Ratgeber

Aktien, Anleihen, Gold ... Wohin mit 25.000 Euro im November?

06.11.2026, 15:48 Uhr
imageEin Gastbeitrag von Marco Rumpf
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Bei einer Anlage von 25.000 Euro sollten Anleger etwa 70 Prozent in Aktien investieren. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Die Aktienanleger sind verunsichert. Angesichts der enormen Investitionen in Künstliche Intelligenz stellt sich die Frage, ob und wann sich damit Geld verdienen lässt. Das ist zum Teil heute schon der Fall.

Im kommenden Jahr werden die großen Betreiber von Rechenzentren voraussichtlich mehr als eine Billion Dollar in KI investieren. Allein Alphabet, Amazon und Microsoft haben im dritten Quartal 173 Milliarden Dollar für Investitionen ausgegeben und damit so viel wie noch nie in einem Drei-Monats-Zeitraum. Bis zum Jahr 2030 sollen Schätzungen zufolge insgesamt mehr als fünf Billionen Dollar in KI fließen. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Deutschlands im vergangenen Jahr.

Doch zuletzt ist die Euphorie für KI in Sorgen umgeschlagen. Ende Oktober gerieten die Aktien von Alphabet, Meta und Amazon nach der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse unter Druck. Inzwischen müssen die Hyperscaler Schulden aufnehmen, um ihre Investitionen zu finanzieren. Das laufende Geschäft gibt das nicht mehr her. Zudem fragen sich viele Anleger, ob sich eine Blase gebildet hat, die jetzt platzt. Erinnerungen an den Internethype zur Jahrtausendwende werden wach.

Marco Rumpf DRH
Marco Rumpf ist seit 1998 als geschäftsführender Gesellschafter bei der DRH Vermögensverwaltung GmbH tätig. (Foto: DRH)

Allerdings scheinen die Sorgen übertrieben. Ähnlich wie die Einführung der Elektrizität wird KI für einen enormen Produktivitätsschub sorgen und damit das weltweite Wirtschaftswachstum stark ankurbeln. Die Investitionen sind nicht zu hoch, vielmehr gibt es nicht genügend Halbleiter und Rechenkapazitäten.

Blaupause Anthropic

Das Thema KI lässt sich gut am Beispiel des KI-Labors Anthropic mit seiner KI-Modellfamilie Claude durchdringen. Das Unternehmen plant, in den kommenden Wochen an die Börse zu gehen. Dabei soll eine Bewertung von 1,5 bis zwei Billionen Dollar angepeilt werden - und das bei einem Quartalsumsatz von zuletzt knapp 17 Milliarden Dollar. Da wird manch einem Anleger schwindelig.

Der Konkurrent des ChatGPT-Entwicklers OpenAI verzeichnet jedoch ein rasantes Wachstum. So belief sich der Umsatz von Anthropic im ersten Quartal des vergangenen Jahres noch auf 376 Millionen Dollar. Im dritten Quartal 2026 waren es bereits fast 17 Milliarden Dollar. Gleichzeitig schrieb Anthropic von Anfang April bis Ende Juni erstmals operativ schwarze Zahlen. Und im dritten Quartal hat sich der Nettoverlust in etwa gedrittelt. Damit stellte das Unternehmen unter Beweis, dass sich mit KI sehr wohl schon bald Geld verdienen lässt - und das nicht erst in weiter Zukunft.

Gleichzeitig sind die sogenannten Compute-Kosten - also das, was Anthropic für Rechenleistung zahlt - dank des rasanten Wachstums von 251 auf 48 Prozent des Umsatzes gesunken. Das wird das künftige Gewinnwachstum beflügeln. Der Clou bei Anthropic ist, dass 80 Prozent des Umsatzes nutzungsbasiert sind. Nur 20 Prozent stammen aus festen Abo-Gebühren. Die Verkaufserlöse stammen somit überwiegend von der realen Nachfrage.

Das Geschäftsmodell zeichnet sich zudem durch seine ausgesprochen breite Kundenbasis aus. Mehr als 11.900 Kunden sorgen bei Anthropic für einen Jahresumsatz von jeweils mehr als 100.000 Dollar. Vor einem Jahr waren es gerade einmal etwas mehr als 950. Nur rund 250 Kunden erwirtschaften einen Jahresumsatz von jeweils mehr als zehn Millionen Dollar. Die fünf größten Kunden machen 21 Prozent des Geschäfts aus. Die anderen 79 Prozent entfallen auf die übrigen Kunden. Diese Zahlen zeigen, dass es hier kein Klumpenrisiko gibt. Das Gegenteil ist der Fall. Die Durchdringung des Marktes steht noch ganz am Anfang.

Für Unruhe sorgte zuletzt eher die Politik

Anthropic arbeitet auch an der Qualität seiner Kundenbasis. Fünf bis sieben Prozent des Umsatzes stammen von Kunden, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen haben und nun gesperrt werden. Zwar bremst dies kurzfristig das Umsatzwachstum, doch sorgt es für eine höhere Qualität des Geschäfts.

Kritiker bemängeln immer wieder Kreislaufgeschäfte und dass beispielsweise Google seinen eigenen Cloud-Umsatz finanziere. Google hat 10 Milliarden Dollar investiert und bis zu 30 Milliarden an weitere Meilensteine geknüpft. Umgekehrt hat jedoch der KI-Modell-Entwickler für 121,3 Milliarden Dollar bei Google Rechenleistung bestellt. Claude läuft unter anderem auf Halbleitern von Google.

Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass auch bei Anthropic ein gewisses Restrisiko besteht. Das Unternehmen hat für die kommenden Jahre Halbleiter beziehungsweise Rechenleistung im Wert rund von 895 Milliarden Dollar bestellt. Zu den Lieferanten zählen neben Google unter anderem auch Amazon und Nvidia. Dem stehen ein voraussichtlicher Zwölf-Monats-Umsatz von circa 68 Milliarden Dollar und ein Barmittelbestand von 132 Milliarden Dollar gegenüber. Sollte das Wachstum schwächeln, würden nicht nur Anthropic, sondern auch die Auftragsbestände der Hyperscaler wie der Google-Mutter Alphabet leiden.

Für Unruhe sorgte zuletzt eher die Politik: Nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen brachen Halbleiterwerte am Donnerstag zweistellig ein, weil Anleger eine schärfere Regulierung des Rechenzentrumsausbaus befürchten. Diese Sorge halten wir für überzogen. KI ist die Schlüsseltechnologie unserer Zeit, vergleichbar mit der Elektrizität oder dem Internet. Wer hier führt, bestimmt Produktivität, Wachstum und Sicherheit der kommenden Jahrzehnte. Keine Regierung in Washington wird diese Führung gegenüber China leichtfertig aufs Spiel setzen, auch keine demokratische. Solche Rücksetzer sind unangenehm, ändern aber nichts an der Nachfrage nach Rechenleistung. Die KI-Story ist nach wie vor intakt.

Die 25.000-Euro-Frage

Wenn Anleger beispielsweise 25.000 Euro anlegen möchten, sollten rund 70 Prozent davon in Aktien fließen. Langfristig betrachtet rentieren diese besser als die meisten anderen Vermögensklassen. Gold und Bitcoin dienen der Risikostreuung. Die übrigen Mittel sollten Anleger in Bargeld oder Anleihen parken, um bei möglichen Kursrücksetzern zu einem günstigeren Preis nachkaufen zu können.

Über den Autor: Marco Rumpf ist seit 1998 als geschäftsführender Gesellschafter bei der DRH Vermögensverwaltung GmbH tätig. Dort verantwortet der Bankkaufmann und Bankfachwirt die Bereiche Risikomanagement, Portfoliomanagement sowie die strategische Unternehmensführung.

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der DRH Vermögensverwaltung GmbH dar.

Quelle: ntv.de

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