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Baden-WürttembergStraftaten in Stuttgart bei Jugendprotesten im Südwesten

31.10.2026, 18:42 Uhr
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(Foto: Bernd Weißbrod/dpa)

Vor den "Gen-Z"-Protesten war die Aufregung groß. Mehrere Ladenbesitzer verbarrikadierten ihre Schaufenster. Nun zieht die Polizei eine erste Bilanz.

Stuttgart/Freiburg (dpa/lsw) - Überschattet von teils gravierenden Störungen in Stuttgart haben Tausende junge Menschen in Baden-Württemberg weitgehend friedlich protestiert. Weil Demonstranten in der Landeshauptstadt unter anderem von der offiziellen Route abwichen, sich vermummten und Pyrotechnik zündeten, stoppte die Polizei den Aufzug nach eigenen Angaben mehrmals. "Die Versammlungsleitung hat eine Kooperation verweigert", teilte das Stuttgarter Präsidium mit.

Zwei Polizisten seien durch Würfe von Gegenständen verletzt worden. "Wir haben viele Dutzend Straftaten zu verzeichnen", berichtete eine Polizeisprecherin auf dem Whatsapp-Kanal der Polizei. Mehrere Tatverdächtige seien vorläufig festgenommen worden.

Pyrotechnik und Graffiti in Stuttgart

Mehr als 3.000 Menschen waren nach Polizeiangaben in der Landeshauptstadt unterwegs, die Veranstalter sprachen von rund 12.000 Teilnehmern. Noch vor Beginn des Aufzugs seien Rauchtöpfe gezündet worden und Böller seien zu hören gewesen, teilte die Polizei mit. Während der Demo sollen einzelne Teilnehmer sich immer wieder in unterschiedliche Richtungen entfernt haben.

Auch soll nach Angaben der Polizei Pyrotechnik gegen Einsatzkräfte eingesetzt worden sein. "Das wird nicht geduldet und die Verantwortlichen erwarten Konsequenzen", hieß es dazu. Vereinzelt habe es Sachbeschädigungen wie Graffiti und brennende Mülleimer gegeben. Tage zuvor war die Demonstration wegen Sorge der Einzelhändler aus der engeren Innenstadt verlegt worden. Die befürchteten großen Ausschreitungen seien aber ausgeblieben.

Friedliche Demonstrationen in weiteren Städten

In anderen Städten verliefen die Demonstrationen deutlich friedlicher. Die Polizei in Freiburg zählte etwa 3.500 Teilnehmer. Es habe keine nennenswerten Störungen gegeben. Auch in Mannheim zogen die Beamten eine positive Bilanz. Dort waren Schätzungen zufolge rund 2.000 Menschen auf der Straße. Weitere Demonstrationen gab es in Ulm mit laut Polizei rund 800 Teilnehmern und in Lörrach.

In Karlsruhe löste sich aus der Abschlusskundgebung nach Polizeiangaben eine Gruppierung von 800 Menschen. Die Polizei werde diese Gruppe auflösen, sagte ein Polizeisprecher. Einer der Demonstranten sei zudem auf einen Polizeiwagen geklettert. Bisher sei die Veranstaltung aus Polizeisicht aber friedlich verlaufen. In der Spitze seien es hier etwa 2300 Teilnehmer gewesen.

Aufgerufen zu den bundesweiten Protesten hatte die Initiative "Gen Z regelt". Gen Z ist dabei eine Abkürzung für Generation Z. Die umfasst je nach Definition junge Erwachsene, die zwischen Ende der 1990er und den frühen 2010er Jahren geboren wurden.

Nicht nur junge Menschen auf der Straße

Dem Aufruf zufolge sollten sich die Proteste unter anderem für ein bezahlbares Leben und Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie statt Kürzungen starkmachen. Lasten sollten gerecht verteilt werden, statt bei der jungen Generation zu sparen. Zu den Forderungen zählen darüber hinaus konsequenterer Klimaschutz und ein Nein zur Einführung einer Wehrpflicht.

Auf den Demonstrationen wurden dann immer wieder auch Parolen pro Palästina und für internationale Solidarität gerufen. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer richteten ihre Kritik pauschal gegen Staat und Polizei.

Auf Bildern und Videos ist zu sehen, wie auch ältere Menschen an den Versammlungen teilnahmen. Die Initiative hatte zuvor auch auf ihrer Webseite ermutigt, dass Menschen unabhängig von ihrem Alter teilnehmen sollen. "Unsere Zukunft geht alle etwas an", heißt es dort.

Sorge vor Ausschreitungen nach Geschehnissen in Frankreich

Nach den ausufernden Protesten im benachbarten Frankreich hatten Ladenbesitzer und Politiker die Sorge, dass es auch hierzulande zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen könnte. Am Freitag hatten einige Geschäfte ihre Schaufenster mit Holzplatten verbarrikadiert.

Innenminister Manuel Hagel (CDU) warnte, die Proteste könnten von Extremisten unterwandert werden. Er kündigte an, die Polizei werde bei Ausschreitungen eingreifen - und friedlichen Protest schützen.

Die Initiative "Gen Z regelt" hatte zu friedlichen Protesten aufgerufen und sich von Gewalt distanziert. Auch der Landesschüler- und der Landesjugendbeirat Baden-Württemberg sprachen sich für friedliche Proteste aus.

Quelle: dpa

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