Panorama

Dramatische Szenen bei ZugunfallTragödie in Spanien: "Menschen flogen durch die Luft"

28.10.2026, 19:40 Uhr
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Hinterbliebene warten auf Antworten. (Foto: REUTERS)

Nach nur neun Monaten kommt es in Spanien erneut zu einem Zugunglück. Mindestens 68 Menschen kommen ums Leben. Augenzeugen berichten von dramatischen Momenten - während der Tragödie und auch danach.

Nach dem verheerendem Zugunglück in Spanien mit mindestens 68 Toten schildern Überlebende dramatische Szenen. Jesús Jerónimo saß in einem Waggon des Renfe-Zuges und arbeitete an seinem Laptop. "Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft", sagte der 54-Jährige der Zeitung "El País".

"Es war brutal", erzählte Dirk, ein junger Tourist aus dem US-Staat Florida, im RTVE-Interview. "Überall Blut, Schreie. Menschen heulten. 'Schnell raus hier' habe ich zu meiner Frau gesagt." Der Pfarrer von Urda kämpfte im Gespräch mit RTVE mit den Tränen: "Es war erschütternd, sehr, sehr hart. Ich konnte einigen Verletzten helfen, andere Betroffene in den Arm nehmen und ihnen Trost spenden." Ein Psychologe, der in Madrid Angehörige möglicher Opfer betreute, sagte im Fernsehen: "Es ist wie in einem Horrorfilm."

"Wir hörten ein gewaltiges Dröhnen, einen wirklich enormen Schlag, der zehn Sekunden andauerte, als ob der Zug entgleisen würde", sagte ein Augenzeuge dem Radiosender COPE. Eine andere Passagierin berichtete, sie habe nach dem Aufprall und der Evakuierung ein Bild der Verwüstung mit einem brennenden Waggon gesehen. "Ich habe Tote gesehen", sagte sie.

Kritik an der Regierung

Am Morgen kam es nahe Urda in der Provinz Toledo, etwa 130 Kilometer südlich von Madrid, zur Tragödie. Dort stießen zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammen. In beiden Zügen waren nach amtlichen Angaben insgesamt rund 540 Passagiere von Madrid nach Andalusien unterwegs. Die Zahl der Todesopfer könne noch weiter als 68 steigen, sagte am Unglücksort der Präsident der Region Kastilien-La Macha, Emiliano García-Page. Die Zahl der Schwerverletzten wurde mit rund 50 angegeben. 

Das Unglück sei auf eine "unerklärliche" und "falsche" Entscheidung der Bahnleitstelle zurückzuführen, sagte Verkehrsminister Óscar Puente. Obwohl das automatische Zugsicherungssystem nach einem Computerausfall noch nicht wieder funktionierte und alle Züge auf einer Strecke von 63 Kilometern standen, sei dem Renfe-Zug grünes Licht zur Weiterfahrt gegeben worden. Ob menschliches Fehlverhalten vorliege, müsse die Untersuchung klären. Mit dem betreffenden Mitarbeiter habe man bislang nicht gesprochen, sagte Puente.

Nur neun Monate nach einer ähnlichen Bahnkatastrophe, bei der im Januar 46 Menschen ums Leben kamen, wirft die neue Tragödie viele unbequeme Fragen auf. Das moderne Hochgeschwindigkeitsnetz des Landes stand lange für Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Es ist auch bei Touristen beliebt. Jetzt fragen sich viele: Hat Spanien vielleicht ein strukturelles Problem?

Noch vor den Worten von Puente sagte Rafael Escudero, Sprecher der Eisenbahngewerkschaft: "Ich sage schon seit langem, dass der Zustand unseres Bahnnetzes nicht angemessen ist." Die Lokführergewerkschaft hält derweil an ihrem für morgen geplanten Streik fest. Sie hatte ihn bereits am 16. Oktober angekündigt, um Verbesserungen bei der Sicherheit zu fordern.

Vor der vorgezogenen Parlamentswahl vom 29. November dauerte es nicht lange, bis Oppositionspolitiker der linken Regierung von Pedro Sánchez die Schuld am Unglück gaben. "Korruption tötet", die Regierung sei kriminell, sagte etwa der Chef der rechtspopulistischen Partei Vox, Santiago Abascal. Mehrere Experten wiesen Spekulationen als "verfrüht" zurück.

"Ganz Spanien trauert heute", sagte Regierungschef Sánchez am Unglücksort. Er versicherte: "Wir werden der Sache bis zum Ende nachgehen. Sollte es Fahrlässigkeit gegeben haben, wird das ans Licht kommen." Zwei Bahnunglücke innerhalb von neun Monaten seien "inakzeptabel". Im ganzen Land wurden Schweigeminuten abgehalten, politische und andere Termine sowie Fußballspiele wurden abgesagt. An Bahnhöfen bildeten sich lange Schlangen, Medien sprachen von Chaos.

Quelle: ntv.de, ses/dpa/rts

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