Panorama

Mindestens 14 Frauen sind OpferSerienvergewaltiger in Berlin zu 12 Jahren Haft verurteilt

28.10.2026, 15:59 Uhr
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Der Verurteilte soll den Frauen Betäubungsmittel in ihre Getränke gemischt haben. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Es ist ein lang erwartetes Urteil in einem grausamen Vergewaltigungsprozess: Ein 69-Jähriger hat mindestens 14 Frauen betäubt, vergewaltigt und einige von ihnen währenddessen gefilmt. Die Opfer erfuhren erst durch die Polizei von den Taten.

Wegen einer Serie von Vergewaltigungen zuvor betäubter Frauen ist ein inzwischen 69-Jähriger zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Zudem ordnete das Landgericht Berlin die anschließende Sicherungsverwahrung an. Die Unterbringung des Angeklagten nach verbüßter Strafhaft sei erforderlich, weil er weiterhin gefährlich für die Allgemeinheit sei, so die Richter. Einigen Opfern muss der Mann Zehntausende Euro Schmerzensgeld zahlen.

Der Angeklagte habe "bewusst nach Opfern gesucht", sagte der Vorsitzende Richter Jakob Weber. Er sprach von einem Verfahren, das alle Beteiligten mitgenommen habe.

Das Gericht sprach den geständigen Deutschen der Vergewaltigung in 22 Fällen sowie der gefährlichen Körperverletzung und in einigen Fällen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen schuldig. 14 Frauen habe er bei Treffen in seiner Wohnung in Berlin-Lichtenberg mit sedierenden Substanzen im Getränk betäubt, dann vergewaltigt und dabei gefilmt.

Die Opfer wurden zu ihrem Schutz unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt. Einige der Nebenklage-Anwälte hatten auch audiovisuelle Vernehmungen beantragt - "es besteht die Gefahr schwerwiegender gesundheitlicher Nachteile bei einem direkten Zusammentreffen mit dem Angeklagten", sagte eine Anwältin.

14 Frauen sagten im Prozess aus. Sie hatten erst im Zuge der Ermittlungen erfahren, was ihnen angetan wurde. Der Elektriker hatte seine Opfer aus Berlin und Brandenburg über Online-Dating-Plattformen kennengelernt. Teils gab er sich als Polizeikommissar aus, teils als Bundeswehrpilot. In den Kontakten soll er sich charmant und romantisch gezeigt haben.

Die Frauen kamen freiwillig mit in seine Wohnung. Dort bot er ihnen laut Anklage alkoholische Getränke an, denen er eine "sedierende Substanz" untermischte. Als sich die Frauen schließlich in einem "der Bewusstlosigkeit zumindest ähnlichen Zustand befanden, in dem sie keinerlei Wahrnehmungen machen konnten und nicht in der Lage waren, sich zu äußern oder zu wehren", habe er sie vergewaltigt.

Wegen 44 weiteren mutmaßlichen Opfern

Bei einigen der Frauen war nach den Treffen mit dem Mann zwar teils ein komisches Gefühl zurückgeblieben, teils klagten sie über Schwindel und Übelkeit - eine Erinnerung an sexuelle Handlungen hatten sie jedoch nicht.

Dutzende Frauen soll der 69-Jährige nach den Ermittlungen der Polizei bei Treffen in seiner Wohnung betäubt, vergewaltigt und dabei gefilmt haben. Im aktuellen Verfahren ging es um Übergriffe auf 14 Frauen im Alter von seinerzeit 50 bis 60 Jahren. Angeklagt waren 22 Fälle in der Zeit von 2016 bis 2022. Wegen weiterer mutmaßlicher Taten zum Nachteil von 44 Frauen wird noch ermittelt. Seit März befindet er sich in Untersuchungshaft.

Der gelernte Elektriker hatte die Taten zu Prozessbeginn Anfang August gestanden. "Die Vergewaltigungen räume ich ein", erklärte der Mann über seinen Verteidiger Jochen Schöfthaler. Der 69-Jährige soll in nicht öffentlicher Verhandlung gesagt haben, er sei "die ganze Zeit von seinen sexuellen Gedanken gefangen gewesen". Er habe seine sexuellen Bedürfnisse nicht ohne Straftaten befriedigen können.

Ein psychiatrischer Gutachter habe allerdings im Zusammenhang mit einer möglichen Sexualpräferenzstörung keine Anhaltspunkte für eine verminderte oder aufgehobene Steuerungsfähigkeit festgestellt, hieß es im Prozess. Nach Aktenlage sei er kontrolliert vorgegangen. Auch habe er parallel zu den angeklagten Taten eine Beziehung geführt, die von seiner damaligen Lebensgefährtin als einvernehmlich und normal erlebt worden sei.

Ins Visier der Ermittler geriet der Berliner nach einem Hinweis der Polizei in Verden an der Aller in Niedersachsen. Der Angeklagte soll Chat-Partner eines Mannes dort gewesen sein, gegen den Anfang 2025 ermittelt wurde. Dieser soll sich an seiner Frau vergangen haben.

Das erinnert an den weltweit bekannt gewordenen Fall der Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden war.

Der Angeklagte soll in einschlägigen Chats als "Zeppelin 70" unterwegs gewesen sein. Dort soll er sich auch nach Möglichkeiten erkundigt haben, wie man Frauen betäuben kann, um sich dann an ihnen zu vergehen. Eine "extreme Entmenschlichung" habe sich in Täter-Chatgruppen gezeigt, in denen der Angeklagte unterwegs gewesen sei, schilderte eine Ermittlerin. Frauen seien als "Ware gehandelt worden".

Schlafmittel, Spritzen und Kanülen in Kisten und Koffern

Bei zwei Durchsuchungen im Juni 2025 und März 2026 in seiner Wohnung wurden nach Angaben eines Polizeibeamten "sehr, sehr viele Datenträger" sichergestellt. Eine Kamera sei im Schlafzimmer fest installiert gewesen in Richtung Bett und auf "24/7" in Betrieb gewesen. Die Polizisten stießen auf penibel geführte Unterlagen zu Aufnahmen. Zudem wurden Schlafmittel, Spritzen und Kanülen in Kisten und Koffern sichergestellt.

Mit dem Urteil folgte das Gericht im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 13 Jahre Haft sowie anschließende Sicherungsverwahrung beantragt hatte. Der Verteidiger plädierte auf eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als acht Jahren und forderte, eine mögliche Sicherungsverwahrung allenfalls vorzubehalten. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: ntv.de, Marion van der Kraats und Anne Baum, dpa

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