"Monströse Ungerechtigkeit"Charles bringt keine Entschuldigung für Sklaverei über die Lippen

Es geht um unbeschreibliches Leid, das verursacht wurde, und Unmengen an Geld, die verdient wurden. Bis ins 19. Jahrhundert hinein beteiligt sich Großbritannien am Sklavenhandel. In der Gegenwart tut sich das Königreich schwer, damit den richtigen Umgang zu finden - auch Charles.
König Charles III. hat Hoffnungen auf eine Entschuldigung für die Rolle seines Landes im transatlantischen Sklavenhandel erneut enttäuscht. "Wie ich bereits zuvor gesagt habe, ist dieses beschämende Kapitel der Geschichte eines, das mein Herz mit Entsetzen und meine Seele mit tiefster persönlicher Trauer erfüllt", sagte der 77-Jährige bei seiner Rede zum Commonwealth-Gipfel in St. John's, der Hauptstadt des Inselstaats Antigua und Barbuda. Eine ausdrückliche Entschuldigung blieb er aber weiterhin schuldig.
Forderungen danach waren in den vergangenen Jahren stetig lauter geworden. Dass der König keine offizielle Entschuldigung äußern wird, war zwar bereits erwartet worden, dürfte aber trotzdem für Enttäuschung sorgen. Es wäre "nicht angemessen", wenn sich der König als Oberhaupt des Commonwealth zu konkreten politischen Fragen äußern würde, die "die Haltung der britischen Regierung betreffen", hatte der Palast im Vorfeld mitgeteilt. Bislang hatte die Downing Street eine offizielle Entschuldigung vermieden - wohl insbesondere wegen der Sorge vor noch lauteren Forderungen nach Reparationen.
Der erst seit Kurzem amtierende Premierminister Andy Burnham, der ebenfalls am Commonwealth-Gipfel teilnimmt, deutete aber einen Kurswechsel an. Seine Regierung sei offen für Gespräche über eine offizielle Entschuldigung, schrieb der Premier zuletzt in der Zeitung "The Guardian". Die Briten seien "weltweit führend" gewesen bei der Abschaffung der Sklaverei. "Und wir können heute wieder Führungsstärke zeigen", schrieb Burnham. Ähnlich hatte sich auch Charles geäußert.
"Die Geschichte zeigt, dass das Böse nicht das letzte Wort haben muss", so der Monarch. Es sei einer Mischung von Charakter und Mut zu verdanken, dass der internationale Sklavenhandel, den er als "monströse Ungerechtigkeit" bezeichnete, einst beendet worden sei. Dabei habe die britische Royal Navy eine führende Rolle gespielt, so Charles weiter.
"Zahlt, was ihr uns schuldet"
Reparationszahlungen an die betroffenen Länder schließt Burnham trotz des angekündigten Kurswechsels aus. "Ich glaube nicht, dass das die richtige Antwort ist", schrieb der Premier. Schließlich könne die heutige britische Bevölkerung "nicht für historische Verfehlungen haftbar gemacht werden". Im Rahmen der Gespräche über eine künftige offizielle Entschuldigung will er sich jedoch auf internationaler Ebene dafür einsetzen, dass wirtschaftlich schwächere Länder beim Abtragen ihrer Schuldenlast ein Entgegenkommen erhalten, schrieb Burnham im "Guardian". Dazu könnten niedrigere Zinsen oder längere Rückzahlungsfristen gehören.
Konkret schlug er etwa Infrastruktur-Hilfen in Höhe von 40 Millionen Pfund (fast 48 Millionen Euro) über drei Jahre für Karibikstaaten vor. Am Montag sprach Burnham bereits mit der Premierministerin von Barbados, Mia Mottley, über den angestrebten Dialog. Bei dem Gipfeltreffen mit den anderen Regierungschefinnen und Regierungschefs der Commonwealth-Länder sind weitere bilaterale Treffen geplant.
Besonders im 18. Jahrhundert war Großbritannien eine führende Macht im Sklavenhandel. Im Rahmen des transatlantischen Menschenhandels wurden Schätzungen zufolge zwischen 1640 und 1807 rund drei Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner von englischen Schiffen in die britischen Kolonien in der Karibik, in Nord- und Südamerika sowie in andere Länder transportiert. Verboten wurde der Sklavenhandel aus Afrika im damaligen British Empire ab dem 1. Mai 1807; die Sklaverei an sich wurde in den Kolonien erst 1834 abgeschafft. Entschädigt wurden die versklavten Menschen und ihre Nachfahren bis heute nicht, wohl aber die damaligen Sklavenhalter.
Die Forderungen nach Entschädigung für den Sklavenhandel hatten die neuntägige Karibikreise von König Charles III. bestimmt. Bei seinem Besuch auf den Bahamas empfing ihn eine protestierende Menge mit Plakaten wie "Zahlt, was ihr uns schuldet". In einer Rede vor Jugendlichen sprach der König anschließend vom "großen Leid der Vergangenheit".
