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Hessen"Kritische Entwicklung" am Ausbildungsmarkt

30.10.2026, 13:36 Uhr
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Das Angebot an Ausbildungsstellen geht in Hessen weiter zurück. Was muss passieren?

Erbach (dpa/lhe) - Max Heilmann arbeitet im Odenwald als Zimmerer. Er hat bei dem 1805 gegründeten Familienbetrieb Engelhardt in Erbach gelernt und ist auch heute noch dort beschäftigt. Der kleine Betrieb hat 26 Mitarbeiter und bildet derzeit 5 Lehrlinge aus. Wenn es die wirtschaftliche Lage und die Eignung zulässt, sollen die auch übernommen werden. Nach den Worten des Leiters der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Hessen, Frank Martin, eher eine Seltenheit. "Es gibt einen erheblichen Rückgang bei gemeldeten Ausbildungsstellen", sagte er heute bei einem Besuch des Unternehmens. Es sei der niedrigste Wert seit 2008.

Immer weniger Ausbildungsplätze in Hessen

Die Betriebe haben der Arbeitsagentur zufolge im laufenden Jahr nur noch rund 29.500 Lehrstellen angeboten. Das waren 10,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Dem stand eine wachsende Zahl junger Bewerberinnen und Bewerber gegenüber. 37.677 Personen bedeuteten einen Zuwachs um 3,9 Prozent in der Jahresfrist. Ende September waren von ihnen noch 4.177 Personen auf der Suche nach einer passenden Ausbildung. Das Angebot sank im Ausbildungsjahr 2025/2026 zum viertel Mal in Folge.

Mehr Investitionen nötig

Es gebe eine starke Zurückhaltung der Unternehmen bei Investitionen, sagte Martin. "Eine Investition in Menschen ist eine Investition in die Zukunft." Es gebe in Hessen knapp 150.000 Menschen unter 35 Jahren ohne Ausbildung am Arbeitsmarkt.

Zehntausende junge Leute würden ohne Ausbildung arbeiten gehen. "Das ist eine kritische Entwicklung." Dieser Entwicklung müsse man entgegentreten. "Wir müssen in die Situation kommen, dass Firmen wieder mehr investieren."

Betriebe ziehen sich aus Ausbildung zurück

"Wir müssen Jugendliche begleiten, den Beruf zu finden, der zu ihnen passt", sagte die Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, Susanne Haus. Die Attraktivität müsse steigen. Sie selbst habe in ihrem Betrieb einen 48 Jahre alten Lehrling aus Ungarn eingestellt. "Der hat erkannt, ohne Ausbildung ist das eine Sackgasse." Zur Wahrheit gehöre auch, dass Betriebe sich aus der Ausbildung zurückziehen. Über die Bedeutung des Handwerks sagte sie: "KI kann vieles, aber sie verlegt keine Leitungen und deckt kein Dach."

"Es mangelt uns nicht an Bewerbungen, aber das Angebot muss auch passen", sagte Haus. Junge Menschen müssten frühzeitig mit Betrieben zusammengebracht werden, an Gymnasien müsse auch über Handwerk informiert werden und nicht nur über ein Studium. Junge Menschen müssten sich nach ihren Talenten orientieren können.

KI spielt Rolle bei Berufswahl

Gründe für das größere Interesse an Ausbildungsplätzen gibt es Martin zufolge mehrere. Einer sei die wirtschaftliche Lage. "Es gibt eine Tendenz zu sicheren Häfen." Aber auch Künstliche Intelligenz spiele eine Rolle. In 99 Prozent der Beratungsgespräche komme die Frage, gibt es den Job auch in zehn Jahren noch wegen KI. "Was macht KI mit meinem Arbeitsplatz?"

Personal wichtigste Ressource

Beim Spezialisten für Holzhausbau Engelhardt steht nach den Worten des Geschäftsführers Axel Engelhardt vor der Lehre ein Praktikum. "Es wird immer mehr zur Herausforderung junge Menschen für einen Handwerksberuf zu gewinnen." Personal sei aber die wichtigste Ressource im Handwerk. "Viele kommen über Mund-zu-Mund-Propaganda", beschreibt er die besonderen Herausforderungen im ländlichen Raum. Er stelle pro Jahr ein bis zwei Lehrlinge ein.

So kam auch Heilmann 2000 zu Engelhardt. Er habe das Abitur abgebrochen, weil ein Studium für ihn nicht infrage kam. Habe in dem kleinen Betrieb in Erbach ein zweiwöchiges Praktikum gemacht und die Lehre zum Zimmerer angefangen. In Kürze will er mit der Ausbildung zum Meister weitermachen.

Quelle: dpa

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