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Mecklenburg-VorpommernTatort wird zu "Smartort" - Polizei wirbt um "Cyberjäger"

04.11.2026, 13:34 Uhr
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Die Digitalisierung ist für die Polizei Fluch und Segen zugleich. Den Ermittlern liefert sie massenhaft Spuren und Daten. Zugleich nimmt die Cyberkriminalität stark zu.

Neubrandenburg/Rostock (dpa/mv) - Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern wirbt im Kampf gegen die zunehmende Cyber- und Internetkriminalität verstärkt um externe IT-Spezialisten. "Große Teile der Kriminalität verschieben sich immer weiter in den digitalen Raum", begründete Rostocks Polizeipräsidentin Anja Hamann den Bedarf an Experten. Ihr Amtskollege aus Neubrandenburg, Heiko Tesch, betonte, es gehe um eine Art digitale Waffengleichheit.

Die Gegenseite arbeite völlig losgelöst von Gesetzen und Restriktionen und kümmere sich weder um Datenschutz noch um gesetzliche Vorgaben. "Um Waffengleichheit herzustellen, braucht die Polizei die besten Köpfe und die beste Technik", sagte Tesch der dpa. Die digitale Kompetenz müsse bei allen Polizeibeamten weiter ausgebaut werden. Und das werde auch gemacht.

Gesucht: Cyberjägerinnen und -jäger

Tesch will auf Studierende zugehen, ihnen etwa Hospitanzen und Praktika bei der Polizei ermöglichen. Für junge externe IT-Fachkräfte stehe die Absicherung durch den Beamtenstatus nicht im Vordergrund. "Das ist zwar ein Benefit, den wir anbieten können. Die Kandidatinnen und Kandidaten sind sich aber durchaus ihres Marktwertes bewusst und sagen, wenn sich woanders eine vielversprechende Möglichkeit bietet, dann gehe ich dorthin. Ich muss kein Beamter sein."

Rostocks Polizeipräsidentin Hamann (61), die Ende des Monats nach mehr als 40 Dienstjahren bei der Polizei aus dem Amt scheidet, machte klar, dass die Polizei für IT-Experten nicht mit den in der freien Wirtschaft gebotenen Gehältern mithalten könne. Die Polizei könne aber gute und sicherere Rahmenbedingungen bieten. "Wir müssen versuchen, diejenigen zu finden, die eine Überzeugung haben, die einfach etwas Gutes tun und ein bisschen die Cyberjäger sein wollen."

Die Täter machten sich mit krimineller Kreativität an die Arbeit. Den Entwicklungen hinke die Polizei ein Stück weit hinterher. Zudem habe das digitale Wissen nur eine sehr kurze Halbwertszeit. "Wir müssen dynamischer werden und den Anschluss halten." Das könne aber letztlich nicht mehr nur mit der Qualifizierung der eigenen Beamten gelingen. Notwendig seien IT-Spezialisten, die das studiert hätten und richtig gut in diesem Bereich seien, so Hamann. "Wir müssen umdenken, und das tun wir auch schon."

Das große Thema bei den Ermittlungen ist für die Beamten der Umgang mit sogenannten Massendaten. Bewusst oder unbewusst werde eine Vielzahl digitaler Spuren hinterlassen. "Ein Tatort ist längst zu einem Smartort geworden", sagte Tesch. Mobilfunkdaten, Kameraaufnahmen und Routerdaten lieferten massenhaft digitale Informationen, die analysiert werden müssten. Selbst ein per App gesteuerter Staubsauger oder andere Smart-Home-Geräte könnten Hinweise geben.

"Die Dichte an potenziellen Beweismitteln ist deutlich größer geworden", so Tesch, der sein neues Amt in Neubrandenburg im August dieses Jahres antrat. Für die Auswertungen brauche es die richtigen Tools und die richtigen Experten. Die Polizei befinde sich in einer digitalen Transformation.

Sensibler Umgang mit digitalen Daten

Darauf müsse auch die Polizei als Arbeitgeber reagieren. Man könne darüber nachdenken, Bachelor- und Masterarbeiten zu begleiten und so eine Bindung an die Polizei zu schaffen. Dabei müsse damit gerechnet werden, dass sich die jungen Fachkräfte nach fünf Jahren entscheiden, etwas Neues auszuprobieren. "Das ist eine Kultur, die es bei der Polizei so nicht gab", so Tesch, der zuvor Leiter des Referats für Kriminalitätsbekämpfung, Internationale polizeiliche Zusammenarbeit und polizeiliche und gesamtgesellschaftliche Prävention im Schweriner Innenministerium war.

Zentrale Bausteine im Kampf gegen Cyberkriminalität sind aus Sicht der Polizei auch die Aufklärung der Nutzer und ein sensibler Umgang mit eigenen Daten. "Mittlerweile wird durch Künstliche Intelligenz mit einer sehr hohen Genauigkeit Seriosität vorgetäuscht, sodass es für den einzelnen Menschen zunehmend schwierig ist, zu unterscheiden, was richtig und was falsch ist", betonte Tesch.

Tesch ging auch auf die ausstehende Neuausrüstung der Landespolizei mit Dienst-Smartphones ein, die sich nach einem Hacker-Angriff vor über einem Jahr weiter verzögert. Der Angriff habe die Polizei hart getroffen. Auch in der Streifenpolizei gebe es ganz junge Beamte, die als "Digital Natives" aufgewachsen seien und das Smartphone als wichtiges Arbeitsmittel vermissten.

Das Landesamt für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, Brand- und Katastrophenschutz (LPBK M-V) arbeite aber mit Hochdruck daran, eine entsprechende Lösung zu finden. Die Absicherung der Systeme habe dabei Vorrang. "Das Thema IT-Sicherheit ist komplex und zeitintensiv. Da müssen wir jetzt die Zähne zusammenbeißen. Die Diensthandys werden wiederkommen."

Zwei Präsidien in MV

In MV gibt es zwei Polizeipräsidien: eines in Rostock und eines in Neubrandenburg. Letzteres ist mit etwa 2.000 Mitarbeitern für den östlichen Landesteil in den Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen zuständig. Das Einzugsgebiet umfasst rund 700.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Das Polizeipräsidium Rostock betreut mit rund 2.200 Mitarbeitern ein Gebiet von etwa 10.600 Quadratkilometern und fast 900.000 Einwohnern. In den Bereich fallen die Landkreise Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg und Rostock sowie die kreisfreien Städte Rostock und Schwerin.

Quelle: dpa

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