Panorama

"Koordinierte Störkampagne"?Neue Bombendrohungen gegen Flüge - deutscher Luftraum betroffen

06.11.2026, 16:54 Uhr
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Mehrere Flüge quer durch Europa werden bedroht - auch Maschinen des Billigfliegers Wizz Air sind betroffen. (Foto: picture alliance/dpa/APA | Georg Hochmuth)

Die Fälle häufen sich: Seit Dienstag gehen zahlreiche Bombendrohungen gegen Flüge im europäischen Luftraum ein - nun kommen weitere dazu. Auch in anderen Branchen gibt es nahezu identische Vorfälle.

Die Serie rätselhafter Bombendrohungen im europäischen Luftverkehr hält an. Am Freitag wurden nach Angaben von Flughäfen und Behörden weitere 16 Fälle gemeldet. Mindestens vier der jüngst bedrohten Flüge gingen durch den deutschen Luftraum. Das Karlsruher Center der Deutschen Flugsicherung für den oberen Luftraum habe Informationen über die Drohungen an die Crews und an die benachbarten Flugsicherungen weitergeleitet, sagte eine Sprecherin. Bombendrohungen kämen zwar immer wieder vor, in dieser Häufung seien sie aber ungewöhnlich. Deutsche Airlines und Flughäfen sind nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums bislang nicht betroffen.

Die Drohungen gingen unter anderem gegen elf Flüge von und nach Prag und Sofia ein, wie der Prager Flughafen und die bulgarische Regierung mitteilten. Vier Maschinen landeten wegen Bombendrohungen außerplanmäßig in Frankreich. Sprengsätze wurden nicht gefunden. Auch gegen einen geplanten Ryanair-Flug von Lissabon nach Rom ging nach Angaben der portugiesischen Behörden eine Bombendrohung ein.

Erst am Donnerstag hatte es Bombendrohungen gegen fast 30 Flüge im europäischen Luftraum gegeben, mehrere Maschinen wurden umgeleitet oder von Militärflugzeugen eskortiert. Betroffen waren vor allem Billigfluggesellschaften. Alle Flugzeuge konnten sicher landen, Sprengsätze wurden nicht gefunden. Am Dienstag waren zehn Flugzeuge auf innereuropäischen Verbindungen von Bombendrohungen betroffen, die sich später als falsch herausstellten. Am Montag war eine Maschine von Wizz Air wegen einer Drohung umgeleitet worden.

Bislang ist unklar, wer hinter den Drohungen steckt. In einigen Fällen gingen Bekennerschreiben ein, in denen von "Kämpfern des Männerstaats" die Rede ist, eine rechtsextreme Gruppierung aus Russland. Ein Zusammenhang ließ sich zunächst nicht belegen. Die Bombendrohungen seien "im Zusammenhang mit den hybriden Angriffen auf europäische Staaten" zu sehen, sagte der Experte Jean-Marc Rickli vom Geneva Centre for Security Policy (GCSP). Bei minimalen Kosten hätten sie große Auswirkungen auf den Luftverkehr und auf das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung.

Mehrere Behörden in europäischen Ländern ermitteln inzwischen zu den Vorfällen. Die EU-Kommission aktivierte als Reaktion auf die angespannte Situation einen Mechanismus zum grenzübergreifenden Informationsaustausch, wie eine Sprecherin bestätigte. Die Brüsseler Behörde koordiniert die Absprachen der betroffenen EU-Länder demnach. Auch die europäische Flugsicherheitsagentur EASA mit Sitz in Köln ist an dem Austausch beteiligt.

Frankreichs Justiz leitete Vorermittlungen ein, hieß es aus dem Amt des französischen Premierministers. Die tschechische Polizeieinheit für den Kampf gegen Extremismus, Terrorismus und Cyberkriminalität ermittelt ebenso. Irlands Behörden beschäftigen die Drohungen ebenso.

Medienhäuser räumen Büros

Auch in anderen Branchen gibt es nahezu identische Vorfälle. Redaktionen in Irland und Bulgarien erhielten Droh-E-Mails von einem Absender namens Michail Andropow. Der irische Rundfunksender RTE evakuierte daraufhin seine Büros - ebenso handelten die Redaktionen der Zeitung "Irish Independent", der Radiosender Newstalk und Today FM sowie der Fernsehsender Virgin Media. Auch der britische Sender Sky berichtete über eine Sicherheitsbedrohung. Die E-Mails mit dem Betreff "Botschaft an den Westen" kündigten weitere Angriffe auf Verkehrsmittel in Europa an. Irlands Premierminister Simon Harris sprach von einer "ernsten Lage". Sprengsätze wurden nicht gefunden.

Ein Zusammenhang mit den Bombendrohungen gegen Flugzeuge in ganz Europa liege nahe, erklärte die Regierung in Dublin: "Es scheint wahrscheinlich, dass es sich um eine koordinierte Störkampagne handelt." Die Folgen seien schwer, betonte ein Regierungssprecher: "Falsche Drohungen wie diese verursachen Angst, Stress und Störungen." Polizei, Armee, Luftfahrtbehörden und Cyberspezialisten täten alles, "um die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen".

Quelle: ntv.de, nbr/AFP/dpa/rts

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