Berlin & BrandenburgBrandenburg bei Suche nach Endlager für Atommüll noch dabei

In diesem Jahr wurde erneut ein Zwischenstand auf dem Weg zu einem Atommüll-Endlager präsentiert. Vereinzelte Flächen aus Brandenburg sind weiterhin im Rennen.
Peine/Potsdam (dpa/bb) - In Brandenburg werden weiterhin Gebiete für ein mögliches Endlager für hoch radioaktive Abfälle untersucht. Dazu zählen kleinere Steinsalzgebiete in flacher und steiler Lagerung in den Landkreisen Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Potsdam-Mittelmark, Prignitz sowie Ostprignitz-Ruppin. Diese Gebiete sollten noch genauer betrachtet werden, teilte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mit. Ein Gebiet im Landkreis Oberhavel fiel raus.
Einige Bundesländer bereits raus
Von den 90 Teilgebieten, die rund 54 Prozent der Bundesfläche umfassten, wurden nach und nach immer mehr ausgeschlossen. 2025 waren noch etwa 25 Prozent in der weiteren Prüfung, inzwischen untersucht die BGE weniger als fünf Prozent. Die verbliebenen Gebiete liegen in Süd- und Ostdeutschland sowie im Norden und Nordwesten. Die BGE bearbeitet keine Gebiete mehr in Sachsen, Hessen und Berlin. Rheinland-Pfalz und das Saarland waren schon zuvor aus der laufenden Suche ausgeschieden.
Gesucht wird ein Standort tief im Untergrund, an dem die Abfälle möglichst sicher eingeschlossen werden können - für eine Million Jahre. Bei den Salzstrukturen prüft die BGE unter anderem, wie mächtig sie sind, wie tief sie liegen und wie gleichmäßig das Gestein aufgebaut ist.
Man nähere sich langsam dem Vergleich der besten Gebiete untereinander, sagte Lisa Seidel, Bereichsleiterin Standortauswahl bei der BGE. Gesucht würden Gegenden mit einer möglichst "langweiligen Geologie". Gemeint sei ein möglichst gleichmäßiger Untergrund, dessen Eigenschaften sich räumlich wenig unterscheiden. Das erleichtere verlässliche Aussagen darüber, wie sicher das Gestein die Abfälle einschließen könne.
Untersucht werden Regionen mit Untergründen aus Granit, Salz und Ton. Diese haben nach Einschätzung der Fachleute gute Eigenschaften, um radioaktive Strahlung zurückzuhalten, sind wenig durchlässig für Wasser und Gas und halten hohen Temperaturen stand.
Zeitplan sieht Entscheidung um 2050 vor
"Wir werden die Flächen bis Ende 2027 weiter einengen, bis nur noch wenige Standortregionen im Rennen sind, die wir für die Erkundung vorschlagen", erklärt die Vorsitzende der Geschäftsführung der BGE, Iris Graffunder. Diesen Vorschlag prüft das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), das Wissenschaft und Öffentlichkeit beteiligt. Die Entscheidung über die infrage kommenden Regionen trifft schließlich der Bundestag. Als Zieldatum für die Entscheidung über ein Endlager ist 2050 angepeilt.
Sensibles Thema
Schon Zwischenlager wie Gorleben im Wendland, das als Endlager im Gespräch war, lösten große Proteste aus. Auch gegen Atommülltransporte gibt es regelmäßig Widerstand.
Mit dem Standortauswahlgesetz wurde die Suche 2013 neu angeschoben. Sie läuft in einem mehrstufigen, langfristigen und wissenschaftsbasierten Suchverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit.
Deutschland hat seine letzten Atomreaktoren zwar im April 2023 abgeschaltet. Es gibt aber rund 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiven Atommüll, der in mehr als 60 Jahren Atomkraft-Nutzung angefallen ist. Derzeit lagert der Müll in sechzehn oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern. Das stillgelegte Eisenerz-Bergwerk Schacht Konrad in Salzgitter ist bereits als Endlager genehmigt. Es ist aber nur für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle vorgesehen und soll in den 2030er Jahren in Betrieb gehen.