Politik

Suche nach Steinmeier-NachfolgeInes Claus, Ilse Aigner … oder doch dieser Mann?

28.10.2026, 17:40 Uhr imageVon Volker Petersen
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Lachender Dritter? Oder Vierter, Fünfter? Thomas de Maizière könnte das Amt des Bundespräsidenten ausfüllen. (Foto: picture alliance / Bonn.digital)

Ein neuer Name ist im Rennen, jetzt wird auch eine CDU-Politikerin aus Hessen als nächste Bundespräsidentin gehandelt. Ein Überblick über die Kandidatinnen und ihre Chancen - und einen Außenseiter-Mann.

Am 9. November will sich Bundeskanzler Friedrich Merz im Klaren darüber sein, wer der nächste Bundespräsident werden könnte - oder besser gesagt: die nächste Bundespräsidentin. Denn das scheint der Minimalkonsens zu sein, es soll eine Frau sein. Merz hat es gesagt und für SPD wie Grüne ist das ohnehin überfällig. Ein weibliches Staatsoberhaupt hatte Deutschland noch nicht. Daher diskutiert das Land vor allem über Frauen.

Doch ganz aus dem Rennen sind die Männer nicht. Es gibt noch eine andere Sichtweise. Nämlich die, dass der nächste Bundespräsident einen schwereren Job haben könnte als der bisherige. Etwa dann, wenn die AfD nach der nächsten Wahl stärkste Kraft werden und versuchen sollte, die Arbeit des Bundestags auf den Kopf zu stellen. Dann wären vor allem Erfahrung, persönliches Ansehen und Autorität sowie genaue Kenntnis der politischen Abläufe von Vorteil. Dann sollte man nicht gleich die Auswahl auf ein Geschlecht beschränken, meinen manche.

Der Kandidatinnen-Check zeigt, welche Frau die größten Chancen hat, wofür sie stehen und was ihre Stärken sind. Männer sind im Kandidatinnen-Check mitgemeint. Am Ende steht eine Wahrscheinlichkeitsprognose, die in der soeben von ntv.de erdachten Maßeinheit "Bellevue" gemessen wird. Zehn Bellevues ist quasi schon gewählt, null Bellevues bedeutet: nicht mal im Traum.

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Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Ilse Aigner

Die Präsidentin des Bayerischen Landtags hat derzeit die größten Chancen, erste Bundespräsidentin zu werden. Die Oberbayerin gilt als pragmatisch und volksnah und sie hat Erfahrung: Sie gehörte 15 Jahre, von 1998 bis 2013, dem Bundestag an und war außerdem fünf Jahre Bundeslandwirtschaftsministerin. Außerdem war sie Abgeordnete und Ministerin in Bayern. Als Präsidentin des Landtags des zweitgrößten Bundeslandes hatte sie ausreichend Übung, überparteilich zu agieren.

Die 61-jährige CSU-Politikerin hat die volle Rückendeckung ihrer Partei und auch die SPD ist mit ihr einverstanden, wie der Jubel von Fraktionschef Matthias Miersch ("Worauf warten wir noch?") nahelegt. Die Grünen würden sie wohl auch mitwählen. Nur Merz hält sich noch bedeckt, hat sie aber bereits als "respektabel und denkbar" bezeichnet.

Prognose: 8 von 10 Bellevues.

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Ines Claus, Fraktionsvorsitzende der Hessen-CDU. (Foto: picture alliance/dpa)

Ines Claus

Seit dieser Woche wird auch Ines Claus als mögliche Kandidatin gehandelt. Die 49-Jährige ist Fraktionsvorsitzende der CDU im hessischen Landtag und war damit vor der Regierungsübernahme ihrer Partei eine der wenigen Christdemokratinnen mit einem Spitzenamt. Im Gegensatz zu Aigner hat sie kaum Hinweise darauf gegeben, das höchste Staatsamt anzustreben. Auf Bundesebene hat sie nur wenig Erfahrung. Sie war an den Koalitionsverhandlungen beteiligt und ist Mitglied im Präsidium der CDU. Aus dem Umfeld von Merz hieß es aber, er habe sie nicht vorgeschlagen und sich noch nicht festgelegt.

Prognose: 3 von 10 Bellevues.

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Julia Klöckner, Bundestagspräsidentin. (Foto: picture alliance/dpa)

Julia Klöckner

Seit dem vergangenen Jahr ist Julia Klöckner Bundestagspräsidentin. Die 53-Jährige gehört dem Bundestag mit Unterbrechungen 14 Jahre an und war ebenfalls Landwirtschaftsministerin unter Angela Merkel. Zwischendurch war die CDU-Politikerin zweimal Spitzenkandidatin in ihrem Heimatbundesland Rheinland-Pfalz, verlor aber gegen die SPD-Ministerpräsidenten gegen Kurt Beck und Malu Dreyer.

In jenen Jahren war sie Fraktionsvorsitzende im Landtag. Seit 2021 ist sie wieder im Bundestag. Als dessen Präsidentin sammelt sie bereits Erfahrung in Sachen überparteilichem Auftreten - und hat alle Hände voll zu tun, Zwischenrufe der AfD und Provokationen einiger Linke-Abgeordneter einzuhegen.

Ihre Stärke ist ihr menschliches, nahbares Auftreten, das sie auch als eine der wenigen CDU-Politikerinnen mit gelungenen Social-Media-Auftritten kombiniert. Als Bundespräsidentin würde sie frischen Wind in die Amtsführung bringen. Ob sie mit einer Rede ein ganzes Land aufrütteln könnte, ist eine andere Frage.

Prognose: 6 von 10 Bellevues.

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Karin Prien, Bundesbildungsministerin. (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Karin Prien

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Karin Prien war lange Landespolitikerin in Schleswig-Holstein, wo sie von 2017 bis 2025 Bildungsministerin war. Merz holte sie im vergangenen Jahr in sein Kabinett für das gleiche Ressort. Sie ist eher liberal gesinnt und sieht sich selbst als Brückenbauerin in Milieus, die nicht unbedingt von Hause aus CDU wählen, wie sie im Interview mit ntv.de sagte. Überparteilich zu denken, liegt ihr also, eine Parteisoldatin ist sie nicht.

Prien wäre nicht nur die erste Frau im Amt, sie wäre auch die erste Bundespräsidentin mit jüdischen Vorfahren. Sie wuchs in den Niederlanden auf, wohin ihre Großeltern vor den Nazis geflohen waren. Würde sie Bundespräsidentin hätte das eine historische Note, die weltweit Beachtung finden würde. Ob der eher konservative Merz ausgerechnet sie nominiert, ist aber fraglich.

Prognose: 4 von 10 Bellevues.

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Annegret Kramp-Karrenbauer, Chefin der Konrad-Adenauer-Stiftung. (Foto: picture alliance / SvenSimon)

Annegret Kramp-Karrenbauer

Die frühere Ministerpräsidentin des Saarlands bringt alles mit, was eine Bundespräsidentin braucht. Sie hat Erfahrung, sie war auch als CDU-Vorsitzende immer um Dialog mit anderen Strömungen bemüht. Und doch ist ihre Laufbahn stark mit Angela Merkel verknüpft, die sie einst zur Generalsekretärin machte. Zugleich düpierte sie Merz, als sie sich für den Vorsitz der Konrad-Adenauer-Stiftung bewarb und gewann – obwohl der CDU-Chef jemand anderes favorisiert hatte. Dass Merz nun ausgerechnet sie, die einstige Merkel-Vertraute, nominiert, wäre eine Pointe. Aber doch eher unwahrscheinlich.

Prognose 0 von 10 Bellevues.

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Thomas de Maizière, Bundesminister a. D. (Foto: picture alliance / HMB Media)

Thomas de Maizière

Auch sein Name wird gelegentlich genannt, Thomas de Maizières Stärke ist, dass er den politischen Betrieb in und auswendig kennt. Der 72-jährige Wahl-Dresdener war lange Zeit die Allzweckwaffe von Kanzlerin Angela Merkel. Er war Kanzleramts-, Verteidigungs- und Innenminister, aber auch Landesminister, Staatssekretär und war schon an den Verhandlungen zur Deutschen Einheit beteiligt. Er verkörpert das Ideal des Staatsdieners.

De Maizière mischte sich aber auch immer wieder in Debatten ein. So versuchte er unter dem Schlagwort "Wir sind nicht Burka" auszubuchstabieren, was "deutsche Leitkultur" sein könnte. Zugleich ist ihm die deutsche Einheit ein Herzensanliegen. Kurzum, er wäre ein Top-Kandidat, aber eher nach alten Maßstäben. Frischer Wind oder ein neuer Ton, ein anderer Stil wären von ihm nicht zu erwarten. Er wäre eher ein Ruhepol im Schloss Bellevue. Was in unruhigen Zeiten seinen Wert hätte.

Prognose: 1 von 10 Bellevues.

Und dann wären da noch …

… Hape Kerkeling und Juli Zeh. Der Entertainer hat mit Reden zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald und zu einem AfD-Verbot im Thüringer Landtag auf sich aufmerksam gemacht. Er glaubt aber selbst nicht, Chancen zu haben.

Die Schriftstellerin und bisherige Landesverfassungsrichterin Zeh lässt dagegen durchblicken, dass sie Interesse an dem Amt hat. Sie wäre der radikalste Wechsel im Amt. Sie wäre eine unbequeme Bundespräsidentin, die das Land aufrütteln könnte, aber auch polarisieren würde. Politische Erfahrung hat sie dagegen kaum und auch keine ernsthaften Fürsprecher bei Union und SPD.

Prognose: 0 von 10 Bellevues

Quelle: ntv.de

BundespräsidentCDUAnnegret Kramp-KarrenbauerThomas de MaizièreJulia KlöcknerKarin PrienFriedrich Merz