Politik

War da was mit Verhandlungen?Russen attackieren massiv ukrainische Städte

22.10.2026, 08:34 Uhr
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Ein Wohngebiet in Kiew nach einem russischen Raketenangriff. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die Worte klingen verheißungsvoll. Trump spricht von einem nahenden Frieden und der Kreml teilt mit, dass er "im Prinzip" verhandlungsbereit sei. Doch die Realität in der Ukraine bleibt blutig, der Terror geht unvermindert weiter.

Die Ukraine ist erneut Ziel heftiger russischer Angriffe geworden. Wie Bürgermeister Vitali Klitschko am frühen Morgen bei X mitteilte, schlugen die ganze Nacht über Raketen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ein. Die Bewohner mussten demnach in Schutzräume ausweichen.

Berichte ukrainischer Medien zufolge wurde ein Mensch getötet, 22 weitere wurden verletzt. Auch Teile einer U-Bahn-Brücke über den Dnipro wurden laut Klitschko beschädigt. Die ukrainische Luftwaffe warnte in den frühen Morgenstunden vor "weiteren ballistischen Raketen in Richtung Kiew" und forderte die Bewohner auf, in Schutzräumen zu bleiben.

Auch in anderen Teilen der Ukraine griff Russland erneut an: In der nordöstlichen Region Charkiw wurden nach Angaben des dortigen Gouverneurs Oleh Synjehubow eine Frau getötet und vier weitere Menschen verletzt. In der Region Poltawa traf eine Drohne die Energieinfrastruktur in der Gegend von Krementschuk. Die am Dnipro gelegene Stadt ist ein wichtiges Industriezentrum und Standort einer der größten Ölraffinerien der Ukraine.

Russland meldete zudem erneut einen schweren Angriff auf Hafenanlagen in der ukrainischen Region Odessa. Dabei seien in der Nacht auch Schiffe getroffen worden, die von der ukrainischen Armee genutzt würden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.

Auch aus Moskau wurden Angriffe gemeldet. Der Bürgermeister der russischen Hauptstadt, Sergej Sobjanin, teilte mit, dass in der Nacht 630 Drohnen in Richtung der Region gestartet worden seien. Die meisten von ihnen wurden demnach von der russischen Luftabwehr zerstört. Zwei Menschen seien verletzt worden. 163 der Drohnen steuerten laut Sobjanin auf Moskau zu.

Trump redet wieder vom baldigen Kriegsende

US-Präsident Donald Trump hatte sich zuvor zuversichtlich über ein baldiges Ende des Ukraine-Kriegs geäußert. "Vielleicht sind wir jetzt so nah dran wie noch nie", sagte er in Washington. Jedenfalls sei eine Einigung seiner Einschätzung nach nähergerückt.

Trump äußerte sich nach einem Treffen seines Sondergesandten Steve Witkoff mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Witkoff hatte die Diskussionen als "konstruktiv" bezeichnet. Es gebe aber "noch wichtige Arbeit zu erledigen", sagte er weiter.

Witkoff hatte sich am Mittwoch in St. Petersburg mit Putin getroffen, nachdem er tags zuvor in Oslo mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammengekommen war. Nach eigenen Angaben überbrachte er Putin, den er als "Menschenfreund" bezeichnete, "Ideen" für ein Ende des Kriegs.

Moskau zeigte sich anschließend "im Prinzip" zu Verhandlungen mit Washington und Kiew bereit. Die von Witkoff übermittelten Vorschläge der Europäer und der Ukraine für eine Friedenslösung bewertete der Kreml aber kritisch. Kreml-Berater Juri Uschakow sagte, diese würden "nicht viel Substanz enthalten".

Verhandlungen als "Bereicherungsprogramm"

Der Politologe Nico Lange äußert sich skeptisch über ein Zustandekommen von Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine. "In Bezug auf ein großes Friedensabkommen habe ich keine Illusionen", sagte er im Interview mit ntv.de. Wo der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner seien, "gibt es ein Desaster nach dem andern". Und natürlich seien solche Verhandlungen für Trump "immer auch ein Bereicherungsprogramm für Family and Friends".

Laut Lange gibt es zwar Anlass zur Hoffnung, dass man bei einem sektoralen Waffenstillstand weiterkommen kann und der Krieg dann in eine andere Phase eintritt - ohne die Deep Strikes auf zivile Ziele. "Nur: Wenn die USA Putin neue Perspektiven geben, wenn sie Militärhilfe für die Ukraine zurückhalten oder den Ukrainern verbieten wollen, Raffinerien in Russland anzugreifen, dann wird ein Waffenstillstand unwahrscheinlicher." Und selbst wenn USA Geheimdienstinformationen und Starlink zurückhielten, werde der Krieg nicht aufhören, "schon allein deshalb nicht, weil niemand in der Ukraine sich von den Russen erobern lassen will".

Quelle: ntv.de, ghö/dpa/rts/AFP

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