Politik

Erste Wortmeldung nach FluchtBolsonaro erklärt sich zum wahren Wahlsieger Brasiliens

28.10.2026, 22:07 Uhr
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Seine Partei räumt die Wahlniederlage ein, aber Bolsonaro will sich nicht damit abfinden: Der brasilianische Präsidentschaftskandidat meldet sich erstmals nach seiner Flucht in die USA - und sieht sich als Opfer eines angeblichen Betrugs.

Nach seiner Flucht in die USA hat sich der bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien unterlegene Rechtspopulist Flávio Bolsonaro zum Wahlsieger erklärt. "Ich bin der gewählte Präsident, und die Kriminellen, die die Wahl in Brasilien gestohlen haben, sind Teil einer kriminellen Organisation, die eine Tyrannei errichtet hat", behauptete Bolsonaro in einem offenen Brief.

Bolsonaro prangerte zudem "Wahlbetrug" an und kündigte an, die brasilianische Opposition künftig aus den USA anzuführen. Irgendwelche Beweise legte er nicht vor. Bolsonaro dankte dem argentinischen Präsidenten Javier Milei und dem US-Präsidenten Donald Trump für ihre Unterstützung. Milei soll Bolsonaros Ausreise in die USA über Argentinien ermöglicht haben. Argentinischen Behörden zufolge reiste der Senator trotz eines Ausreiseverbots auf dem Landweg in das Nachbarland und flog von dort nach Ecuador. Von Ecuador ging es dann offenbar weiter nach Miami im US-Bundesstaat Florida.

Nach der Wahl war Bolsonaro einer Anordnung des Obersten Gerichts in Brasilien nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Der in rechten Kreisen geradezu verhasste Richter Alexandre de Moraes hatte Bolsonaros Reisepässe ungültig machen lassen und ihm untersagt, das Land zu verlassen.

Trump: "Werde mich nicht einmischen"

Bei der Stichwahl am Sonntag hatte Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva 51,8 Prozent der Stimmen erhalten, Bolsonaro kam auf 48,2 Prozent. Bolsonaros Liberale Partei räumte die Niederlage ein, er selbst erkannte sie jedoch nicht an. Zudem kündigte er bereits am Wahlabend rechtliche Schritte an.

Das US-Außenministerium hatte der Familie Visa zugesagt. Medienberichten zufolge wollte Bolsonaro in den USA Asyl beantragen. US-Präsident Trump, der der Bolsonaro-Familie politisch nahesteht, hatte bereits Zweifel an Lulas Wahlsieg geäußert und von einer "manipulierten Wahl" gesprochen. Tiefer einsteigen will der Präsident nun aber offenbar nicht. Vor Journalisten sagte er, nach dem sich Bolsonaro zum "gewählten Präsidenten" erklärt hatte: "Dazu werde ich mich nicht äußern, aber ich weiß, dass wir ihm die Einreise ins Land ermöglicht haben. Wir werden sehen", so Trump auf dem Militärstützpunkt Joint Base Andrews über Bolsonaro. "Aber ich werde mich nicht einmischen. Es war auf jeden Fall eine sehr merkwürdige Wahl."

Nach Bolsonaros Ankunft in den USA wollte er sich nach eigenen Angaben aber nicht weiter

Die brasilianische Polizei ermittelt gegen Bolsonaro unter anderem wegen Korruptions- und Geldwäscheverdachts im Zusammenhang mit einem Film über seinen inhaftierten Vater Jair Bolsonaro. Dieser war wegen eines Umsturzversuchs nach seiner Wahlniederlage 2022 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Quelle: ntv.de, ses/AFP/dpa

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