Wähler wussten von nichtsBritischer Gemeinderat zieht nach Ägypten - und kassiert weiter ab

Ein britischer Gemeinderat erledigt seine Aufgaben inzwischen aus Tausenden Kilometern Entfernung und erhält weiter eine üppige Aufwandsentschädigung. Rechtlich ist das offenbar möglich, politisch sorgt der ungewöhnliche Umzug für Ärger.
Ein britischer Gemeinderat ist nach Afrika gezogen, hat sich aber nicht die Mühe gemacht, seine Wähler darüber zu informieren. Der Politiker Neil McLennan nimmt seine kommunalen Aufgaben im schottischen Moray (Wahlbezirk Buckie) weiterhin wahr, steht aber nun in der Kritik, weil er weiterhin eine stattliche Aufwandsentschädigung erhält, die an seine Präsenz in der Gemeinde gekoppelt ist.
Gemäß den Wählbarkeitsvoraussetzungen für Gemeinderäte muss man lediglich zum Zeitpunkt der Wahl im Wahlbezirk wohnen. Eine der wichtigsten Aufgaben eines Ratsmitglieds ist jedoch laut der Website des Moray Council, "viel Zeit mit den Wählern zu verbringen, indem man Sprechstunden ohne Voranmeldung abhält".
Daran ist auch die Aufwandsentschädigung gekoppelt, die McLennan weiterhin erhält. Sie beläuft sich auf rund 26.000 Pfund (30.000 Euro). Die Vorsitzende des Moray Council, Kathleen Robertson, erklärte gegenüber der BBC: "Ratsmitglied McLennan beharrt darauf, dass er nach wie vor ein Vertreter des Wahlbezirks Buckie ist, obwohl ich weiß, dass er derzeit in Ägypten arbeitet." Zwar könne er weiterhin online an einigen Angelegenheiten teilnehmen und seine Aufgaben wahrnehmen, doch als Ratsmitglied müsse McLennan selbst entscheiden, ob er seine Wähler angemessen vertreten könne.
So schnell wird McLennan aber nicht nach Schottland zurückkehren. Er hat in Kairo eine Stelle als stellvertretender Schulleiter am Malvern College, einer britischen internationalen Schule, angenommen. Zuvor unterrichtete er an der schottischen Nairn Academy. Das Schuljahr am Malvern College hat allerdings erst im September begonnen. Spätestens im Mai 2027 muss sich McLennan in seinem Wahlbezirk wieder blicken lassen - dann steht die nächste Wahl zum Moray Council an.