Fiese Kaltluft und NebelZum November-Start macht sich der Winter breit

Am Wochenende endet der goldene Oktober und wir starten in den November. Das Wetter scheint sich daran halten zu wollen. Neben Nebel und Frost tauchen in den Wettermodellen immer mehr Schneeflocken auf, berichtet ntv-Meteorologe Paul Heger.
ntv: Der Oktober ist schon wieder vorbei, war er nur gefühlt goldener als sonst?
Paul Heger: Da ist schon etwas dran, wenn man in manche Regionen schaut. Gerade Niederbayern, die Pfalz, das Rheinland oder die Nordsee hatten mehr Sonne als üblich. Andere hinkten da etwas hinterher. Im Deutschlandmittel werden wir aber recht deutlich über 100 Prozent der üblichen Sonnenausbeute verbuchen können. Dazu war es überdurchschnittlich warm. Aber der Oktober hatte ja auch seine anderen Seiten.
Es hat endlich mal geregnet und war recht stürmisch.
Genau. Und damit hatte der Oktober alles, was man wohl von einem Herbstmonat erwarten kann. Besonders von Baden-Württemberg über den Westen bis an die Küsten war es sogar nasser als üblich. Das war unglaublich wichtig und hat die Flüsse zumindest zwischendurch mal entlastet. Leider reicht das noch nicht aus und auf der anderen Seite, von Bayern bis zur Uckermark, gab es teils deutlich zu wenig Regen.
Kommt denn weiterer Regen in den nächsten Tagen?
Nicht viel. Die Wetterlage hat sich jetzt wieder umgestellt. Hochs bestimmen, was über unseren Köpfen abgeht. Damit bleibt es trocken mit etwas Sonne, aber auch viel Nebel. Zumindest die Feuchtigkeit in der Luft ist herbsttypisch hoch.
Woher kommt es, dass gerade der Herbst so feucht und neblig ist?
Im Sommer wird die Luft immer wärmer und saugt Feuchtigkeit auf. Die Meere werden wärmer und dampfen zwar unsichtbar, aber fleißig. Diese Feuchtigkeit sehen wir manchmal, wenn es zu Starkregen kommt. An sich bleibt sie aber in der warmen Atmosphäre gebunden. Wenn es dann im Herbst kühler wird, kann die Luft diese Feuchtigkeit nicht mehr halten. Es bilden sich kleine Tröpfchen in der Luft und auf Oberflächen. Das sind dann Nebel und Tau.
Die kommenden Tage bringen dann also viel Nebel?
Ja, schon der Freitag wird oft richtig trüb starten. Die Berge gucken aus der Suppe häufiger noch raus. Im Laufe des Tages wird sich die Sonne im Süden und bis zum Rheinland wohl häufiger zeigen können. Weiter nördlich wird es schwierig. Am Samstag wird die Nebel- und Hochnebeldecke sogar noch dichter und zäher. Auch Sprühregen fällt dann im Norden und Osten häufiger raus. Hier kommt nämlich noch kältere Luft an. Uns streift im Osten ein Tief, das Luft aus Regionen wie Finnland zu uns lenkt.
Moment: Luft aus Finnland zu dieser Zeit? Das klingt kalt.
Das ist die volle Ladung Novemberwetter, ja. Am Freitag schaffen wir verbreitet noch Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad. Am Sonntag sind wir in einigen Regionen dann nur noch bei 5 bis 10 Grad. Da die Luft aber so pitschnass ist, gibt es in den Nächten oft Wolken und Nebel, sodass es nur selten Frost gibt. Würde die Wolkendecke fehlen, hätten wir schon verbreitet Frost.
Das klingt ja fast nach Winterwetter zum Wochenende.
So weit würde ich nicht gehen, denn solche Temperaturen gehören zu dieser Jahreszeit. Es war nur zuletzt verbreitet zu mild und die Umstellung spürt man dann stärker. Im Südwesten mit etwas mehr Chancen auf Sonnenschein wird es sich einfach herbstlich und teils sogar ganz nett anfühlen. Anders allerdings in Richtung Erzgebirge, Thüringer Wald, Bayerischer Wald, Alpen. Hier werden wir wohl ein paar Flocken sehen, die vielleicht auch mal bis auf knapp unter 1000 Meter rieseln.
Es wird am Sonntag weiß in Teilen Deutschlands?
Auch da muss ich bremsen: Ja, in den höchsten Lagen wird es wieder anzuckern. Die Mengen sind aber überschaubar. Weiter unten muss man bedenken, dass die Böden immer noch sehr warm sind. Es ist unwahrscheinlich, dass der Schnee liegen bleibt. Wenn, dann nur ganz kurz. Aber in den Bergen wird es spannend, gerade mit Blick auf nächste Woche.
Ist noch mehr Schnee in Sicht?
Wie ich vorhin sagte, hat sich die Wetterlage umgestellt. Mit dem neuen Hoch, das meist westlich von uns liegt, rutschen wir jetzt für einige Zeit in eine nördliche Strömung. Die bringt uns am Wochenende den ersten Schwall kälterer Luft mit den angesprochenen Chancen auf Flocken. In der kommenden Woche bleibt diese Wetterlage bestehen. Wie viel Feuchtigkeit dann dabei ist, hängt von sehr unsicheren Entwicklungen ab - von neuen Tiefs, von der genauen Windrichtung, der genauen Lage des Hochs und so weiter.
Nur golden und mild wird es anscheinend nicht mehr?
So mild wie zuletzt nicht, nein. Im Westen und Südwesten sind die Chancen noch am größten, dass es in den nächsten Wochen wieder milder wird. Ich denke aber, dass es insgesamt ganz der Jahreszeit entsprechend weiter nach unten geht. Sobald die Nächte klar sind, wird es häufiger frostig und damit könnte es bei Nebellagen auch tagsüber empfindlich frisch bleiben. Goldene, sonnigere Phasen wird es aber auch in den kommenden Wochen geben. Und selbst wenn ganz Deutschland unter einer Hochnebeldecke liegen sollte, gucken ja immerhin unsere Berge raus aus dem Dauergrau.