björn Mierisch, Kreisbrandmeister des Landkreises Görlitz ein. Da bereite man sich ein halbes Jahr auf das Szenario eines Zugunfalls vor, komme nach der Übung nach Hause und sei glücklich darüber, dass alles gut gelaufen ist. Und dann sehe man die Bilder aus Spanien im Fernsehen. "Das war erschreckend, das war schlimm."
1.100 Rettungskräfte an der Übung beteiligt
Seit Mittwoch hatten Bundeswehr, Polizei und Katastrophenschutzbehörden auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in Ostsachsen die Kommunikation in einem Ausnahmezustand geprobt. Unter dem Slogan "Gemeinsam dienen. Vernetzt retten. Sicher kommunizieren" ging es drei Tage lang vor allem um die Nutzung des Digitalfunks BOS. Er ist der bundesweit einheitliche Standard für die Einsatzkommunikation. 1.100 Menschen waren an "MURE" beteiligt.
Im Übungsszenario war ein Militärtransport mit einem Personenzug zusammengestoßen. Feuerwehren, Katastrophenschutz, Polizei und Rettungsdienste wurden unter dem Stichwort MANV alarmiert. Das Kürzel steht für Massenanfall von Verletzten. Am ersten Tag waren 50 Schwerverletzte in Sicherheit zu bringen. Die Rettung sollte in einem abgelegenen Gebiet stattfinden. Ein Mobilfunknetz stand nicht zur Verfügung.
Realistische Übungsbedingungen auf Militärgelände
Am Schauplatz war das Geschehen naturalistisch inszeniert. Ein Zugwaggon lag umgekippt vor einem Bahnhof, auch der Militärtransport auf Schienen war umgestürzt. Rings um das Gelände waren Feuerwehren, Rettungswagen und Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks mit Blaulicht postiert. In der Luft kreisten Hubschrauber und seilten Rettungskräfte ab, um Verwundete zu bergen.
Das Bundeskabinett hatte die Übung im Sommer 2025 mit weiteren Eckpunkten für mehr Cybersicherheit beschlossen. Eingebettet ist "MURE 26" in den Operationsplan Deutschland. Er soll die zivil-militärische Zusammenarbeit in Friedenszeiten, hybriden Bedrohungslagen, Krisen und im Kriegsfall regeln. Beim Pakt für den Bevölkerungsschutz geht es auch die Modernisierung der Einsatzkommunikation.
Übung soll auch Schwachstellen offenlegen
"Wir haben diese Aufgabe gewählt, um auf der einen Seite zu zeigen, zu was wir in der Zusammenarbeit, in der Kommunikation, im Miteinander beim Bewältigen von Krisenlagen fähig sind, aber um auch natürlich zu identifizieren, wo wir besser werden können", sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der sich am Abschlusstag ein Bild von der Übung machte. Die Beteiligten hätten Herausragendes geleistet.
Auch Dobrindt verwies auf das Unglück mit Dutzenden Todesopfern in Spanien. Man habe für die Übung eine abstrakte Lage gewählt und gesehen, wie real das werden könne. Er habe seinem spanischen Amtskollegen nicht nur Kondolenz übermittelt, sondern auch Unterstützung angeboten, sagte der Minister.
Technische Kommunikation soll gestärkt werden
"Wir sind uns im Klaren darüber, dass wir die technische Kommunikation deutlich stärken müssen. Wir haben funktionierende Kommunikationssysteme, aber sie müssen angepasst werden an eine ständig steigende digitale Welt", betonte Dobrindt. Deswegen sei der Ausbau des Breitband-Digitalfunks der neuen Generation zwingend notwendig. Alle müssten mit den gleichen technischen Systemen arbeiten können. Man brauche ein deutliches Zusammenwachsen von militärischer Verteidigung und ziviler Verteidigung.