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Sachsen-AnhaltNeue Mammutfunde in mehr als 30.000 Jahre alter Fundstätte

20.10.2026, 11:55 Uhr
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Neue Knochenfunde und Schnittspuren könnten die bisherige Deutung der altsteinzeitlichen Fundstelle Breitenbach verändern. Die damaligen Menschen haben die Tiere möglicherweise selbst gejagt.

Breitenbach (dpa/sa) - Archäologen haben an der altsteinzeitlichen Fundstelle Breitenbach (Burgenlandkreis) erstmals seit fast 100 Jahren wieder größere Anhäufungen von Mammutknochen freigelegt. Die damaligen Menschen haben vor etwa 30.000 Jahren möglicherweise nicht nur fossiles Elfenbein verarbeitet, wie die Forschung bislang angenommen hatte. "Die neuen Befunde legen nun aber nahe, dass die Breitenbacher Jäger vielleicht doch nicht nur fossiles Elfenbein nutzten, sondern Mammute vor Ort erlegten", sagt der Projektleiter Olaf Jöris von Monrepos, einer Einrichtung des Leibniz-Zentrums für Archäologie.

Mammut war Nahrung und Rohstofflieferant

Die Ausgrabungen fanden zwischen Juli und Oktober statt. Zu den Entdeckungen gehören neben den Knochen mehrere längere Stoßzahnfragmente und bearbeitete Elfenbeinstücke. Schnittspuren an den Knochen deuten darauf hin, dass Mammuts vor Ort zerlegt wurden. Die Tiere könnten sowohl als Nahrungsquelle als auch als Rohstofflieferanten gedient haben. Neben Elfenbein seien möglicherweise auch Tierhäute für die Herstellung von Bekleidung oder Zeltbahnen genutzt worden.

Werkstatt für Mammutelfenbein

Zu den bedeutendsten bisherigen Entdeckungen zählt ein Areal, das als Werkstatt zur Bearbeitung von Mammutelfenbein interpretiert wird. Dort fanden sich unter anderem durchbohrte Perlen, Projektile, Fragmente plastischer Figuren und Herstellungsabfälle. Ausgewählte Objekte sind im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgestellt.

Die Bedeutung des Fundplatzes liegt auch in seiner Größe und der guten Erhaltung der Funde. Während Fundstellen aus dieser frühen Epoche häufig aus Höhlen bekannt sind, ermöglicht Breitenbach Einblicke in die Organisation eines steinzeitlichen Lagerplatzes im Freien. "Daraus lassen sich ganz neue Erkenntnisse zur räumlichen Organisation der Lagerplätze damaliger Jäger und Sammler gewinnen", sagt Marcel Weiß, Projektleiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. In Breitenbach ließen sich etwa Bereiche der Elfenbeinbearbeitung und der Verarbeitung von Schneehasen- und Eisfuchspelzen unterscheiden.

Größte Freilandfundstelle dieser Zeit

Die Fundstelle Breitenbach-Schneidemühle umfasst rund 10.000 Quadratmeter und gilt als größte Freilandfundstelle des Aurignaciens in West-Eurasien. Diese frühe Phase der Besiedlung Europas durch den anatomisch modernen Menschen reicht etwa von 42.000 bis 32.000 Jahren vor heute. Der Platz wurde 1924 entdeckt, als ein Schüler bei Bauarbeiten an der Schneidemühle einen Mammutzahn fand. Drei Jahre später legte der schwedische Archäologe Nils Niklasson bei umfangreichen Geländearbeiten eine Fläche von knapp 400 Quadratmetern frei.

Quelle: dpa

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