Politik

Zentralrat rät ihr zum RuhestandClaudia Roth irritiert mit Israel-Kritik - und attackiert ihre Gegner

06.11.2026, 13:34 Uhr
imageVon Nico Fried, Paul Krauß und Julius Betschka
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Ex-Kulturstaatsministerin Claudia Roth sitzt für die Grünen weiter im Bundestag. (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

Nach Äußerungen zum Gaza-Krieg ist Claudia Roth mit dem Vorwurf konfrontiert, Deutschlands historische Schuld zu relativieren. Jetzt wehrt sich die Grünen-Politikerin im "Stern" vehement.

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth hat Vorwürfe entschieden zurückgewiesen, sie relativiere in der Israel-Debatte die deutsche Schuld. "Die Unterstellungen gegen mich sind absolut inakzeptabel", sagte Roth dem "Stern". "Die Aufarbeitung der Verbrechen der deutschen Geschichte und die immerwährende Verantwortung, die daraus erwächst, sind schon mein ganzes politisches Leben lang eines meiner wichtigsten Anliegen. Das war immer so und das bleibt auch so. Ich widerspreche jeglicher anderslautenden Interpretation meiner Worte deutlich."

Die Grünen-Politikerin hatte zuvor eigene Äußerungen aus ihrer Zeit als Kulturstaatsministerin zum Krieg in Gaza in einem Podcast als Fehler bezeichnet und diese auch mit "unfassbarem Druck vom Zentralrat" begründet. Freunde hätten sie gefragt, wann sie sich endlich von "der Schuld der Geschichte" befreie. Roth betonte gegenüber dem "Stern", die Aussagen ihrer Freunde habe sie sich "nicht zu eigen gemacht", sondern lediglich zitiert.

Aus dem Umfeld des Zentralrats der Juden gibt es scharfe Kritik an den Äußerungen der Grünen-Politikerin zum Nahostkonflikt. Roth erfinde eine "jüdische Verschwörung". Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, ihr Grünen-Kollege Volker Beck, sieht "Muster klassischer deutscher Schuldabwehr".

Was hat Roth gesagt?

Im Podcast von "Jung & Naiv" blickte Roth auf ihre Zeit als Kulturstaatsministerin zurück. Damals hatte es rund um das Filmfestival Berlinale wiederholt Kritik an ihrer Haltung zum Nahostkonflikt gegeben, von Palästinensern und Israelis. Roth spricht heute von einer "toxischen Debatte". Die eine Seite habe ihr vorgeworfen, sie sei antisemitisch, die andere, sie sei "israelgesteuert". Es sei "plötzlich infrage gestellt" worden, dass sie gegen Antisemitismus und Rassismus sei. Sie sei auch "gezielt und kampagnenmäßig ausgepfiffen" worden. Das sei die "schlimmste Zeit" in ihrem Leben gewesen.

Der mediale Druck sei massiv gewesen. "Es war so ein unfassbarer Druck, vom Zentralrat, von unglaublich vielen Kreisen", so Roth weiter. Sie sei "zu schwach" gewesen oder "überfordert".

Damals hatte Roth einen palästinensischen Filmemacher deutlich dafür kritisiert, das Vorgehen Israels in Gaza einen Genozid zu nennen. Auch den Begriff "Apartheid" für die Situation im Westjordanland wies sie zurück. "Das war eindeutig ein Fehler", sagt Roth in dem Podcast. Wenn Palästinenser im Westjordanland nicht mehr auf der Straße fahren dürften, wie es ein israelischer Minister sage, dann sei das Apartheid. Das "laute Schweigen" zu Gaza sei "unanständig".

Zentralrat empfiehlt Roth den Ruhestand

"Manche guten Freunde von mir - ausländische Freunde - sagen: 'Wann befreist du dich endlich von dieser Schuld der Geschichte, oder wann gehst du anders damit um und wann wirst du so frei, anders damit umzugehen?' Und das war eine Situation, wo ich es nicht konnte", so Roth weiter.

Ob sie mit ihrer Darstellung, sie habe sich die Aussagen der Freunde nicht zu eigen gemacht, sondern nur zitiert, die Debatte beruhigen kann, ist unklar. Im Zentralrat der Juden ist man über ihren Podcast-Auftritt jedenfalls entsetzt. Dort heißt es gegenüber dem "Stern", dass Roth "im Kampf gegen die politische Bedeutungslosigkeit anscheinend jedes Mittel recht" sei. Es sei an der Zeit für die Politikerin, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf stern.de.

Quelle: ntv.de

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