HessenDürre und Hitze belasten Ernten – Direktvermarkter leiden

Kartoffeln, Obst und Gemüse: Dürre und dadurch schmalere Ernten haben vor allem den Direktvermarktern in diesem Sommer zu schaffen gemacht. Was das für die Verbraucher und für die Höfe bedeutet.
Friedrichsdorf (dpa/lhe) - Die Dürre und Hitze in diesem Sommer haben nach Angaben des Hessischen Bauernverbandes je nach Standort und Kultur zu unterschiedlich starken Ertrags- und Qualitätseinbußen geführt. "Besonders betroffen sind regional Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben sowie einzelne Obstkulturen", erklärte eine Verbandssprecherin auf Anfrage. "Wo das Angebot knapper wird und gleichzeitig keine ausreichenden Ausgleichsmengen aus anderen Regionen zur Verfügung stehen, kann dies zu höheren Preisen entlang der Wertschöpfungskette führen."
Die konkreten Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise seien aber schwer absehbar. So gebe es Produkte, deren Preisentwicklung weniger von der hessischen Ernte abhänge und dafür stärker von der Verfügbarkeit von Waren aus anderen Regionen Europas und der Welt. So werde gerade Getreide auf internationalen Märkten gehandelt. "Deshalb können auch schwächere Ernten in Deutschland mit einem ausreichenden Angebot aus anderen Erzeugungsregionen zusammentreffen", so die Sprecherin. "Verbraucherpreise für Brot und Backwaren werden zudem wesentlich von Energie-, Personal-, Transport- und Verarbeitungskosten beeinflusst und weniger vom reinen Rohstoffpreis des Getreides."
Lebensmittelpreise nicht nur von Ernte abhängig
Auch könnten Einbußen in einzelnen Regionen häufig durch Importe und vorhandene Lagerbestände ausgeglichen werden, erklärte die Sprecherin. Umgekehrt könnten auch gute heimische Ernten nicht verhindern, dass Preise steigen, wenn internationale Märkte, Energie-, Transport- oder Verarbeitungskosten dies beeinflussten.
Auch viele Bauernhöfe mit Direktvermarktung mussten ihre Verkaufspreise angesichts schmalerer Ernten und gleichzeitigen Kostensteigerungen tendenziell in diesem Jahr anheben. Wie stark, sei bei den einzelnen Mitgliedsbetrieben und in den Regionen unterschiedlich, sagte die Vorsitzende der Vereinigung der Hessischen Direktvermarkter, Simone Hofmann. Grundsätzlich hätten sämtliche Kulturen in dieser Saison gelitten - von den Erd- und Himbeeren über Äpfel und Birnen bis zu Kartoffeln, Salat und anderem Gemüse.
Direktvermarkter unter Kostendruck
Für die Bauernhöfe, die ihre Produkte etwa unter der Marke "Landmarkt" auch in Supermärkten anbieten, sei das besonders schwierig. Große Supermarktketten drückten mit ihrer Marktmacht die Preise, hinzu komme der harte Wettbewerb mit billigeren Produkten aus anderen Ländern und Regionen der Erde, die mit geringeren Standards und Kosten angebaut oder produziert würden.
Angesichts der generell gestiegenen Lebenshaltungskosten seien die Kunden zudem noch preisbewusster geworden und griffen daher eher zum Salatkopf für 89 Cent aus Spanien, als zum Salat aus regionalem Anbau für 2 Euro, die hiesige Betriebe aber verlangen müssten, um kostendeckend zu arbeiten. Auch Hofläden bekämen die Kaufzurückhaltung der Kunden deutlich zu spüren, sagt Hofmann. Manche Betriebe müssten ihre Hofverkäufe sogar schließen oder kämpften sogar mit Existenzproblemen.