Politik

Kämpfe im Jemen gehen weiterRegierungstruppen wollen Huthis an wichtiger Meerenge zurückgedrängt haben

05.10.2026, 18:27 Uhr
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Der Schiffsverkehr in der Straße von Bab al-Mandeb war wegen der Bedrohung durch die Huthis zuletzt zurückgegangen. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die jemenitische Regierung gelobt, von den Huthis eroberte Landesteile "aus den Fängen der terroristischen Miliz" zu befreien. Kurz darauf vermelden die Truppen einen Erfolg, der Auswirkungen auf den globalen Handel haben könnte. Die Huthis bleiben jedoch weiter gefährlich.

Die vom saudiarabischen Militärbündnis unterstützten jemenitischen Regierungstruppen haben die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab nach eigenen Angaben unter ihre Kontrolle gebracht. Die Einheiten seien entlang der Küste rasch vorgerückt und hätten Schlüsselpositionen im Gebiet um Dhubab eingenommen, sagte der jemenitische Informationsminister Muammar al-Erjani der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Huthi-Rebellen wiesen die Berichte über Geländegewinne der Regierungstruppen jedoch als "völlig unwahr" zurück. Die Meerenge zum Roten Meer und zum Sueskanal ist eine der weltweit wichtigsten Routen für den Öltransport. Ihre Einnahme durch die vom Iran unterstützten Huthis im vergangenen Monat hatte die Energiemärkte erschüttert.

Trotz der Erfolge an der Küste dauern die Kämpfe in der Region an. Erjani erklärte zwar, das Militär habe das Flugfeld von Dhubab eingenommen und verbliebene Huthi-Kräfte abgeschnitten. Wie Insider in der Regierung jedoch erklärten, wird an einem nahegelegenen Militärstützpunkt weiter gekämpft. Die Huthis erzielten ihrerseits Geländegewinne nahe der Stadt Taiz im Südwesten des Landes. Fünf Insidern im Militär zufolge brachten die Rebellen Abschnitte einer wichtigen Verbindungsstraße unter ihre Kontrolle, wodurch die dortigen Regierungstruppen abgeschnitten seien. Taiz ist die drittgrößte Stadt des Jemen und seit Beginn des Bürgerkriegs heftig umkämpft.

Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich vorsichtig optimistisch, dass sich die Lage im Roten Meer entspannen könnte. Die neueste Entwicklung sei "vielleicht ein Grund zu vorsichtigem Optimismus, aber mehr ist es auch nicht", sagte Merz. Vor allem müsse die Straße von Hormus dauerhaft wieder geöffnet werden, auch ohne dass dort Zölle erhoben würden. "Wir tun alles auch von der deutschen Bundesregierung, der Außenminister, Verteidigungsminister, um diesen Konflikt so schnell wie möglich zu beenden, denn wir spüren die Auswirkungen massiv auch in den Energiepreisen."

"Aus den Fängen der terroristischen Miliz"

Die jemenitische Regierung hatte am Sonntag eine Offensive zur Rückeroberung von Gebieten angekündigt. Präsident Raschad al-Alimi gelobte, den Kampf fortzusetzen, "bis das Land aus den Fängen der terroristischen Miliz befreit ist". Saudi-Arabien, das die jemenitischen Regierungstruppen ausrüstet und ausbildet, unterstützt die Kampagne aus der Luft und flog am Montag nach eigenen Angaben Angriffe auf Hunderte Ziele im Jemen. Das von den Huthis geführte Gesundheitsministerium teilte mit, bei den Luftschlägen in der Provinz Sanaa seien zwei Menschen getötet und sieben verletzt worden.

Der Konflikt im Jemen war vor einigen Wochen im Zuge der Spannungen zwischen den USA und dem Iran erneut eskaliert. Eine seit 2022 bestehende Waffenruhe endete. Da der Iran zudem die Straße von Hormus gesperrt hat, bedrohen die Kämpfe im Jemen nun eine weitere zentrale Route für den weltweiten Ölexport, wodurch die globalen Energiepreise weiter gestiegen sind. Der Bürgerkrieg im Jemen begann 2014 mit der Einnahme der Hauptstadt Sanaa durch die Huthis. Eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition intervenierte im folgenden Jahr, um die international anerkannte Regierung wieder an die Macht zu bringen. Der Konflikt führte zu einer der schwersten humanitären Krisen weltweit.

Mitte September hatte der Informationsdienst Marine Traffic über die Schifffahrt in der wichtigen Meerenge Bab al-Mandab berichtet, dass binnen einer Woche jeden Tag mehr als 30 und insgesamt mehr als 230 Durchfahrten registriert worden seien. Der Verkehr habe sich auf einem "niedrigeren aber vergleichsweise stabilen Niveau" eingependelt, hieß es. Die Huthi hatten Anfang September eine neue Offensive im Jemen gestartet und am 11. September die Küstenstadt Mokka eingenommen, woraufhin der Verkehr kurzzeitig zurückging.

Die Huthi teilten damals mit, die Durchfahrten seien "für alle internationalen Handelsschiffe reibungslos und sicher verlaufen", mit Ausnahme saudischer Schiffe. Für saudische Schiffe hatte die Miliz im Juli eine "Blockade" verhängt und daraufhin mehrere Schiffe angegriffen oder zu Kurswechseln gezwungen.

Die vom Iran unterstützte Miliz hat aber versichert, dass internationale Schiffe die Meerenge weiterhin sicher durchfahren können. Trotzdem gab es Befürchtungen, dass hier nach der Straße von Hormus das nächste Nadelöhr im internationalen Schiffsverkehr faktisch geschlossen werden könnte.

Quelle: ntv.de, dsc/rts/dpa

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