Politik

"Realistisches Szenario"Ukrainischer Geheimdienst: Russland könnte Europa angreifen

01.10.2026, 16:34 Uhr
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Putins Ziel ist es, den Westen zu stabilisieren. (Foto: picture alliance / Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin via AP)

Die hybride Bedrohung Russlands gegen Europa nimmt merklich zu und wird auch weiter ansteigen, ist sich der Vizechef des ukrainischen Auslandsgeheimdienstes sicher. In weiterer Zukunft könnten auch militärische Angriffe folgen.

Der Vizechef des ukrainischen Auslandsgeheimdienstes (RSZU), Oleh Luhovskyi, hat einen russischen Angriffskrieg gegen die EU als "realistisches Szenario" bezeichnet. Die russische Militärstrategie sehe den Einsatz der Armee gegen europäische Staaten bis 2045 als eine von mehreren Optionen, erklärte Luhovskyj im "Spiegel".

Allerdings sei Russland militärisch nicht in der Lage, einen Zweifrontenkrieg zu führen. Solange die russischen Streitkräfte also in der Ukraine gebunden sind, bestünde keine Gefahr eines breit angelegen Invasionsversuchs. Auch einen zeitnahen kleineren Angriff im Baltikum hält Luhovskyj für unwahrscheinlich. "Wenn ein Angriff demnächst bevorstünde, müssten wir Truppenbewegungen sehen. Wir sehen aber keine."

Nato-Generalsekretär Mark Rutte kommt zu einer ähnlichen Einschätzung. "Wir sehen keinen unmittelbar bevorstehenden Angriff auf die Nato", sagte Rutte nach einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz und dem niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten in Münster.  Die Verbündeten müssten jedoch darauf vorbereitet sein, "dass Russlands Kampagne feindseliger Aktionen gegen Verbündete andauert", warnte er.

Der Geheimdienstler geht stattdessen von weiter zunehmenden hybriden Angriffen aus. Unter dem Level des Nato-Bündnisfalls zu bleiben und die Bevölkerung dennoch in Angst und Schrecken zu versetzen, sei aus russischer Sicht ein nützliches Mittel. Dafür braucht Russland neben sogenannten Wegwerfagenten auch Menschen vor Ort, die sich unter anderem mit Spionage auskennen. Dem RSZU liegen Informationen vor, nach denen sich aktuell mindestens 366 russische Geheimdienstmitarbeiter in Europa aufhalten. "Viele von ihnen sind als Diplomaten getarnt, aber nicht alle", so Luhovskyj im "Spiegel".

Ein Problem sieht er in dem "offenen System" Europas. Russische Geheimdienstmitarbeiter würden recht einfach einen Pass eines anderen Landes aus der ehemaligen Sowjetunion bekommen. Mit dem und mit einem Visum können sich die Mitarbeitenden dann frei in Europa bewegen. Auch, dass aktive und ehemalige Soldaten aus dem Angriffskrieg gegen die Ukraine nach Europa einreisen können, hält Luhovskyj für "hochriskant".

Als Reaktion auf den versuchten Drohnen-Anschlag am Flughafen Leipzig Anfang August hatte die Bundesregierung unter anderem das russische Generalkonsulat in Bonn geschlossen. Luhovskyj ist überzeugt, dass das nicht dafür sorgen wird, dass es weniger Sabotageaktionen in Europa geben wird. "Putin wird nicht sagen: 'Oh, dann lassen wir es jetzt.'" Putins Ziel sei es, den Westen zu destabilisieren.

Um das zu verhindern, muss Europa maximalen Druck auf die russische Wirtschaft ausüben, ist sich der Ukrainer sicher. Stattdessen baue Europa seine Abhängigkeit von Russland allerdings "nur äußerst langsam" ab.

Quelle: ntv.de, csi/AFP

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