Gedenktafel in MoskauRussischer Geheimdienst würdigt DDR-Spionagechef Wolf

Im Westen ist der DDR-Chef für Auslandsspionage lange Zeit als der legendäre "Mann ohne Gesicht" bekannt. Das ist in Moskau anders: 20 Jahre nach seinem Tod erhält Markus Wolf in der russischen Hauptstadt eine Gedenktafel - dem heutigen russischen Auslandsgeheimdienst sei Dank.
20 Jahre nach dem Tod von Markus Wolf erinnert eine Gedenktafel in Moskau an den früheren Chef der DDR-Auslandsspionage. An der Fassade des Hauses in der Nischni-Kislowski-Gasse 8 im Zentrum der russischen Hauptstadt ließ der Auslandsgeheimdienst das von dem Bildhauer Wladimir Iwanow geschaffene Bronze-Relief samt Granittafel vor dem 20. Todestag anbringen. Wolf, der am 9. November 2006 im Alter von 83 Jahren in Berlin starb, lebte demnach von 1934 bis 1945 in dem Haus. Erinnert wird an ihn auch als Teilnehmer der antifaschistischen Bewegung und als Schriftsteller.
Fast 30 Jahre war Wolf der Chef der sogenannten Stasi-Hauptverwaltung Aufklärung (HVA). Der Ex-General und Stellvertreter von Stasi-Chef Erich Mielke führte rund 4000 Spione. Im Westen galt er lange Zeit als der legendäre "Mann ohne Gesicht", dem auch seine Gegner einen gewissen Respekt zollten; doch wurden auch Verbrechen der Stasi bekannt. Als spektakulärster Erfolg Wolfs gilt die Rekrutierung des Kanzlerspions Günter Guillaume. Seine Enttarnung 1974 führte zum Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt.
Der russische Auslandsgeheimdienstchef Sergej Naryschkin lobte bei der Enthüllung der Tafel "die einzigartige Vielseitigkeit der Persönlichkeit von Markus Wolf". Er sei ein "Mensch von außergewöhnlichen Talenten, (...) ein Patriot Deutschlands und treuer Freund unseres Landes, ein herausragender Geheimdienstprofi, ein tiefsinniger Analytiker und begabter Schriftsteller" gewesen, sagte Naryschkin bereits im September. Wolf habe damals den Geheimdienst in der DDR zu einem der stärksten der Welt gemacht, sagte Naryschkin.
Nach einer Mitteilung des Geheimdienstes dankte auch Wolfs Witwe Andrea Wolf in einem Brief "allen russischen Freunden", die die Erinnerung wachhielten. Die Stadt Moskau teilte mit, dass Wolf gewürdigt werde, weil er Spuren in der Geschichte des Kalten Krieges hinterlassen habe. Auf einer älteren Tafel links neben der neuen wird auch an Wolfs Vater Friedrich Wolf, einen Schriftsteller, und an seinen Bruder, den Regisseur Konrad Wolf, erinnert.