Musik

Polaroids am LagerfeuerKings of Leon lassen die lauten Stadien hinter sich

06.11.2026, 16:52 Uhr
imageVon Kai Butterweck
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Kings of Leon_01 (c) Josh Goleman
Machen Lust auf eine intime Clubtour: Kings of Leon. (Foto: Josh Goleman)

Zwei Jahre nach ihrem letzten Album "Can We Please Have Fun" tauschen Kings of Leon die Stadion-Attitüde gegen akustische Tiefenentspannung und Americana-Vibes. Ein Stilwechsel, der voll aufgeht.

Ein gutes Vierteljahrhundert nach ihrer Bandgründung blicken die Kings of Leon auf ihrem Longplayer "O My Beloved" zurück. Thematisch geprägt von Erinnerungen an die Kindheit, die Jugend und das Leben im beschützten Elternhaus, lehnen sich die Stadionrocker aus Tennessee entspannt zurück und lassen es musikalisch überraschend ruhig angehen. Nach den drei bereits im Vorfeld veröffentlichten Singles "My Whole World", "Cold Blue Dawn" und "Koysar" konnte man bereits erahnen, dass die Band mit ihrem Jubiläumswerk, dem 10. Studioalbum, ein neues musikalisches Kapitel aufschlagen wird. Statt mit großer Pose und rockiger Arena-Attitüde präsentieren sich die Mannen um Mastermind Caleb Followill im Herbst 2026 von ihrer handzahmen Seite.

Dass das wunderbar funktionieren kann, haben in der Vergangenheit schon andere musikalische Großkaliber unter Beweis stellen können. "Am Ende des Tages geht es immer um den Song", erklärte Kiss-Starchild Paul Stanley einmal, als es um die klassischen Erfolgsgeheimnisse der Branche ging. Und ja, wenn ein Song alles mitbringt, Emotionen hervorruft und nachhaltig im Gedächtnis bleibt, dann braucht es nicht zwingend laute Gitarren und pumpende Drums, um die Massen zu begeistern. Kings of Leon verlassen sich ganz auf ihre songwriterischen Qualitäten – und liegen damit ziemlich oft genau richtig.

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Sachte und geschmeidig durchs Heartland

Die beiden ersten Vorab-Singles fungieren als erwärmender Einstieg. "My Whole World" macht den Anfang mit sachte geschlagenen Akustikakkorden und unaufgeregter Schlagzeugbegleitung im Hintergrund. Ganz vorne nimmt das kratzige Organ von Caleb Followill viel Raum ein. Das anschließende "Cold Blue Dawn" nimmt den Hörer zunächst mit auf eine luftig lockere Heartland-Tour, ehe die Strophe einsetzt und mit ihr eine abrupte Stille für gespitzte Lauscher sorgt. Followills Stimme und eine leicht angezerrte Gitarre drängen in den Vordergrund, ehe der Rest Band pünktlich zum Refrain wieder mit einsteigt.

Die Ruhe und Entspanntheit stehen dem Vierer gut zu Gesicht. Spätestens wenn die ersten wirklich hartnäckigen Melodielinien nicht mehr aus den Ohren wollen, ist man vor den heimischen Boxen hin und weg ("The Hand"). Eingerahmt in ein crunchiges Soundbild, das Springsteen-Freunde genauso anspricht wie Fans von The Gaslight Anthem und Tom Petty, fahren die Kings Of Leon zur Albummitte hin zur Hochform auf. Egal ob mit leichtem Blues-Einschlag ("Make It Count"), auf den Spuren von Eddie Vedder und Co ("Koysar"), oder mit dutzenden Polaroid-Bildern am Lagerfeuer sitzend ("Feel The Love"): Die Band fühlt sich hörbar wohl in ihrer neuen Bubble, in der junge Väter noch einmal zu Kindern werden, sich Perspektiven im Minutentakt ändern und Dankbarkeit und Wertschätzung die Richtung vorgeben.

"Blue Jeans And Diamonds" wabert lieblich vor sich hin, während das in sich gekehrte "Warm Company" tiefenentspannte Woodstock-Vibes versprüht. Am Ende verfliegt die kernige Attitüde der vergangenen zwei Jahrzehnte beinahe gänzlich ("Pretty Thing"). Was bleibt, ist ein wohliges und warmes Gefühl, der Blick nach draußen, dort wo die bunten Herbstblätter ein dazu passendes farbenprächtiges Bild zeichnen, und der Wunsch nach einer intimen Clubtour, die sich, ganz im Zeichen dieses Albums stehend und mit ein paar spannenden Coverversionen verfeinert, vor einer weiteren imposanten Stadiontournee sicherlich nicht zu verstecken bräuchte.       

Quelle: ntv.de

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