Sommerhaus - Folge 5"Warum haben wir zugelassen, dass so viele Doofe berühmt werden?"
Von Verena Maria Dittrich
Hati reguliert die Kippen, Alex erklärt seine Freundin zum Fehler und Nico weiß nicht, was ein Substantiv ist. Während im Sommerhaus die Blitzbirnen um Allianzen, Nominierungsschutz und die letzten Reste des Burgfriedens kämpfen, zieht mit der Stoeckel endlich ein echter Star ein. Ein Novum gibt es auch: Erstmals geht die Sonne im Norden unter.
Eines muss man unserem RTL lassen: Im Sommerhaus wird der Bildungsauftrag noch ernst genommen. Wir kennen sie zur Genüge, all die schlechten Nachrichten über Pisa, Lehrermangel und darüber, dass die Bildung in diesem Land rapide abnimmt. Und während überall noch über die Gründe des Abwärtstrends in der Bildung gezetert und gebarmt wird, werden die Probleme in Bocholt-Barlo direkt angegangen. Also, was ist eigentlich ein Substantiv?
Wer der Meinung ist, in Folge fünf würde das ohnehin schon überschaubare Niveau noch weiter sinken, liegt vollkommen falsch. Es liegt nämlich inzwischen so tief, dass man schon ziemlich weit buddeln müsste, um es noch mal nach oben zu befördern. Auch die Stimmung nach dem freiwilligen Abgang unseres liebsten Schlagerduos Vanessa und Giovanni ist im Keller. Schluss aber mit der Analyse, wir müssen uns ranhalten, die wichtigsten Fragen überhaupt zu klären: Wer mit wem gegen wen und vor allem: Warum?
Anitas treuer Adjutant Fabrice muss auf die "ganzen falschen Gesichter" im Haus, wie er es nennt, erst mal klarkommen. Die Allianzen wackeln und Nico und Anita müssen jetzt "einfach gucken, wie sie die Leute auseinanderkriegen". Am meisten aber nervt es die Dampfplauderin, dass "alle einen auf Bro tun". Ist es zu fassen, dass es im Haus Leute gibt, die harmonisch am Frühstückstisch sitzen, anstatt sich schon früh am Morgen gegenseitig an die Gurgel zu gehen?
Der Burgfrieden hält aber auch nur bis zum nächsten Spiel. Bei "Perlen vor die Säue" sollen unsere Barloer Bildungsbürger aus Buchstaben Substantive bilden. Thorstens Thronfolger Nico und seine Laura sind für das erste Spiel gesperrt, also liest der Allianzminister wenigstens die Anforderungen vor, die Blitzbirne hat aber direkt ein minimales Problemchen: "Substantive, was ist das?" Auch die Insta-Intelligenzija weiß keine Antwort, denn niemand "hat irgendwas gecheckt". Woran das wohl liegt? Der Schuldige ist schnell gefunden: "Nico kann nicht so gut lesen." Hallo, Frage: Seid ihr wirklich alle zur Schule gegangen?
"Es macht keinen Sinn, nachzudenken"
Auch Soldat Sandro und seine Michelle wissen nicht, was Substantive sind, genauso wenig wie Macho Alex. Mal kurz überlegen, wie das so war, damals im Unterricht? Nicht doch. "Es macht keinen Sinn, nachzudenken, wenn ich nicht weiß, was ein Substantiv ist." So viele intellektuell spärlich möblierte Menschlein auf einem Haufen zu sehen, ist ungefähr so gruselig wie deren Rhetorik, "Alter".
Am Ende gewinnen Anna und Tano das Spiel mit 62 richtigen Buchstaben und sichern sich damit den Nominierungsschutz. Und während man noch kurz darüber nachdenkt, ob RTL künftig vielleicht auch Dreisatz oder so unlösbare Fragen wie "Wer schrieb 'Faust'?" ins Programm aufnimmt, widmet sich das Sommerhaus auch schon wieder dem nächsten Wahnsinn.
Hati und Alex haben erneut ein Problem. Genauer gesagt: mehrere. Ganz oben auf der Liste: Zigaretten. "Wie viel ich hier rauche, ist meine Sache", sagt der Fluppen-Tyrann. Drama-Queen Hati sieht das allerdings komplett anders und will ihrem Macker lediglich 25 mickrige Lunten für den Tag drehen. Na, so eine regulierte Unverschämtheit aber auch! Vor allem, wenn man bedenkt, dass er schon morgens fünf weggeballert hat.
Die Kippen-Kontrolleurin kann kaum glauben, über welche Mengen wir hier eigentlich reden: "Du kannst darauf nicht klarkommen, dass du 50 bis 65 Zigaretten am Tag rauchst." (...) "Entweder wir machen es so, oder du küsst mich nicht."
Und weiter geht's mit der Paartherapie Molz/Suárez: "Diese Beziehung steht wirklich auf der Kippe und wenn du jetzt nichts machst, ist mir das auch egal", sagt Hati zu Alex. Beim nächsten Spiel geht es direkt weiter, der Beziehungsfeldwebel erklärt seiner Freundin schließlich: "Du bist der Fehler", und wenn man sieht, wie sie ihm ein Glas Wasser mit voller Inbrunst ins Gesicht schüttet, könnte man meinen, dass an seiner Analyse durchaus was Wahres dran sein könnte. Und na ja, natürlich kullern über die selbst aufgemalten Sommersprossen dicke, fette Krokodilstränen. Oder um es im guten alten Ricky-Sprech von Tic Tac Toe zu sagen: "Jetzt kommen die Tränen wieder auf Knopfdruck. Das kennen wir ja schon."
Als wäre dieses Krawallpärchen nicht schon anstrengend genug, gibt es leider, leider auch noch Nico und Anita, die beständig an allen Ecken zündeln, während sie sich in ihrem geistigen Minimalismus auch noch als Macher und Strippenzieher wähnen und pausenlos was von "Allianzen" fabulieren.
Tatsächlich hat sich aber vor allem Nico inzwischen "komplett rausgeschossen". Ferry findet: "Ich würde mich so schämen an seiner Stelle." Der Sohn von Kassalla-Thorsten wiederum freut sich, wenn er im Haus "Gesprächsthema Nummer eins" ist. Doch selbst seine Laura ist offensichtlich schwer genervt.
Wo geht die Sonne unter? "Der Erde?"
Zum Glück naht Rettung. Julian F. M. Stoeckel und sein langjähriger Partner Marcell Damaschke sind auf dem Weg nach Bocholt, wobei die Rollen in dieser Beziehung recht eindeutig verteilt sind: Julian ist der Star, einer, der, wie er selbst sagt, überall erkannt wird. "Puppen-Designer" Marcell wohnt noch bei seinen Eltern. Die Stoeckel süffelt schon im Auto Schampus und hat, als sich endlich das Gartentürchen von Barlo öffnet, schon leicht einen im Tee.
Viel Zeit zum Akklimatisieren bleibt nicht. Die beiden werden direkt zum Spiel "Tischlein deck dich" verfrachtet, wo die Paare Fragen beantworten müssen und bei falschen Antworten Ekelessen serviert bekommen, unter anderem "Schlampagner", wie Kassalla-Kronprinz Legat vorliest. Im Lesen ist er, wie wir bereits wissen, wirklich schwach und des Englischen ist er auch kaum mächtig. Dafür aber ist er mit einem Mundwerk ausgestattet, das sämtliche Defizite mühelos überragt.
Bei diesem Spiel offenbart sich die gesamte Bildungsmisere der versammelten Geisteselite. Frage: Wo geht die Sonne unter? Hati: "Der Erde?" Im Norden vielleicht? Niemand weiß es. Wie lang dauert der weibliche Zyklus? 3 Tage vielleicht, 6 oder 28 Tage? Man sollte anerkennen: Wenn es im Oberstübchen dunkel ist, kann man schwer wissen, wo die Sonne gerade steht.
Den Sieg holen sich schließlich Michelle und Sandro mit sieben richtigen Antworten. Auch sie sichern sich somit Nominierungsschutz. Damit sind Anna und Tano sowie Michelle und Sandro bei der nächsten Rauswahl geschützt, während der Rest weiter in der beliebtesten Sommerhaus-Disziplin aufgeht: frotzeln, lügen, intrigieren.
Als "die Stoeckel" schließlich das Gartentürchen öffnet und eintritt, sagt Nico: "Den kenne ich schon lange, das ist ein Freund von meinem Vater, er ist Team Legat." In welche Allianz soll nur der einzige Star im Haus? Während die "ganzen Arschkriecher" bei den Neuen "eine Schleimspur" hinterlassen, fragen diese erst einmal: "Haben wir hier Personal?" Und: "Wer ist Nico?"
Julian will "ein Mittelmaß an gutem Stil walten lassen" und sagt, er müsse nicht mit allen befreundet sein. Im persönlichen Gespräch mit Hati erzählt der Mann, der mit seinen 39 Jahren "nicht mehr so jung ist", von "früher". Da musste man noch was leisten, um berühmt zu werden, heute sei alles ganz anders. Da hat man halt einfach Instagram oder, wie Hati meint, einen "fetten Arsch". Die Stoeckel will wissen: "Warum haben wir zugelassen, dass so viele Doofe berühmt werden?" Man könnte stundenlang über dieses Thema philosophieren.
Folge fünf verläuft ohne Rauswurf, dafür aber mit einem Stimmungsbarometer, bei dem Anita und Fabrice mit den meisten Stimmen eine Klatsche kassieren. Gehen muss niemand, was man nach knapp zwei Stunden Knatsch und Sitzenbleiben in deutscher Grammatik definitiv als vertane Chance sehen kann. Dafür wissen wir jetzt wenigstens, was ein Substantiv ist.
Und während Anita und Fabrice schon mal anfangen zu rechnen, wer ihnen bei der nächsten Nominierung möglicherweise "hinterfotzig" kommt, dürfte die Stoeckel spätestens jetzt begriffen haben, wo sie da gelandet ist. Nämlich - Achtung, Substantiv - in der HÖLLE.