"Niemals aufgeben"Selenskyj lässt bei Wunsch nach deutschen Taurus nicht locker

Deutschland sagt der Ukraine eine weitere Milliarde Euro für Abfangdrohnen und weitreichende Waffen zu. Aber es gibt einen Marschflugkörper, den die Ukraine weiter gerne hätte - aber Deutschland seit 2023 nicht rausrückt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wünscht sich von Deutschland weiter den Marschflugkörper Taurus, der Ziele in 500 Kilometern Entfernung präzise treffen kann. Nach seinem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew sagte er auf die Frage, ob er nach all den Jahren der vergeblichen Bitten weiter Hoffnung auf den Taurus habe: "Natürlich. Niemals aufgeben."
Die Ukraine hatte die Bundesregierung im Mai 2023 offiziell um die Lieferung der wegen ihrer Treffsicherheit und hohen Durchschlagskraft besonders begehrten Marschflugkörper gebeten. Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz lehnte dies ab, auch weil er eine weitere Eskalation des Kriegs befürchtete. Merz hatte dagegen noch im Wahlkampf 2025 Sympathien für eine Lieferung erkennen lassen - bei einer europäischen Abstimmung.
"Alle Länder, die auf der richtigen Seite sind, müssen der Ukraine alles an militärischer Hilfe geben, was die Ukraine braucht", sagte Selenskyj. Das mache eine echte Partnerschaft aus. Merz hatte ihm zuvor die Freigabe von einer Milliarde Euro für die Beschaffung von Abfangdrohnen und Waffen größerer Reichweite zugesagt. Um den Taurus geht es dabei aber nicht.
Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, fordert ebenfalls die Lieferung der deutschen Marschflugkörper. "Es ist extrem wichtig, jetzt in die Ukraine zu reisen, zumal Wladimir Putin das ja durch die Angriffe auf die Schieneninfrastruktur verhindern möchte. Dass der Kanzler sich auf diesen Weg gemacht hat, ist deshalb umso bemerkenswerter", sagte die FDP-Politikerin der "Rheinischen Post". "Spätestens jetzt, Herr Bundeskanzler, wäre es der Moment, angesichts des grausamen Vernichtungswillens von Wladimir Putin der Ukraine den Taurus zu liefern, um die russischen militärischen Abschussbasen, von denen jeden Tag Raketen, Marschflugkörper und Drohnen Richtung Ukraine abgefeuert werden, zu zerstören", forderte Strack-Zimmermann.
Der Taurus kann mehr als 500 Kilometer weit fliegen und Bunker sowie andere gut gesicherte Anlagen wie Munitionsdepots oder Kommandoposten zerstören. Aufgrund ihrer hohen Reichweite könnten die Marschflugkörper auch russisches Staatsgebiet von der Ukraine aus erreichen. Insgesamt 600 der Lenkflugkörper hat die Bundeswehr ab 2004 erhalten.
