Ein Krieg nach dem anderenChodorkowski: Putin stoppt nicht mit der Ukraine

Soll man Kremlchef Putin in der Ukraine nur freie Hand lassen, damit er Frieden gibt? Diese Hoffnung hegt so mancher im Westen. Der einstige russische Oligarch Chodorkowski, der den Zorn des Kreml am eigenen Leib erfahren hat, sieht das anders.
Der russische Oppositionelle Michail Chodorkowski warnt vor einem weiteren Krieg von Wladimir Putin, sollte ein Frieden in der Ukraine umgesetzt sein. "Nach einiger Zeit wird er den nächsten Krieg beginnen müssen", sagte Chodorkowski im Podcast Table Today am Rande einer Veranstaltung des Zentrums Liberale Moderne in Berlin. Putin habe bereits viermal einen Krieg begonnen, um innenpolitische Probleme zu lösen. Diese blieben aber auch nach einem möglichen Ende des Ukraine-Kriegs bestehen. Chodorkowski hat nach seinem Bruch mit Putin 2003 mehr als zehn Jahre in russischen Straflagern und Gefängnissen verbracht.
Nach Ansicht des Kreml-Kritikers schließt sich für Putin das Zeitfenster für eine Verlängerung des Krieges in der Ukraine Ende des nächsten Jahres. Die russische Gesellschaft werde zunehmend kriegsmüde. Seit Ende 2025 sei der Krieg für die Bevölkerung spürbarer geworden, vor allem wegen der ukrainischen Angriffe auf die russische Infrastruktur. Eine innerrussische Revolution gegen den Machthaber im Kreml erwartet Chodorkowski allerdings nicht. Die überwältigende Mehrheit der Russen wolle den Krieg beenden, allerdings zu den Bedingungen eines russischen Sieges.
Scharf kritisiert Chodorkowski die Russland-Strategie des US-Präsidenten Donald Trump. Er sieht in den jüngsten Angeboten Trumps einen Fehler. Der US-Präsident gehe auf Putin zu, ohne zugleich maximale militärische Entschlossenheit zu demonstrieren. Trump hätte vor einer Einigung mit Putin etwa mit der Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern an die Ukraine beginnen und Tausende weitere in Aussicht stellen sollen. Relevanten Einfluss auf den russischen Diktator hätten ohnehin nur die USA und China, sagte Chodorkowski. Europa wirke auf Putin schutzlos: "Und was schutzlos ist, frisst man."
Auch die Sanktionspolitik des Westens kritisiert Chodorkowski. Fast fünf Jahre nach Kriegsbeginn fehle ein klares Verfahren, das Betroffenen aufzeige, unter welchen Bedingungen sie von Sanktionen befreit werden könnten. Damit verpasse der Westen die Chance, einflussreiche Menschen aus dem Putin-Regime herauszulösen und dessen Kriegsmaschinerie zu schwächen.